Eine Depression bei einem Kind oder Jugendlichen zu erkennen ist gar nicht so einfach - sogar für Ärztinnen und Psychologen kann das schwierig sein. Kleine Kinder können kaum über ihre Probleme sprechen, Heranwachsende trauen sich oft nicht. Umso genauer sollten Sie Ihr Kind beobachten.
Bereits Babys können depressiv sein, vor allem wenn sie ihre Bezugperson verlieren oder wenn sie misshandelt werden. Sie schreien und weinen anfangs viel. Später werden sie teilnahmslos. Die Babys bleiben mager, wachsen zu langsam, greifen, krabbeln und brabbeln später als Gleichaltrige.
Auch Kleinkinder leiden sehr, wenn Mutter, Vater oder eine andere wichtige Person plötzlich fehlen oder sich nicht um sie kümmern. Sie lernen später laufen und sprechen. Sie sind mit den Händen weniger geschickt als ihre Altersgenossen. Sie schlafen schlecht ein und leiden unter Albträumen. Sie essen mitunter zu wenig. Manche Kinder sind sehr anhänglich und jammern viel. Andere sind auffällig teilnahmslos. Manche lutschen exzessiv am Daumen. Einige schaukeln wild vor und zurück, schlagen mit dem Kopf gegen die Wand oder reißen sich die Haare aus.
Sind Kinder im Vorschulalter depressiv, dann sind sie oft sehr ängstlich und launisch. Einerseits können sie in sich gekehrt sein. Sie verlieren die Lust, mit anderen Kindern zu spielen und lernen deshalb erst spät, mit dem Laufrad zu fahren oder am Klettergerüst zu hangeln. Gleichzeitig können depressive Drei- bis Sechsjährige auch sehr aggressiv sein. Sie neigen dann zu Streit und stören das Spiel der anderen. Hinzu kommen Ess- und Schlafstörungen oder Kopf- und Bauchschmerzen. Einige Kinder fangen wieder an, am Daumen zu lutschen oder einzunässen.
Je älter die Kinder werden, desto besser lässt sich die Krankheit erkennen. Depressive Schulkinder sind traurig und ängstlich. Was sie gestern gern getan haben, macht ihnen heute keinen Spaß mehr. Sie denken viel über sich und ihr Leben nach und sind dabei überkritisch gegenüber sich selbst.
Weil sie in diesem Gedankenstrudel so gefangen sind, werden sie unkonzentriert und vergesslich. Dadurch rutschen sie in der Schule ab – und werfen es sich vor. Depressive Schulkinder neigen zu Ess-Störungen; sie essen entweder zu viel oder zu wenig. Sie leiden unter Albträumen, schlafen schlecht ein und selten durch. Der Gedanke, sich selbst zu töten, wird konkreter.
Depressive Teenager schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Was sie heute hellauf begeistert, ist am nächsten Tag schon wieder uninteressant. Die Jugendlichen grübeln, zweifeln an der Welt, sind zynisch und gelangweilt. Sie bleiben in ihrem Zimmer hocken und schließen die Eltern aus. Häufig lassen ihre Leistungen in der Schule nach.
Typisch sind auch Schlaf- und Ess-Störungen sowie Kopfschmerzen. Vor allem Mädchen neigen zu Magersucht oder Fressattacken. Manche Jugendliche versuchen ihre Probleme mit Alkohol und Drogen in den Griff zu kriegen. Erwachsene stören. Jeden Annäherungsversuch empfinden die Teenager als lästig. In ihrer Traurigkeit fühlen sie sich so hoffnungslos und minderwertig, dass ihnen ein Selbstmord wie der einzige Ausweg erscheint. Bis zu zehn Prozent der Jugendlichen versuchen wenigstens einmal, sich selbst zu töten.