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Schizophrenie und Depression: Kommunikation im Hirn ist gestört

Was passiert im Gehirn, wenn der Bezug zur Realität verloren geht? Bei Depressionen und Schizophrenie führt eine Genvariante dazu, dass bestimmte Gehirnregionen nicht korrekt zusammenarbeiten, wie Forscher herausgefunden haben. Dies könnte ein Schritt auf dem Weg zur Entwicklung neuer Medikamente sein.

Eine Genvariante stört bei Depressionen die Zusammenarbeit von Gehirnbereichen

Eine Genvariante stört bei Depressionen die Zusammenarbeit von Gehirnbereichen

Forscher sind bei der Ursachen-Erforschung für Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankungen einen deutlichen Schritt weiter gekommen. Bisher war bekannt, dass diese Erkrankungen erblich bedingt sein können, seit einigen Monaten ist auch eine wichtige Genvariante erkannt. Nun sei neu erforscht, dass diese Genvariante dazu führe, dass bestimmte Bereiche im Gehirn nicht korrekt zusammenarbeiten könnten, berichteten Wissenschaftler der Universitäten in Bonn und Heidelberg sowie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit mit Sitz in Mannheim im Wissenschaftsmagazin "Science".

Wichtig für die Konfliktsteuerung

"Diese Genvariante, die wir seit letzten Sommer kennen, stört die Kommunikation in einer wichtigen Hirnregion, die am Arbeitsgedächtnis beteiligt ist oder auch für Handlungsfähigkeit oder Konfliktsteuerung wichtig ist", erklärte Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. 115 gesunde Patienten, von denen die Hälfte dieses bestimmte Gen in sich tragen, wurden mittels Magnetresonanz-Tomographen untersucht. Damit konnten die Wissenschaftler sehen, wie die verschiedenen Hirnareale zusammenarbeiten.

Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden jeweils an einer manisch-depressiven Erkrankung oder an Schizophrenie. Sie seien zu 80 Prozent genetisch bedingt, sagt der Forscher. Auch Umwelteinflüsse, etwa ob man auf dem Land oder in der Stadt lebe, und möglicherweise auch individuelle Erlebnisse, spielen eine Rolle beim Ausbruch der Krankheiten.

Die neuen Erkenntnisse bedeuteten einen wichtigen Fortschritt. Er sei optimistisch, dass auch bald entdeckt werde, wie dieses Gen auf der molekularen Ebene wirke, sagte Meyer-Lindenberg. Dann könnte auch die Entwicklung neuer Medikamente beginnen, auf die die Medizin seit Jahrzehnten warte.

DPA / DPA

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