Nichts als Bikinis

22. März 2013, 11:19 Uhr

Schwellende Brüste, schwellende Hintern, schwellende Lippen. "Spring Breakers" mit den Ex-Disney-Mäusen Selena Gomez und Vanessa Hudgens ist ein prätentiöser Film für geifernde Gaffer. Von Sophie Albers

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Alien (James Franco), Rapper, Dealer und Waffennarr, meint, die "Spring Break Bitches" (Ashley Benson und und Vanessa Hudgens) unter Kontrolle zu haben - was ein Fehler ist.©

Der Spring Break ist ein US-Phänomen. In den Frühjahrsferien fallen Studenten zu Tausenden an den Stränden Floridas ein, um zu feiern. Angeblich um sich vom anstrengenden Studentenleben zu erholen. Doch steht Spring Break seit jeher vor allem für den kompletten Kontrollverlust: Alkohol, Drogen, Sex und auch Gewalt - eine Woche lang. Extrem-Filmemacher Harmony Korine ("Gummo", "Trash Humpers") beschränkt sich in seinem ersten Mainstream-Versuch "Spring Breakers" vor allem auf den Sex.

Daran scheitert diese Geschichte über vier gelangweilte Studentinnen - Freundinnen seit der Grundschule -, die nach Florida aufbrechen, wo sie mit freundlicher Unterstützung eines rappenden Dealers ausgiebig in einer halluzinogenen Soße aus Sex, Drogen und Gewalt baden. Der Film verspricht die ganze Zeit mehr, lässt kurzzeitig gar an Oliver Stones Fiebertraum "Natural Born Killers"(1994) denken, doch der kulturgesellschaftliche Anspruch ertrinkt innerhalb von Minuten in einer Sperma-Lache. "Spring Breakers" ist vor allem eines: geiferndes Gaffen auf Mädchenkörper. Da helfen auch die wabernden schönen Bildern und der hypnotische Soundtrack nicht.

Exploitation-Film 2.0

Und was für Mädchenkörper! Korines voyeuristischer Coup, sozusagen der Witz des ganzen Unternehmens, sind die Auftritte der Ex-Disney-Club-Mäuse Selena Gomez und Vanessa Hudgens, die mit ihren Kolleginnen Ashley Benson und Rachel Korine 99 Prozent des Films in Bikinis oder zumindest Mini-Hotpants rumlaufen - egal ob in der Uni, im Gerichtssaal oder auf tödlichem Feldzug. Brust und Hintern schwellen immer im Blickfeld. Exploitation-Film 2.0.

Wer nun an Tarantinos Über-Sexbomben aus "Jackie Brown" oder "Death Proof" denkt, wird auch enttäuscht. Regisseur Korine ist zu selbstverliebt, um klar zum Trash zu stehen. Kunst soll es sein, das gibt es alle fünf Minuten um die Ohren gehauen, wenn der Zoom in den Schritt oder auf die Brüste der sexy Nymphen ein bisschen verschwimmt oder die lasziven Stimmen aus dem Bild laufen: "Mom, I wanna be happy and have fun". Rein gar nichts ist hier von Bedeutung. Das Nichts trägt aber einen Bikini.

Sido auf Meth, Speed und spanische Fliege

Immerhin, ein schauspielerisches Erlebnis ist James Franco, dessen rappender dealender Alien einem als Sido auf Meth, Speed und spanische Fliege im Gedächtnis bleiben wird. Er hat ein, zwei große Augenblicke: Zum Beispiel wenn er, stolz wie ein Sack Mücken, den Bikinimädchen in einem rasenden Monolog sein Heim vorführt: Geld, Waffen, Flatscreens, teuere Klamotten, teuere Parfüms und dabei fast vor lauter Konsum-Geilheit zum Orgasmus kommt. Oder wenn er bei Sonnenuntergang am Pool am weißen Flügel sitzt und durch seine Goldzahnschiene Spears' "Everytime" säuselt, während besagte Mädchen in Bikinis und Pussy-Riot-Masken Knarren-fuchtelnd um ihn herum tänzeln. Ein Film über diesen Alien wäre wirklich vielversprechend gewesen.

Aber Korine hat sich für eine Masturbationsfantasie für Ästheten entschieden. Wie war das noch mal mit der Sexismus-Debatte?

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