Es wird ekelig und explizit

19. Juni 2013, 16:34 Uhr

In ihrem Roman "Feuchtgebiete" schrieb Charlotte Roche ungehemmt über Intimrasur, Analfissur und Masturbation. Erste Bilder von dem Film zeigen: Er dürfte ähnlich schamlos und explizit werden. Von Carsten Heidböhmer

Charlotte Roches Debütroman "Feuchtgebiete" war 2008 der literarische Skandal der Saison - und der Erfolg des Jahres. Dieses Buch ist verfilmt worden und kommt am 22. August in die deutschen Kinos. Jetzt hat die Produktionsfirma Majestic fünf Bilder und einen kurzen Trailer veröffentlicht, die einen ersten Vorgeschmack auf den Film geben. Schon jetzt lässt sich sagen: Es wird schmutzig, ekelig - und vor allem explizit.

Was gut zu der literarischen Vorlage passen dürfte: Die frühere Viva-Moderatorin löste mit ihrem Erstling eine Kontroverse aus: Selten waren sich die Kritiker so uneins über den Rang und die Bedeutung eines Werkes. Einige rühmten das Buch für ihre Schonungslosigkeit und den Mut zur Ehrlichkeit. Es mache Front gegen die allgegenwärtige kapitalistische Zurichtung der Frauen zum makellosen, auf die Begehren der Männer und des Marktes ausgerichteten Objekt, schrieb etwa die "taz". Andere wendeten sich angeekelt ab. Hinter der Fassade des Tabubruchs schlummere die Biederkeit, schrieb Thea Dorn in der "Zeit". Für Roger Willemsen war es gar "mit Abstand das ekelerregendste Buch", das er kenne. Was er irgendwie als Kompliment verstanden haben wollte.

Erster Megaseller des neuen Jahrtausends

Die vornehmlich jüngere Leserschaft störte diese Literaturdebatte kaum - sie machten das Buch zum ersten deutschsprachigen Megaseller des neuen Jahrtausends. Innerhalb weniger Wochen waren schon mehr als eine Million Exemplare verkauft, insgesamt hielt sich "Feuchtgebiete" mehr als sieben Monate an der Spitze der Bestsellerliste. Gleichzeitig war es das erste deutschsprachige Buch, das es auf Platz eins der internationalen Bestsellerliste von Amazon schaffte.

Im Mittelpunkt des Romans steht die 18-jährige Helen Memel, die mit einer Analfissur im Krankenhaus liegt und dort einen gewaltigen Monolog hält: Sie spricht über ihre sexuellen Vorlieben, ihre Faszination für Kot, Schleim, Menstruationsblut und Eiter. Darin verwoben ist die traurige Familiengeschichte ihrer geschiedenen Eltern, die sie hofft, durch den Krankenhausaufenthalt wieder zusammenbringen zu können.

Schund oder Kunst?

Regie bei der Romanverfilmung führt David Wnendt, der im vergangenen Jahr mit dem in der Neonazi-Szene angesiedelten Spielfilm "Kriegerin" sein erfolgreiches Debüt feierte. Die Hauptrolle spielt eine kaum bekannte Schauspielerin: die 27-jährige Schweizerin Carla Juri, die in diesem Jahr als Berlinale Shooting-Star ausgezeichnet wurde. Für die weiteren Rollen wurden dagegen prominente Darsteller verpflichtet: Meret Becker und Axel Milberg spielen Helens geschiedene Eltern, Edgar Selge spielt den Arzt Professor Notz.

Dass sich so hochrangige Schauspieler für die Verfilmung des Romans hergeben, ist ein Hinweis darauf, dass die literarische Debatte über den Wert der "Feuchtgebiete" entschieden ist: Die Frage Schund oder Kunst scheint zugunsten des Letzteren entschieden zu sein. Was jedoch noch lange nicht für den Film gelten muss.

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