4. April 2008, 15:19 Uhr

Hör mal, wer da spricht

Aus dem Dunkel der Sprecherkabinen waren sie im Scheinwerferlicht zusammen gekommen: Die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie Julia Roberts und Robert de Niro trafen sich in Berlin zur Verleihung des Deutschen Preises für Synchron. Von Dana Trenkner

Eckart Dux, Tobias Meister, Jasmin Tabatabai und die achtjährige Valentina Bonalana freuen sich nach der Verleihung des Deutschen Synchronpreises in Berlin über ihre Auszeichnungen©

So haben wir Julia Roberts noch nie gesehen. "Schlüpfrige kleine Scheißerchen" tönt es deftig durch den Raum, in fehlerfreiem Deutsch. Sie ist es, sie muss es sein, ihre Stimme hat sie verraten. Doch nicht Richard Gere und Julia Roberts sitzen da am Tisch und futtern glitschige Schnecken, wie in der berühmten Szene aus "Pretty Woman", sondern Julias deutsche Stimme, die Schauspielerin Daniela Hoffmann. 1,61 Meter groß ist sie, stupsnasig, bodenständig, Schnecken mag die 45-Jährige auch nicht. Ihre Stimme kennt jeder, ihren Namen kaum jemand. Und statt der Millionengage einer Julia Roberts bekam sie für die Synchronisation von "Pretty Woman" 1992 knapp 2000 Mark.

"Ziel der Preisverleihung ist es, die Leistungen der Synchronsprecher endlich aus dem Hintergrund des Filmgeschäfts auf die Bühne zu holen", betont Jurypräsident und Bambipreisträger Rainer Brandt, selbst Betreiber eines Synchronstudios. Seine sechsköpfige Fachjury vergab Preise in sieben Kategorien. 84 Kino- und TV-Beiträge, Serien und Animationsfilme waren zuvor von Synchronproduzenten, Filmverleihern und TV-Sendern aus ganz Deutschland eingereicht worden, ein neuer Rekord im achten Jahr.

Eine Frage der Intelligenz

"Gutes Synchronisieren ist auch eine Frage der Intelligenz. Ich will kein Papagei sein sondern die Rolle so ausfüllen, dass der Zuschauer später denkt: Jodie Foster spricht deutsch", erklärte die Synchronstimme der Leinwandgröße, Hansi Jochmann, 2005 in einem Zeitungsinterview. Dafür muss der Synchronsprecher verstehen, wie das Leinwandoriginal denkt, jede Gestik, jede Mimik bis ins Detail kennen, oft auch Dialekte und Akzente lernen. Zungenbrecher wie "Hier, ihr Tunfischsandwich Sergeant Smith" oder "Sind die Assistenzarztattests fertig"? müssen mühelos klappen.

Synchronsprecher sind deshalb meist gestandene Schauspieler und heißen eigentlich Synchronschauspieler. Kein Bühnenbild und keine Maskenbildner helfen ihnen dabei, in ihre Rollen zu schlüpfen, alles muss im Halbdunkeln am Mikro erfühlt werden. Und lippensynchron soll es sein, damit das "fünf" für "five" genau dann einsetzt, wenn der Schauspieler die Oberlippe an die Schneidezähne hebt. Im Idealfall merkt der Zuschauer später gar nichts von ihrer Arbeit. "Ein Synchrontag ist körperlich extrem anstrengend denn Gestik und Mimik müssen mithelfen beim Sprechen", erklärt Daniela Hoffmann. Sie steht am liebsten mit Jeans und T-Shirt am Mikrofon. Auf Dutzende verschiedene Arten kann die quirlige Blonde so ein "fünf" sprechen: schnell, gedehnt, wütend, gelangweilt, erleichtert, verächtlich, spritzig.

"Zeuge eines Wunders"

Zu Beginn der Tonfilmära sorgte die Synchronisation für begeisterte Reaktionen: "Es ist so, als wäre man Zeuge eines Wunders geworden", schrieb ein Journalist des "Filmkurier" im September 1929, als einer der ersten Tonfilme in Deutschland synchronisiert wurde. Er war beeindruckt davon, dass den englischsprachigen Darstellern in "Broadway" deutsche Worte so "leicht und flüssig“ von den Lippen kamen, "als handle es sich um ihre Muttersprache".

Nur durch harte Arbeit und professionelle Sprecher erreicht man, dass der Ton lippensynchron erscheint. Doch das Verständnis für diese Arbeit scheint langsam verloren zu gehen: "Bei den Sendern wird heute sehr oft zu wenig auf die Qualität geachtet", sagt Rainer Brandt, "einer musste gerade eine Serie absetzen, weil sie herausragend schlecht synchronisiert war". Immer schneller und immer preiswerter sollen die Produktionen sein.

Die Preisträger: Beste weibliche Synchronstimme: Jasmin Tabatabai als Edith Piaf in "La Vie en Rose"
Beste männliche Synchronstimme: Tobias Meister für die Stimme von Forest Whitaker in "Der letzte König von Schottland"
Bestes Dialogbuch: Ursula von Langen für "Klang der Stille"
Herausragende Synchronregie: Heinz Freitag in der Tragikomödie "The History Boys"
Beste Nachwuchsleistung: Valentina Bonalana (8 Jahre), die Stimme von Lihle Mvelase in "Yesterday"
Beste synchronisierte Serie: "Weeds"
Publikumspreis des Gong-Zeitschriftenverlages: "Dr. House"
Sonderpreis für sein Lebenswerk: Eckart Dux (u.a. Audie Murphy und Anthony Perkins)

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
troller (04.04.2008, 17:49 Uhr)
hat
Jodie Foster eine männliche Synchronstimme?
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