. .
Bücher - Rezensionen und Neuheiten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
8. Februar 2010, 17:46 Uhr

"Das Original wurde unter Schmerzen geschrieben"

Die 17-jährige Autorin Helene Hegemann hat zugegeben, dass sie Teile ihres Bestsellers "Axolotl Roadkill" vom Buch eines Berliner Autors abgeschrieben hat, das im Mini-Verlag Sukultur erschienen ist. Das Ausmaß der kopierten Passagen sei noch nicht klar, sagt Geschäftsführer Frank Maleu im Interview mit stern.de.

Frank Maleu, Geschäftsführer des Sukultur Verlags Frank Maleu ist einer von drei Herausgebern beim Berliner Kleinverlag Sukultur. Die Firma hat sich darauf spezialisiert, kleinformatige Lesehefte in ausgewählten Süßwaren-Automaten neben Schokoriegeln und Erdnüssen anzubieten. Aus einem Blog entstand das Buch "Strobo" des Autors Airen, das Ende 2008 veröffentlicht wurde

Herr Maleu, Sie sind Geschäftsführer des Sukultur Verlags, in dem das Buch "Strobo - Technoprosa aus dem Berghain" Ende 2008 in einer Auflage von 600 Stück erschienen ist. Durch einen Blog ist publik geworden, dass einzelne Stellen von Helene Hegemanns Bestseller "Axolotl Roadkill" mit Passagen aus dem Buch "Strobo" übereinstimmen, das bei Ihnen erschienen ist.

Die Stellen, die übernommen wurden, sind eindeutig. Auch Frau Hegemann bestreitet das nicht. Sie sagt, sie hätte eine Seite übernommen und eingebaut. Die Aussage kann ich nicht ganz nachvollziehen, weil ich nicht weiß, was sie damit meint. Sie hat nicht einen Blogeintrag genommen und den zerschnitten und verteilt, sondern sie hat sich aus mehreren Blogeinträgen bedient. Alle Passagen des Buches sind auch im Blog erschienen, der Blog enthält aber noch mehr Material.

Der Ullstein Verlag, bei dem "Axolotl Roadkill" erschienen ist, hat sich bislang nur über eine Pressemitteilung öffentlich geäußert und angekündigt, man werde sich bei Ihnen die Veröffentlichung der entsprechenden Passagen nachträglich genehmigen lassen. Wie stehen Sie dazu?

Über eine Genehmigung kann ich nicht sprechen, weil ich noch nicht weiß, um wie viele Stellen es sich handelt. Unser Autor Airen prüft das derzeit. Ansonsten finde ich das Verhalten des Verlages angemessen. Sie haben sofort versucht, mit uns Kontakt aufzunehmen und sind zu Verhandlungen bereit. Wie soll man sonst als Verlag reagieren, wenn ein Autor woanders abgeschrieben hat, ohne dass man davon weiß? Mir wurde gesagt, Frau Hegemann habe nur auf David Foster Wallace hingewiesen. Was ich allerdings zweifelhaft finde: Frau Hegemann behauptet, sie habe nur den Blog gelesen. Am 28.8.2009 ist die Amazon-Bestellung für das Buch "Strobo" auf ihren Namen bei uns eingegangen.

Steht denn Ihr Autor Airen in Kontakt zu Helene Hegemann?

Nein, die beiden kennen sich nicht.

Wie hat Airen auf das Plagiat reagiert?

Der Roman beschreibt das Partyleben eines jungen Mannes in der Zeit ab 2007. Dazu gehören ständige Besuche von Clubs, Feiern, Technomusik und auch Drogen. Der Autor hat diesen stark autobiografischen Roman teilweise unter Schmerzen geboren und sich Formulierungen regelrecht abgerungen. Es ist bitter, wenn dann ein anderer Autor für seine Sprachgewalt gelobt wird. Also wäre es nur fair, wenn sich die Literaturkritiker noch mal mit "Strobo" beschäftigen würden, um zu einem eigenen Urteil zu kommen.

Wer ist Airen?

Airen scheut die Öffentlichkeit, ich kann Ihnen aber versichern, dass er seine Texte selbst geschrieben hat, auch wenn er Lesungen nicht selbst hält. Wegen seiner Scheuheit lässt er sich anwaltlich vertreten. Ansonsten sehe ich im Moment keinen Anlass, die juristische Keule zu ziehen, das Buch per einstweiliger Verfügung einstampfen zu lassen, oder gar Frau Hegemann zu denunzieren. Sie hat ein gutes Buch geschrieben und sich dabei vergriffen, ohne zu fragen. Jetzt reden wir erstmal.

Interview: Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Clemens1964 (10.02.2010, 15:08 Uhr)
so dumm kann man doch nicht sein
auch nicht mit 17 - dass man nicht weiß, dass man nicht aus büchern dritter abschreiben darf... Bitte?!
herrfreitag (10.02.2010, 10:58 Uhr)
traurig
kein autor ist frei von anderne einflüssen, aber sich feiern lassen, in dem man einfach abschreibt ist schon peinlich und es macht mich wütend .
der vergleich den einge user bringen wie etwa mit dem datenklauen von schülern und studenten ist absurd, da es in dem falle nur um ein "weiterkommen" in der auf leistung ausgerichteten gesellschaft geht mit welchen mitteln auch immer.
jeder denkende mensch sollte stolz auf seine geistesblitze sein.
blog_wart (09.02.2010, 12:05 Uhr)
Nicht so nachlässig!
Der Verlag heißt nicht Subkultur, sondern SuKuLTuR ? hätte die Autorin auch bei Wikipedia nachsehen können. Ein bisschen sorgfältiger, bitte!
soondecember (09.02.2010, 10:25 Uhr)
Die Situation ist für den Orginalautor sehr gut..
Wenn wir es objektiv sehen, hat der Originalautor mit dem Miniverlag keinerlei Einahmechancen, also wenn seine Passagen durch die 17jährige zum Bestseller werden und sie offen die Kopie zugibt, dann war das ein absolut effektives Marketing. So wie die Dinge jetzt liegen, ist es jurisitsch eindeutig, ihm stehen Erlöse aus dem Bestsellerroman zu, das hätte er mit seinem Miniverlag nie erreicht.
Was die Kommentatoren zu Schulen angeht, sicherlich sollte man nicht 1zu1 kopieren, aber die Informationssuche aus dem Internet ist legitim für Hausarbeiten und urheberrechtl. okay (Ausnahmeregelung Schulen). Ganz anders sieht es im Studium, insbesondere in Doktorarbeiten aus, hier ist die eigenständige wissenschaftliche Leistung Teil der Aufgabe, das Kopieren ist hier natürlich sehr traurig, man muss sagen in der Wissenschaft wird heute schon wild geklaut, aus allen Quellen, nicht nur aus dem Internet.
Tyndal (09.02.2010, 09:57 Uhr)
Fragt doch mal die Lehrer...
In den Schulen ist es doch inzwischen normal, dass Referate 1:1 aus dem Internet kopiert werden. Bei Einträgen aus Wikipedia mag das dem Lehrer noch auffallen, aber welcher Lehrer prüft schon Textpassagen und von welcher Quelle die stammen? Gleichzeitig werden Ausdrucke im Klassenraum verteilt oder Folien aufgelegt, die mitunter simple Screenshots von Webseiten sind - Lehrer dürfen ja im Namen der Bildung ein klein wenig gegen das Urheberrecht verstoßen. Allerdings sollten sie den Schülern auch erklären, dass dies eben nicht der Normalfall ist und mit ihrem Beruf zusammenhängt, woher soll der Schüler (der sich sicher nicht das Urheberrecht durchliest) das denn sonst wissen? Das Internet mit seinem Wissen und Unwissen gehört mittlerweile zum Alltag, trotzdem sehen viele Schulen nicht die Notwendigkeit, darüber zu informieren. Und schwupps bringt das eine Bestseller-Autorin hervor, die während des Schreibens gar nicht daran dachte, etwas falsch zu machen. Im zweiten Buch könnte sie vielleicht über eine Jugendliche schreiben, die das Internet als Selbstbedienungsladen betrachtet und unsanft in die Realität geführt wird?
kahame (09.02.2010, 08:43 Uhr)
Für das 2. Buch
könnte sie vielleicht einige Passagen bei Charles Bukowski abschreiben! Grins!
Administrator (09.02.2010, 08:39 Uhr)
@Albimonte
Ihr Kommentar wurde gelöscht - Sie können gern Kritik üben, aber sachlich und ohne zu beleidigen.
schade77 (09.02.2010, 08:09 Uhr)
Wohltuend?
...er muss doch gar keine Anwälte einschalten. Er hat doch wahnsinnige 600 Bücher davon gedruckt, von denen bestimmt 590 noch in den Regalen stehen. Durch diese Geschichte und allein durch dieses Interview wird ein unglaublicher Run auf das Original losgehen. Keine Angst, er muss sich nicht als Raffzahn geben, aber er wird nun bestimmt den Reibach machen.

Zur Autorin: Warum sollte sie anders sein als viele Jugendliche heutzutage. Mit dem geringsten Aufwand den maximalen Erfolg.
Countryjoe (09.02.2010, 07:19 Uhr)
Hoppla
War ein Rückschlag für die moderne Jungschmuddelliteratur. Dabei wartete ich schon auf den nächsten Schocker der dann sicher einer 12 jährigen zugeschrieben würde.
Man hätte es halt bei den Feuchtgebieten belassen sollen.
lautleise (08.02.2010, 23:45 Uhr)
Ja, ich schreibe auf einer Tastaur,
die ist kleiner wie ein Fingernagel. Machen Sie das mal mit...
MEHR ZUM ARTIKEL
Helene Hegemann "Originalität gibt es nicht, nur Echtheit"

Mit Abschreiben zum Bestseller: Die 17-jährige Helene Hegemann hat zugegeben, Teile ihres Romans "Axolotl Roadkill" aus dem Internet kopiert zu haben. Entdeckt wurde dies von einem Blogger, der dem Ullstein Verlag mangelnde Sorgfalt vorwirft. Er ist mit Hegemanns Erklärung nicht einverstanden. mehr...

Helene Hegemann Das Wunderkind hat abgeschrieben

Mit fremden Formulierungen zum Bestseller: Die 17-jährige Helene Hegemann hat zugegeben, Teile ihres Romans "Axolotl Roadkill" aus dem Internet kopiert zu haben. In einer öffentlichen Entschuldigung erklärte die Jugendliche, sie sei "total gedankenlos und egoistisch" gewesen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft