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Kinocharts "StreetDance 2" tänzelt sich nach oben


Die Men in Black behaupten weiter ihren Chartthron, dicht gefolgt von Schneewittchen und der bösen Königin. Da haben es Neueinsteiger schwer. Die liebestollen Teenager von "StreetDance 2" erreichen dennoch eine Platzierung in den oberen Rängen.

Platz 10 (9) "Safe - Todsicher"

Regie: Boaz Yakin
Darsteller: Jason Statham, Catherine Chan, Chris Sarandon

Ach, Jason Statham! Noch so ein "Transporter"-"Expendables"-"Crank"-Möchtegern-Bruce-Willis-Verschnitt. Mittlerweile scheint der fromme Wunsch vergeblich, dass der Mann mit dem schönsten Rücken der Actionbranche seinen eigenen Weg gehen könnte. Zumal "Safe" oder auch "Todsicher" - da sind sich die Plakate nicht einig - so sehr an das Bruce-Willis-Vehikel "Das Mercury Puzzle" erinnert, dass man sich schämt. Zwar ist es diesmal der Mob und nicht die Regierung, der das Kind jagt, das sich den Code gemerkt hat, den niemand wissen darf. Aber letztlich hat sie natürlich auch wieder die Finger mit im Spiel. "Safe" ist schnelle, brutale, moderne Action, bei der kein Tritt, Schlag oder böser Blick überrascht. Wer's mag.

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Platz 9 (-) "Kochen ist Chefsache"

Regie: Daniel Cohen
Darsteller: Jean Reno, Michaël Youn, Raphaëlle Agogué

Was macht eigentlich... Jean Reno? Der großartige Killer aus "Léon" und "Ronin" hat die Knarre gegen Kochlöffel und den undurchdringlichen Blick durch ein bisschen Stoffeligkeit ersetzt. Er kocht! Und das so gut, dass er drei Sterne trägt. Allerdings sind ihm nach zig Jahren im Nobelrestaurant die Ideen ausgegangen. Die hat dafür Alexandre, das verkannte Kochgenie. Und weil das hier eine Komödie ist, finden sie zusammen. Und weil das hier eine französische Komödie ist, wird charmant rumgeschrien. Das ist unterhaltsam. Aber um die wahre Größe von Reno zu sehen, warten wir lieber auf "Fantômas", die Neuauflage der Geschichte des französischen Meisterdiebs!

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Platz 8 (5) "Marvel's The Avengers"

Regie: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth

Joss Whedon, Regiegott und Schöpfer von Kultreihen wie der Highschooldämonensause "Buffy - Die Vampirjägerin" und dem ersten Sci-Fi-Western "Firefly", füllt endlich wieder die große Leinwand. Keiner schafft solche Bildfantasien und schreibt gleichzeitig so scharfe, schlaue Texte. "Marvel's Avengers" kommt fast zeitgleich mit dem skurrilen Horrorschocker "The Cabin in the Woods" ins Kino. Dabei sind die "Avengers" die ganz große Nummer: nichts Geringeres als ein Klassenzimmer voll mit den egozentrischsten einsamen Wölfen, die das Superheldenuniversum zu bieten hat. Die Organisation "S.H.I.E.L.D.", vertreten durch "Mister Cool" Samuel L. Jackson als Nick Fury, hat sie zusammengerufen, die Welt zu retten. Außerirdische, doch irgendwie auch ganz nordisch-sagenhafte Kräfte drohen mit deren Zerstörung. Also müssen Ironman (wie immer brillant: Robert Downey Jr.), Thor (leider zu selten ohne Hemd: Chris Hemsworth), Captain America ("Mad Men"-mäßig wunderbar: Chris Evans), die schwarze Witwe (überzeugend rothaarig: Scarlett Johansson), The Hulk (knuffig: Mark Ruffalo) und Hawkeye (faszinierend: Jeremy Renner) sich zusammenreißen, um ihre Kräfte gebündelt gegen das Böse einzusetzen. Das scheint allerdings fast genauso unmöglich wie der Sieg über die Horrorarmee. "Marvel's Avengers" ist zuweilen etwas lang, aber ein riesiger Actionspaß mit coolen Sprüchen und smarten Referenzen - und keiner macht bessere Raumschiffe als Whedon! Entschuldige, George Lucas.

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Platz 7 (7) "Dark Shadows"

Regie: Tim Burton
Darsteller: Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Michelle Pfeiffer

Tim-Burton-Filme haben schon immer diesen ganz speziellen Humor. Viele Zuschauer haben damit so ihre Schwierigkeiten. Vielleicht deshalb kommt die Vampirnummer "Dark Shadows" nun als 100-prozentige Komödie daher. Und es ist ein großartiger, blutiger, sexy Spaß - die perfekte Mischung aus "Buffy" und "The Munsters"! Burtons Muse Johnny Depp trägt spitze Ohren und Zähne, Burtons Gattin Helena Bonham-Carter quietschrotes Haar und Eva Green am liebsten gar nichts. Basierend auf der gleichnamigen 60er-Jahre-Soap-Opera wird die Geschichte von Barnabas Collins erzählt, der im 18. Jahrhundert als Sohn reicher Eltern dem Playboytum frönte, bis er die falsche Magd verführte: Angelique Bouchard (Green) ist eine Hexe und rächt sich grässlich. Sie macht Barnabas zum Vampir, verflucht seine ganze Familie und lässt den Untreuen dann lebendig begraben. Erst 200 Jahre später kommt er frei und muss lernen, dass sein Familienanwesen fast in Trümmern liegt, seine Familie ein ziemlich kaputter Haufen ist und dass die wilden 70er angebrochen sind. Und zu allem Überdruss ist die Hexe immer noch da. Douglas Couplands prosaische Feststellung, dass alle Familien einen Knall haben, findet in "Dark Shadows" sehr unterhaltsame Kanäle. Das Motto des Films bleibt aber Shakespeare vorbehalten: "Die Hölle selbst kann nicht wüten wie eine verschmähte Frau." Eben!

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Platz 6 (6) "LOL - Laughing Out Loud"

Regie: Lisa Azuelos
Darsteller: Miley Cyrus, Douglas Booth, Ashley Greene

Nur so viel zu diesem Film: Vor vier Jahren gab es eine großartige, smarte, amüsante 21.-Jahrhundert-Version von "La Boum" namens "LOL", in der die grandiose Sophie Marceau die Mutter einer wilden Tochter spielte, die ihrer Vic in nichts nachstand. Weil der Film ein großer Erfolg war, hat Hollywood sich die Rechte gekauft und nachgedreht: mit Demi Moore als Mutter und Miley Cyrus als Tochter. Den Rest kann man sich denken. Und so kommt es leider auch.

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Platz 6 (6) "Hanni & Nanni 2"

Regie: Julia von Heinz
Darsteller: Jana Münster, Sophia Münster, Heino Ferch

Die berühmtesten Internatsschülerinnen der Welt sind zurück - und das der Zeit angemessen aufge-Biebert und -ge-Cyrust. Lindenhof wird Schauplatz von Entführungsplänen, erster Hormonwallungen und "härrrlischer" Wutanfälle der Französischlehrerin (Katharina Thalbach). Deren Neffe (mit Justin-Bieber-Welle) macht die Mädchen kirre, die eigentlich schon völlig aus dem Häuschen sind, weil angeblich eine echte Prinzessin (mit Miley-Cyrus-Ego) zu ihnen stoßen soll. Während sich die Zwillingsschwestern Hanni und Nanni um die Ehe ihrer ewig streitenden Eltern sorgen, müssen sie auch noch erfahren, dass die Prinzessin gekidnappt werden soll. Wann soll man da noch Schularbeiten machen?

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Platz 4 (3) "Der Diktator"

Regie: Larry Charles
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley

Ein Volltreffer ist Sacha "Borat-Brüno" Baron Cohen mit seiner neuen Satire "Der Diktator" gelungen. Man möchte glauben, dass Charlie Chaplin, würde er noch leben, einen anderen Humor hätte, aber wahrscheinlich wäre er stolz auf seinen Landsmann, der als Kampfkomiker nach den mehr oder weniger gut versteckten Wunden dieser Gesellschaft sucht. In Zeiten von Bin Laden, Gadhafi, Assad hat der Brite sich das Klischee des arabischen Diktators gesucht und "Borat"-mäßig schmerzfrei bis in die unappetitlichste Ecke ausgeschlachtet. Als Herrscher von Wadija wird er vor die UN in New York zitiert, um sich für Terror, Mord und Korruption zu rechtfertigen. Und dann läuft alles ein bisschen anders als der grausame Landesvater Aladeen sich das vorgestellt hat. Er landet unerkannt in einem Bioladen, erfährt Wahrheiten über seine Dissidenten, und dann verliebt er sich auch noch. Als Anti-Chaplin zieht er gegen die Bigotterie der westlichen Welt ins Feld, ohne selbst auch nur einen Deut besser zu sein. Und deshalb hört keiner zu. Wie im richtigen Leben eben.

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Platz 3 (-) "StreetDance 2 3D"

Regie: Max Giwa, Dania Pasquini
Darsteller: Sofia Boutella, George Sampson, Tom Conti

Vor vielen Jahren, in einem anderen Jahrtausend gab es einmal einen Film, der alle Jugendlichen tanzverrückt gemacht hat. Und der hieß "Fame". In einer Schule in New York ging es darum, zu singen, zu schauspielern und vor allem zu tanzen, um ein Star zu werden. Das war dramatisch, komisch, verschwitzt und unglaublich sexy. Jeder wollte damals wie Leroy oder Coco sein. Dieser 80er-Jahre-Version von "New York sucht den Superstar" folgten andere Tanz-Filme wie "Footloose", "Chorus Line" und "Flashdance". Und in dieser Tradition steht wohl auch die "Streetdance"-Reihe. Verstehen müssen über 30-Jährige diese filmbedingte Tanz-und-Liebes-Not der Jugendlichen nicht. Haben die Ü-30 in den 80ern ja auch nicht.

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Platz 2 (2) "Snow White & the Huntsman"

Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron

Wir können auch anders, schreit dieser Film und erledigt mal eben die allgemein anerkannte Disney-Kuschelversion des Grimmschen Märchens "Schneewittchen". Zwar hat die Prinzessin immer noch Haut so weiß wie Schnee und Lippen so rot wie Blut, und die böse Stiefmutter hat immer noch ein Problem mit dem Spiegel, aber das war's denn auch schon mit der altbekannten Geschichte. Diese Prinzessin wird gefangen gehalten, vom perversen Bruder der Königin bedrängt, sie kämpft, sie schwitzt, sie blutet. Aber das größte und vor allem dankenswerte Novum dieses "Remakes" (ein Film, der den Titel als Neuerfindung wirklich mal verdient) ist die Rolle der Königin selbst. Erstmals seit 200 Jahren (1812 haben die Brüder Grimm die Volkssage aufgeschrieben) geht es darum, WARUM diese Frau so hasserfüllt Jagd auf Schneewittchen macht, warum sie so verzweifelt nach Schönheit lechzt, dass sie dafür über Leichen geht. Das macht diesen schon wegen der Effekte sehenswerten Film erstaunlich aktuell. Jugend und Aussehen als Machtwerkzeuge, als Waffe und Verteidigung. So grausam (und in diesem Film sieht man das auch) und gleichzeitig so tragisch war die Königin noch nie. Und Charlize Theron spielt das so fulminant, dass Kristen "Bella" Stewart fast ein bisschen verblasst. Aber eben nur fast. Denn zum Glück können wir auch anders!

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Platz 1 (1) "Men In Black 3"

Regie: Barry Sonnenfeld
Darsteller: Will Smith, Tommy Lee Jones, Josh Brolin

Sie sind wieder da! Die coolsten Men in Black seit "Matrix". 15 Jahre nach Teil eins beglückt Regisseur Barry Sonnenfeld seine Fans mit der dritten Auflage der Will-Smith-auf-den-Leib-geschneiderten Unterhaltung und dem großartigsten seltsamen Paar seit Jack Lemmon und Walter Matthau: Smith und Tommy Lee Jones. Alien-Agent J (Smith) muss in die Vergangenheit reisen, um seinem Partner K (Jones) das Leben zu retten, weil ein schlecht gelaunter Außerirdischer namens Boris, das Tier, dem zwecks Ende der Welt ein schnelles Ableben wünscht. Die Inszenierung der Geschichte von einer Regierungsorganisation, die Aliens in Schach hält, die schon immer unter den Menschen auf der Erde weilen, während der Rest der Welt auf den Angriff von oben wartet, ist wie immer monumental aberwitzig, brachial laut, gespickt mit den seltsamsten Lebensformen und einfach irre komisch. "Men in Black 3" hält alle Versprechen, die diese erfolgreiche Kultreihe (Teil eins und zwei haben gut eine Milliarde Dollar eingespielt) je gegeben hat. Besser geht Popcornkino einfach nicht.

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sal

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