Schmerzmittel Paracetamol nur noch auf Rezept

Größere Packungen Paracetamol gibt es zukünftig nur noch auf Rezept
Größere Packungen Paracetamol gibt es zukünftig nur noch auf Rezept
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Seit dem 1. April fallen größere Packungen des Schmerzmittels Paracetamol unter die Verschreibungspflicht. Eine zu hohe Dosis des Medikaments kann die Leber schädigen. Auch Johanniskraut-Präparate gegen mittelschwere Depressionen gibt es nur noch auf Rezept.

Ab dem 1. April 2009 gibt es Packungen des Schmerzmittels Paracetamol, in denen insgesamt mehr als zehn Gramm des Wirkstoffs enthalten sind, nur noch auf Rezept. Packungen mit bis zu 20 Tabletten mit je 500 Milligramm bleiben freiverkäuflich. Wichtigster Grund für die Änderung: Größere Mengen des Medikaments können die Leber akut schwer schädigen; dies kann sogar zum Tod führen. Daten der Giftnotruf-Zentralen bestätigen: Wenn es um akute Vergiftungen durch Medikamente geht, ist meist eine zu hohe Dosis Paracetamol der Auslöser.

Paracetamol: Nicht länger als drei Tage einnehmen

Paracetamol ist bei gelegentlichen Spannungs-Kopfschmerzen sowie bei leichter Migräne eine Alternative zur Acetylsalicylsäure (ASS). Die Tagesdosis für Erwachsene liegt bei 500 Milligramm bis ein Gramm, höchstens aber vier Gramm, bei Spannungs-Kopfschmerzen sollten nicht mehr als 1,5 Gramm pro Tag genommen werden. Ärzte empfehlen, Paracetamol nicht länger als drei Tage einzunehmen und diese Höchstdosen einzuhalten.

Professor Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel, der den stern.de-Ratgeber Kopfschmerz betreut, betont, dass man Schmerzmittel in hohen Dosen nie ohne ärztliche Diagnose nehmen sollte. "Wer zum Beispiel häufiger als an zehn Tagen im Monat ein Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen benötigt, sollte unbedingt beim Arzt abklären lassen, was die Schmerzen verursacht." Den Beschluss hält er allerdings für "Aktionismus". "Paracetamol ist in normaler Dosierung ein sehr gut verträgliches Schmerzmittel, das jetzt in eine fragwürdige Diskussion hineingerät." Und wer sich größere Mengen Paracetamol besorgen wolle, könne das noch immer tun.

Johanniskraut: Guter Ruf als "Naturprodukt"

Ebenfalls zum 1. April werden einige Johanniskraut-Präparate verschreibungspflichtig, die zur Behandlung mittelschwerer Depressionen eingesetzt werden. Bislang waren diese hoch dosierten Mittel zwar nur in der Apotheke erhältlich, jedoch ohne Rezept. Die in Drogerien erhältlichen Präparate sind in der Regel deutlich niedriger dosiert und werden daher bei Depressionen sowieso nicht empfohlen.

Ulrich Hegerl von der Uniklinik Leipzig, Sprecher des Kompetenznetzes Depression begrüßt die Änderung: "Da Depression oft auch eine lebensgefährliche Erkrankung ist, sollte sie ebenso wenig in Eigenregie behandelt werden wie ein entzündeter Blinddarm." Johanniskraut-Präparate in hoher Dosierung wirken ähnlich wie synthetische Antidepressiva: Sie greifen ebenfalls in das chemische Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn ein. "Johanniskraut-Präparate haben einen guten Ruf als 'Naturprodukt' und sind auch gut verträglich", sagt Hegerl. Allerdings kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen - auch daher sei die Verschreibungspflicht sinnvoll.

Nina Bublitz

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