Im neuen Film "Chéri" spielt Michelle Pfeiffer, eine der schönsten Frauen Hollywoods, eine alternde Kurtisane. Im stern.de-Interview spricht sie über Schönheit und Kontrollverlust.
Ja, nicht? Und Madame de Tourvel und Lea de Lorval sind sich vom Typ her sogar recht ähnlich. Sie besitzen sehr viel Anstand, beide sind auf merkwürdige Art sehr moralisch. Lea ist außerdem sehr aufrichtig und liebenswürdig, ehrlich mit sich und anderen. Madame de Tourvel wäre aber im Gegensatz zu Lea bestimmt keine Kurtisane geworden. 20 Jahre, meine Güte, meine Rolle war damals noch viel kleiner. Ich hatte weniger Szenen und damit weniger Arbeit, über die ich mir Gedanken machen musste.
Ich finde, man sollte die Rollen wählen, vor denen man am meisten Angst hat. Ein Schauspiellehrer sagte mir mal, dass diese Nervosität und Angst Bestandteile der kreativen Energie sind. Es gibt ja Kollegen, die vor besonders schweren Szenen meditieren. Doch das ist das Schlimmste, was einem passieren kann: Zu entspannt werden.
Am Anfang eines Films bin ich immer sehr nervös. In der ersten Woche, bis ich drin bin. Ansonsten hängt das von der jeweiligen Szene ab. Wenn sie mir richtig viel abfordert, ich mich sehr stark konzentrieren muss, kann ich schon ziemlich nervös werden. Für "Chéri" drehten wirl eine Szene mit mehreren Seiten Dialog und vielen Schauspielern. Nahe des Drehortes befand sich ein Flugfeld, alle zehn Minuten donnerte ein Flugzeug über uns hinweg. Wir standen also unter Druck, das schnell zu machen, auf den Takes gut zu sein, wenn kein Flugzeug flog.
Oh ja, früher habe ich wirklich gezittert vor Aufregung. Obwohl mir man das nicht anmerkte, hatte ich das Gefühl, jeder konnte sehen, wie ich am ganzen Leib bebte. Aber das ist vorbei.
Nein, das hat mich nicht belastet. Vielleicht zu Beginn meiner Karriere, aber damals war ich auch nicht wirklich gut. Ich hatte ja ohne großes Training mit der Schauspielerei begonnen. Ich fing plötzlich beim Fernsehen an, lernte den Job also vor den Augen aller. "Scarface" änderte die Dinge ein bisschen. Und "Die Mafiosibraut" bedeutete dann 1987 wirklich einen Sprung. Die Leute bemerkten plötzlich, oh!, die ist ja wirklich vielseitig!
Nein. Ich verlor zwar früher die eine oder andere Rolle, weil gesagt wurde, ich wäre zu schön. Aber in Wahrheit geht es doch darum, ob man zu der Rolle passt. Man kann nur versuchen, vielseitig zu sein. Im neuen digitalen Zeitalter scheint es aber nach oben bald keine Grenzen mehr zu geben, wie man in "Der seltsame Fall des Benjamin Button" schon sehen konnte. Man kann bald in jede Figur verwandelt werden. Das macht einem schon ein bisschen Angst.
Dr. No, stimmt.
Das ist nicht einfach für ihn.
Ich weiß es nicht.
Ich liebe es zu arbeiten, so ist es nicht. Ich denke, ich bin halt ein bisschen wählerisch.
Ich tendiere dazu, Dinge dahingehend auszuwählen, wie ich emotional auf sie reagiere. Ich denke: Wenn ich nicht darauf anspringe, springt keiner drauf an. Womit ich oft falsch liege. Aber ich kann mich nur auf etwas einlassen, wenn ich es liebe, es mich auf gewisse Weise berührt. Filme zu drehen ist hart. Es ist wahnsnnig aufregend, fordert dir aber auch alles ab. Machst du etwas aus den falschen Gründen, kann das eine ziemlich elende Zeit werden. Hab ich auch ein paar Mal gemacht. Und ernsthaft gelitten.
Ich kann mich nicht mehr an die Kritiken erinnern, aber ich weiß noch, dass "Frankie & Johnny" aus unerfindlichen Gründen floppte. Ich war sehr enttäuscht, denn ich war darauf sehr stolz. Es war eine Schande. Aber das passiert halt manchmal.
Kann sein ... Hm ... Ja. Würde ich zustimmen. Nicht die am meisten zu vernachlässigende, aber eine davon. Und der Film hat wirklich alles verändert. Ich war gerade mit Susan Sarandon und Cher in Europa unterwegs, als der Film in Amerika rauskam. Bei meiner Rückkehr war nichts mehr wie vorher. Plötzlich erkannten mich die Leute auf der Straße.