In zehn Jahren hat ein Kleinkrimineller seinen Namen zu einer millionenschweren Marke gemacht. Nun gibt es Bushido auch als Film. Die Geschichte einer Geldmaschine auf der Jagd nach Anerkennung. Von Sophie Albers

Bushido: gehasster, gefeierter Millionär© Joerg Koch/DDP
Bushido: Dieser Name steht in Deutschland für begeisterte Fans und schockierte Eltern, aber auch für eine Geldmaschine, die einen Schulabbrecher aus Berlin-Tempelhof zum Millionär gemacht hat. Nun hat Mainstream-Produzent Bernd Eichinger Bushidos gerade mal 31 Jahre währendes Leben verfilmt. Und eines ist klar: Dieser Mann mit dem Hundewelpenblick hat uns alle "gefickt", was in seinem Sprachgebrauch bedeutet, dass wir nach seiner Pfeife tanzen.
Anis Mohamed Youssef Ferchichi hatte alles, was es braucht, um in diesem Land kaputtzugehen. Er sieht aus wie ein Araber, ist ohne seinen tunesischen Vater aufgewachsen, war von Anfang an allein, weil seine deutsche Mutter putzen gehen musste, um ihre beiden Söhne durchzubringen. Er hat die Schule geschmissen, Drogen verkauft, Wände besprüht. Er hat geschlagen und wurde geschlagen, er hatte Ärger mit der Polizei. Und er hatte nichts Besseres zu tun, als tagtäglich mit anderen Jungs, denen es genauso ging wie ihm, zu beweisen, dass der Stärkere die Macht hat. Doch dann wurde aus Anis Ferchichi Bushido. Und es begann ein deutsches Märchen. Eines der zynischen Art.
Anfang des Jahrtausends vom Untergrundlabel Aggro Berlin und dessen Mastermind Specter auf Spur gebracht, wurde aus einem Jungen, der in einem Zimmer der Wohnung seiner Mutter wütende Raps in ein selbstgebasteltes Mikrofon bellte, eine Showbiz-Figur. Mit einer gewaltigen Ladung Düsternis, inspiriert vom französischen Rap der Banlieue, wurde ein eleganter Bösewicht von der Straße geboren, Teil eines Figurenkabinetts, in dem sich auch der "Rap-Clown" Sido und der "hässliche Deutsche" Fler fanden. Specter drückte ihnen seinen Stempel sogar ins Fleisch: Sido die Maske ins Gesicht und Bushido das von Specter entworfene B-Logo an den Hals. Doch wegen Geld und zuviel Testosteron kam es zum Streit, und Bushido wechselte 2004 zum Unterhaltungsriesen Universal. Ein berüchtigter arabischer Familienclan half ihm dabei, aus dem Vertrag mit Aggro zu kommen. Seitdem steht der Rapper "unter Schutz".
"Vor Bushido gab es niemanden im deutschen Rap, der so hart und kompromisslos gerappt hat - und dabei mit so viel Tiefgang", erinnert sich einer seiner Entdecker, der nicht mit Namen genannt werden will. Bushido hat seit damals viele Freunde und Förderer verprellt. "Er war so hungrig, er wollte es unbedingt schaffen. Er hat vielen Menschen das Gefühl gegeben 'Da rappt einer von uns.' Für ihn war der Rap kein Spaß. Er wollte nicht gefallen. Er hat versucht zu beschreiben, was er sieht, was er fühlt, was er erlebt hat. Der Ursprung war authentisch."
Und er änderte sich nicht. Bushido stand wegen Körperverletzung vor Gericht. Seine Alben landeten wegen menschenverachtender Texte auf dem Index. Politiker forderten ein Auftrittsverbot. Skandale, Vorwürfe, Verunsicherung. Doch er hatte Fans, die ihn liebten, und sie wurden immer mehr. Ja, Bushido war ein Prolet, doch ein erfolgreicher, und so musste sich die Öffentlichkeit mit ihm beschäftigen - ob sie wollte oder nicht. Und natürlich war der Bad Boy auch ein Faszinosum. So folgte dem Hass derer, die nichts verstanden, das Analysieren derer, die verstehen wollten.
"Zeiten ändern dich" Als glattgebügeltes Märchen von Sex, Drugs und Rap erzählt Bernd Eichinger die Erfolgsgeschichte des Berliner Rappers Bushido. Moritz Bleibtreu ist genauso mit dabei wie Hannelore Elsner, wenn ein Kleinkrimineller die Charts erklimmt. Herausgekommen ist ein etwas holperiges, dennoch rundes Bild einer Ikone von unten.