Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Hamburger Universitätsklinikum, antwortet:
Woran erkenne ich, ob mein Kind depressiv ist?
Für die Eltern ist es nicht leicht, eine Depression bei ihrem Kind zu erkennen. Achten Sie auf Stimmungsschwankungen. Ist Ihr Kind traurig? Hat es die Lust an der Schule und seinen Freizeitaktivitäten verloren? Warten Sie nicht zu lange damit, sich Hilfe zu holen. Machen Sie lieber einen Arztbesuch zu viel als einen zu wenig. Insbesondere Suizidgedanken, -äußerungen und -drohungen sollten Sie ernst nehmen und nicht einfach abtun.
Wie gehe ich mit Selbstmord-Gedanken bei meinem Kind um? Spreche ich das an oder vermeide ich das Thema besser? Unbedingt ansprechen. Ermuntern Sie Ihr Kind, mit Ihnen über seine traurigen und düsteren Gedanken zu sprechen. Was macht Dich denn so traurig? Versichern Sie ihm außerdem Ihre Liebe, Zuneigung und Wertschätzung: Ich möchte aber, dass Du bei uns bleibst. Unterstützung für den Umgang mit dem Thema bekommen Sie auch vom behandelnden Arzt Ihres Kindes.
Wenn ich die Vermutung habe, dass mein Kind depressiv ist, was mache ich am besten? Gehen Sie als erstes zum Kinderarzt. Der kann die Situation am besten einschätzen, weil er Ihren Sohn oder Ihre Tochter bereits lange kennt. Gegebenenfalls wird er Ihr Kind an einen Kinder- und Jugendpsychiater überweisen.
Müssen depressive Kinder zwangsläufig Medikamente bekommen? Den meisten Kindern genügt eine Psychotherapie. Damit haben wir wirklich sehr gute Erfolge. Doch selbst wenn der behandelnde Arzt empfiehlt, dass Ihr Kind Medikamente nehmen sollte, müssen Sie sich nicht ängstigen. Die modernen Antidepressiva machen nicht abhängig und sind sehr gut verträglich. In den ersten Wochen der Einnahme sollten Sie allerdings ein Auge auf Ihre Kinder haben: Die Medikament steigern die Aktivität, bevor sie die Stimmung verbessern. Dadurch können Aggressionen – gegen sich selbst und andere – häufiger auftreten.
Wächst sich eine Depression aus? Eine Depression ist keine Kinderkrankheit, sondern eine behandlungsbedürftige schwere Erkrankung. Sie geht – entgegen der Annahme einiger Ärzte – eben nicht von allein weg. Professionelle Hilfe und Unterstützung sind für die depressiven Kin-der und deren Eltern dringend notwendig.
Welches ist die größte Gefahr bei einer Depression? Die größte Gefahr besteht darin, eine Depression nicht rechtzeitig oder nicht richtig zu behandeln. Möglicherweise entwickelt sich daraus dann eine Erkrankung, die bis ins Erwachsenenalter anhält. Chronische Erkrankungen wiederum sind häufig von anderen Erkrankungen wie Kopf- und Rückenschmerzen sowie chronischen Darmbeschwerden begleitet. Das schränkt die Lebensqualität mitunter sehr ein.