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1. Februar 2006, 18:29 Uhr
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Einfach die Welt verändern

Schluss mit dem Gefühl der Machtlosigkeit! Jeder Einzelne kann mit Kleinigkeiten Großes bewirken und so unseren Planeten lebenswerter gestalten. In England machen das schon Hunderttausende - jetzt sind wir dran.

Nach der Ego-Gesellschaft ein neues Wir-Gefühl: Wenn alle mitmachen, kann die Wirkung enorm sein. Der neuen Bewegung geht es um die nüchterne Einschätzung unseres täglichen Tuns. Mit hartleibigen Öko-Fundis hat das nichts zu tun© Images.com/Corbis

Nein, die eine Plastiktüte weniger beim Einkauf rettet die Eisbären nicht vorm Aussterben. Und auch der Wechsel zu einem Öko-Stromanbieter wird das Klima nicht beeinflussen. Warum also die Mühe?

Weil es eben doch hilft. Und zwar dann, wenn es viele tun. Masse wirkt. Wenn Millionen Deutsche Millionen Liter Bio-Milch kaufen würden, könnte viel Regenwald in Brasilien gerettet werden.

Warum? Brasilien hat in den vergangenen fünf Jahren seine Sojaproduktion verdoppelt. Der Bundesstaat Mato Grosso im Landesinneren ist das Zentrum des Soja-Booms. Allein dort werden in einem Jahr mehr als 10.000 Quadratkilometer Regenwald gerodet. Viermal die Fläche von Luxemburg. Dieses Soja wird vor allem als Viehfutter nach Europa exportiert. Hiesige Bio-Bauern dürfen aber nur regional angebautes Futter für ihre Kühe verwenden. Der Kauf von Bio-Milch verringert also die europäische Nachfrage nach Soja - und damit den Anreiz für brasilianische Bauern, noch mehr Regenwald zu roden.

Von Klimawandel und Artenschwund bis zum Job-Export: Die globalisierte Welt erscheint fragil. Immer mehr Menschen ahnen, dass die Probleme nicht nur von fernen Regierungen und multinationalen Konzernen verursacht und entsprechend bewältigt werden können. Sondern dass jeder einzelne Konsument mit seinen alltäglichen Entscheidungen, mit seinem Lebensstil, Einfluss hat, etwas zu verändern - solange er nicht allein bleibt.

Aber wie zusammenkommen? Und: Wie vermeiden, dass man dabei als Öko-Spinner dasteht? Helfen würde eine Imagekampagne für ethisch-ökologische Ideen, ein Bestseller mit Werbeparolen für das gute Gewissen, dachte sich 2001 der 50-jährige Engländer David Robinson. Und ahnte nicht, welch mächtige Idee er damit hatte.

Ein Marketing-Manager des Sportartikelherstellers Nike hatte Robinson einige Jahre zuvor erklärt, wie aus dem schlichten Schuh für Basketball spielende Stadtjungen eine weltumspannende Trendmarke wurde: der Turnschuh, oder besser "Sneaker". "Das muss doch auch mit Ideen für ein soziales Gewissen funktionieren", dachte David Robinson, der bis dahin in der Londoner Bürgerinitiative "Community Links" versucht hatte, benachteiligten Stadtbewohnern ein besseres Leben zu ermöglichen.

Er begann, Vorträge bei Marketing-Firmen zu halten. Bei einer solchen Veranstaltung traf er Eugenie Harvey, Mittdreißigerin, die 1998 aus Australien nach London ausgewandert war, um einen Sinn in ihrem Leben zu finden. Den gab es auch in ihrem gut bezahlten Job bei einer der größten Finanz-PR-Firmen in London nicht. Sie hatte offenbar auf Robinson und seine Idee gewartet. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Es entstand die Initiative "We are what we do" - wir sind, was wir tun.

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