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Gericht spricht René Schnitzler frei: "Ich habe niemals ein Spiel manipuliert"

René Schnitzler ist spielsüchtig, Ex-Mittelstürmer des FC St. Pauli - und wurde nun vom Vorwurf des Wettbetrugs freigesprochen. Er sei "glücklich und erleichert", sagte er dem stern.

Von Wigbert Löer

Geld habe er zwar angenommen - aber niemals ein Spiel manipuliert, beteuert René Schnitzler

Geld habe er zwar angenommen - aber niemals ein Spiel manipuliert, beteuert René Schnitzler

Für die Staatsanwaltschaft Bochum war es ein hartes Urteil. Zwei Jahre Haft auf Bewährung hatte sie beantragt für René Schnitzler, den früheren Mittelstürmer des FC St. Pauli. Doch nun hat das Gericht ihn freigesprochen. Schnitzler hatte zugegeben, gemeinsam mit seinem Freund Uli Hamanns aus Mönchengladbach von einem Wettpaten in den Niederlanden 100.000 Euro angenommen zu haben. Dafür hatte der heute 30-Jährige zugesagt, Spiele des FC St. Pauli zu verschieben.

Aber: "Ich habe niemals ein Spiel manipuliert. Ich habe das damals versprochen, doch niemals durchgeführt", sagte Schnitzler dem stern nach dem Prozess. "Ich bin froh, dass jetzt ein Urteil da ist. Immerhin ist das Ganze ja schon sieben Jahre her." Schnitzler muss nur 900 Euro wegen Steuerhinterziehung zahlen. Sein Kumpel Uli Hamanns wurde ebenfalls freigesprochen. Wegen Steuerhinterziehung war Hamanns gar nicht erst angeklagt worden.

Schnitzler beschrieb sein Gefühl nach der mehrtägigen Verhandlung in Bochum am Donnerstagnachmittag als "glücklich und erleichtert". Er dankte seiner Familie. "Die hat immer, immer, immer zu mir gehalten", sagte er. Von seinem Anwalt Rainer Pohlen, so Schnitzler weiter, habe er sich bestens vertreten gefühlt.

Verweis auf den Fall Hoyzer

Die Kammer des Bochumer Landgerichts hatte erhebliche Zweifel, ob die Manipulationszusage von Schnitzler wirklich ernst gemeint war. Eine Verurteilung wegen Betruges erschien ihr deshalb als falsch. Schnitzlers Anwalt Rainer Pohlen sagte dem stern, die Staatsanwaltschaft sei "rechtsirrig davon ausgegangen, dass es gar nicht darauf ankomme, ob die St.-Pauli-Spiele damals wirklich manipuliert werden sollten. Sie dachte, die formale Unrechtsabrede reiche aus." Pohlen verwies auf das Urteil des Bundesgerichtshofes im Prozess gegen den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer. "Ich verstehe das Urtel des BGH so, dass eine ernsthafte Manipulationsabsicht auf Seiten des Spielers bzw. des Schiedsrichters bestanden haben muss."

Auch der Wettpate selbst selbst wurde vom Vorwurf des Wettbetrugs freigesprochen. Paul Rooij wurde umgehend aus der Untersuchungshaft entlassen. René Schnitzler fuhr nach dem Prozess zurück nach Mönchengladbach, wo er die erste Mannschaft des Rheydter SV trainiert. "Wir sind im Abstiegskampf", sagte Schnitzler, der auch noch selbst aufläuft. "Jetzt stemme ich mich wieder mit voller Kraft dagegen. In Bochum habe ich heute aber erstmal drei Punkte geholt."

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