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30. April 2010, 15:17 Uhr

Roland Emmerich sprengt Shakespeare

Eben hat er noch die Welt zerstört, nun nimmt sich Hollywoods Mann für die Leinwand-Apokalypse einen literarischen Mythos vor. Es wird wohl ordentlich Schelte setzen, wenn Roland Emmerich mit seinem Shakespeare fertig ist. stern.de war am Set von "Anonymous". Von Sophie Albers

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Roland Emmerich dreht seinen neuen Film "Anonymous" in Berlin-Babelsberg© Thomas Peter/Reuters

Bei Roland Emmerich kam es schon immer auf die Größe an: die größte Katastrophe ("2012"), das größte Monster ("Godzilla"), das größte Drama (alle seine Filme). Nun ist der Blockbuster-Regisseur nach Deutschland zurückgekehrt, um sich eines der größten Themen der Literaturgeschichte vorzunehmen: Wer war Shakespeare? War es ein genialer Geist, der die größten Dramen unserer Kulturgeschichte erdacht und aufgeschrieben hat? Waren es mehrere? Oder war es vielleicht ein Mann namens Edward de Vere?

Moment mal, Mister "Independence Day" Emmerich und Kulturkanonkönig Shakespeare? Auf den ersten Blick ist diese Kombination wahrlich verstörend. Doch wenn man sich mit der Arbeit Emmerichs ein wenig auseinandersetzt, erkennt man darin einen leidenschaftlichen Perfektionisten mit Weitblick. Und das macht das Projekt "Anonymous" vor allem eines: spannend.

Strenge Wächter

Auf dem Gelände des Studios Babelsberg bei Berlin steht voraussichtlich noch bis Juni ein Londoner Straßenzug, wie er im 16. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Verwinkelte, verrauchte Häuschen, dazwischen ein Haufen Matsch und gleich daneben das Rose Theatre. Ein Nachbau der sagenumwobenen Wirkungsstätte des Dramatikers und Poeten, der vielen als der größte aller Zeiten gilt. Historischer Film hieß bei Emmerich bisher Säbelzahntiger, Steinzeitmenschen und auch Aliens wie in "10.000 B.C.". Nun heißt es erstmals rechercheintensive, möglichst akkurate Umsetzung einer Realität, über die einiges, wenn auch nicht alles, überliefert ist.

Auf dieser Umsetzung hat unter anderem der strenge Drehbuchautor John Orloff den Daumen. Er hat zuvor das Skript zu Michael Winterbottoms "Ein mutiger Weg" (2007) geschrieben - das mit Angelina Jolie verfilmte Drama über den 2002 von pakistanischen Terroristen entführten und ermordeten US-Journalisten Daniel Pearl. Orloff ist ein gutes Beispiel für die Entschiedenheit, mit der Emmerich den neuen Weg in seiner Karriere beschreitet.

Die Besetzung ist rein englisch, ohne Hollywood-Gesichter, und darauf sei er sehr stolz, sagt der Regisseur gut gelaunt. "Stolz und dankbar" sei er, "diesen Film genau so zu drehen, wie ich will". Und das ganz ohne Erdbeben und Explosionen? Das Lachen verrutscht ein wenig: "Ich habe nicht nur Katastrophenfilme gedreht, und es ist seltsam, dass die Leute mich immer nur darauf ansprechen." Dann gibt er immerhin zu, dass der Erfolg seiner Bilder der eingefrorenen, gesprengten, gekochten Erde es ihm überhaupt ermögliche, Filme wie "Anonymous" zu drehen. "Ich setze alles ein, was ich jemals gelernt habe." Und manchmal sei er selbst erstaunt, was mit einem kleinen Budget von 30 Millionen Dollar alles möglich sei.

"Anonymous" Mit dem historischen Film "Anonymous" nimmt sich Roland Emmerich der Frage nach der Identität des gefeierten Schriftstellers William Shakespeare an. Ob dieser Mann tatsächlich Autor der weltbekannten Dramen, Komödien und Gedichte ist, beschäftigt die Literaturwissenschaft seit Jahrzehnten. Hochkarätig besetzt entsteht derzeit in Potsdam-Babelsberg ein Thriller, der die politischen Intrigen der Zeit Elisabeth I. und dieBedeutung der Kunst zum Thema hat. "Anonymous" soll 2011 ins Kino kommen

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