. .
Film, Kino, DVD
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. April 2009, 18:10 Uhr

Brillen gegen Piraten

Schon wieder 3D? Schon wieder eine nervende Pappbrille mit bunten Plastikscheiben? 3D ja, aber anders: näher, größer, schöner. "Monsters vs. Aliens" soll den Markt aufreißen und nebenbei die Film-Piraterie erledigen. stern.de hat sich die Brille schon mal aufgesetzt. Von Sophie Albers

3D, dreidimensional, Monsters vs Aliens, Bolt, Pixar, Disney, Dreamworks, John Lasseter, Jeffrey Katzenberg, Brillen

Die Rückkehr der dritten Dimension: Im Kino ist wieder Brille angesagt© Cary Horowitz/Reuters

Es war einmal, vor langer, langer Zeit, als die Menschen noch Walkmen benutzten, Mobiltelefone kaum in einen Koffer passten, und Madonna ein Geheimtipp war, da zog in deutschen Kinosälen der Trend zum Dreidimensionalen ein. "Der weiße Hai" kam aus der Leinwand, so auch Jasons Messer im dritten "Freitag der 13."-Film und diverse Raumschiffe in diversen All-Abenteuern. 3D war in dieser kurzen Phase in den 80er Jahren fast ausschließlich Horror und Science Fiction vorbehalten. Und es war nur mit einer zweifarbigen Pappbrille zu sehen, die elendig nervte, weil die Bügel nicht hinter den Ohren blieben. Zudem war die Technik unausgereift: die Effekte ganz okay, aber nicht spektakulär, dafür sorgte das Bildflimmern für Kopfschmerzen. Niemanden hat es damals gestört, als die dritte Dimension wieder eingestampft wurde. Schon zum zweiten Mal nach einem kurzen Hype in 50er Jahren.

Knapp ein Vierteljahrhundert später ist alles anders - weil digital: Die Effekte sind nun tatsächlich so spektakulär, wie es die Filmplakate in den 80ern versprochen haben. Das Flimmern ist weg, die Bilder sind hell, kontrastreich, der Raumeindruck ist perfekt. Zwar muss man immer noch Brillen tragen, aber die sind nun aus Kunststoff und fallen nicht weiter auf, sobald sich die plastische Pracht auf der Leinwand entfaltet. Vor allem aber scheinen Regisseure und Effekt-Spezialisten etwas begriffen zu haben: Die Technik muss der Geschichte dienen, und nicht anders herum. Quer unter einem Flugzeugflügel zu hängen, mag eine tolle Perspektive sein, langweilt aber nach zehn Sekunden, wenn es nicht durch die Handlung motiviert ist. (siehe Technik-Kasten)

Gemäß dem Spruch: "Alle guten Dinge sind drei", wirft Hollywood in Zeiten der Kino- und Finanzkrise nun zum dritten Mal die dritte Dimension ins Rennen um die Filmzuschauer-Gunst. Und diesmal stehen die Chancen ganz gut, dass sie bleiben darf.

Revolution im Raum

Eine Revolution prophezeit gar Filmproduzent Jeffrey Katzenberg ("Shrek", "Madagascar"), die "größte Veränderung des Kinoerlebnisses seit der Einführung des Farbfilms". Sicher, der Dreamworks-Chef will seinen neuen Animationsfilm "Monsters vs. Aliens" bewerben, der von Anfang an in 3D gedreht wurde, doch steht er mit seiner Meinung nicht allein da. Ganz ähnlich hört sich John Lasseter, Leiter der Trickabteilung bei Disney/Pixar, dessen Animations-Abenteuer über den Superhelden-Hund "Bolt" ebenfalls in 3D erzählt wird. "Das ist der dritte 3D-Film, den Disney rausbringt, aber der erste, der von Anfang an als solcher gedacht war. Wir haben auf die Effekthascherei verzichtet - kein 'Uh, da fliegt dir was in 3D entgegen'. Wir haben es für die Geschichte genutzt. Es hüllt dich ein, du hast das Gefühl, wirklich im gleichen Raum zu sein wie die Figuren", sagt Lasseter. Und es gibt eine starke Ansage: Sowohl Dreamworks als auch Disney haben angekündigt, dass sie nur noch in 3D drehen wollen. Schließlich sei die neue Technik für jedes Genre geeignet - laut Katzenberg selbst für Dogma-Dramen.

In den USA rennen die Menschen derzeit in die Kinos wie seit 20 Jahren nicht mehr - und gerne auch in 3D-Filme, die in rund fünf Prozent der US-Kinos zu sehen sind. "In Krisenzeiten wächst die Unterhaltungsindustrie", wiederholt "Bolt"-Produzent Charles Spencer ein altbekanntes Hollywood-Motto. "Die Menschen wollen etwas, das ihnen erlaubt, der Realität zu entfliehen." Eben dafür erzähle Disney "großartige Geschichten", und "dem soll die 3D-Technik noch etwas hinzufügen, Bilder schaffen, die man so noch nicht gesehen hat." Die Technik werde sich immer weiterentwickeln, "es geht immer noch mehr, und die Märkte wachsen. Das Unternehmen Disney muss neue Wege finden, wie Menschen Entertainment erleben können. Blu-Ray für zu Hause, 3D im Kino."

3D-Film eröffnet Festival von Cannes

Auch ohne die Mega-Marketingmacht der Unterhaltungsriesen Disney und Dreamworks funktioniert es. Das düstere Märchen und 3D-Meisterwerk "Coraline", von "Nightmare Before Christmas"-Regisseur Henry Selick, ist in den USA ein Publikumsmagnet. Werden die zwei- und dreidimensionale Version gleichzeitig angeboten, gewinnt die Plastizität. Wie bei dem Real-Horrorstreifen "My Bloody Valentine": Die 3D-Variante zog drei Mal so viele Zuschauer an wie die "flache". Offensichtlich wollen die Leute die Spitzhacke tatsächlich fliegen sehen. Und die 3D-Begeisterung hat Europa auch schon erreicht: Das ehrwürdige Filmfestival von Cannes wird in diesem Jahr mit einem 3D-Film eröffnet: mit dem neuen Disney-Werk "Up!". Das ist für das Festival-Volk nicht nur eine technische sondern fast schon auch eine skandalöse Premiere.

3D, dreidimensional, Monsters vs Aliens, Bolt, Pixar, Disney, Dreamworks, John Lasseter, Jeffrey Katzenberg, Brillen

Susan, die Riesenfrau, in "Monsters vs. Aliens"© Paramount/AP

Warum jetzt?

Stellt sich die Frage, warum 3D und warum jetzt? Die zweite Antwort ist einfach: Weil es billiger geworden ist. Die digitale Technik macht es möglich und hat mit dem Aufwand der Pappbrillen-Zeit kaum noch etwas zu tun. Ein Kino braucht für eine 3D-Vorführung einen speziellen Projektor (damals waren es zwei und auch zwei Filmkopien), eine silberbeschichtete Leinwand und die Brillen. 60.000 bis 80.000 Euro soll die Umrüstung eines Kinosaales kosten, berichtet der Berliner "Tip". Vor allem für kleinere Lichtspielhäuser eine Unsumme. Rund 50 Säle sind in Deutschland bisher entsprechend ausgestattet. "Weil 3D die Zukunft des Kinos ist, planen wir letztlich, alle Kinos umzurüsten", sagt Anna Zafiris, Sprecherin der Kinokette UCI Kinowelt.

Den 3D-Film liefert der Verleih auf Festplatte. Obwohl mit zwei Kameras gedreht wird, sei die Herstellung nicht wesentlich teurer als bei einem 2D-Film, sagt Katzenberg. "Monsters vs. Aliens" habe in 3D 165 Millionen Dollar gekostet, in 2D 150 Millionen. Leicht zu sagen, wenn man die Millionen hat.

Und warum 3D? Damit die Leute wieder ins Kino gehen. Eine vernünftige 3D-Projektion zu Hause ist nicht möglich. Das neue Seherlebnis macht den Gang ins Kino notwendig. Es ermögliche wieder die "geteilte Erfahrung mit den anderen Zuschauern", sagt Lasseter und meint, dass es natürlich Einnahmen sichert. "Die Bilder könnt ihr wegschmeißen" Dann ist da noch ein Punkt, über den Katzenberg und Lasseter nur reden, wenn man sie danach fragt: Ja, 3D sei auch eine Antwort auf die Film-Piraterie, sagte Lasseter im Gespräch mit stern.de: Denn es sei kaum möglich, einen 3D-Film abzufilmen und zu verbreiten. Katzenberg formuliert es im Interview mit "Die Welt" aggressiver: "90 Prozent aller Raubkopien werden mit einer Minikamera im Kino aufgenommen. Versucht das mal mit einem 3D-Film. Die Bilder könnt ihr gleich wegschmeißen."

Das sei aber natürlich nur der geschäftliche Aspekt, und den Filmemachern gehe es schließlich um mehr, sagt Lasseter: "Ich bin Künstler, und mir geht es um das Potenzial, was 3D für die Erzähltechnik einer Geschichte bedeuten kann". Zwar haben weder "Bolt" noch "Monsters vs. Aliens" das Kinoerlebnis neu erfunden, doch fühlt sich die 3D-Sicht tatsächlich anders an: Die Dinge fliegen einem nicht mehr entgegen, sondern man hat zuweilen wirklich das Gefühl, "in" den Film zu treten. Wenn die Riesenfrau Susan in "Monsters vs. Aliens" mit angeschnallten Autos an den Füßen durch die Straßen von San Francisco skatet, zieht es einen fast aus dem Sitz. Doch ist es "Coraline", die mit dem Raumeffekt deutlich mehr verzaubert. Wenn man plötzlich im Schmetterlingsschwarm sitzt, Spiegel zerbersten oder Artisten unter der Zirkuskuppel umherfliegen, ist man wirklich "auf der anderen Seite". Aber das ist auch eine Frage der Zielgruppe.

Warten auf James Cameron

Fast 20 3D-Filme sollen in diesem Jahr starten. Die meisten davon sind Animationen - von "Toy Story" bis "Ice Age". Im Dezember kommt allerdings mit James Camerons lang erwartetem "Avatar" ein 3D-Realfilm in die Kinos, in dem viele einen Indikator für das Potenzial von 3D sehen. 1991 hatte der "Titantic"-Regisseur mit den Effekten in "Terminator 2" im Kino die digitale Revolution vollzogen. Auch "Avatar" soll das Kinogefühl grundlegend verändern. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Zukunft des Kinos tatsächlich nur mit Brille zu sehen ist.

3D-Technik Anders als in den 50er und 80er Jahren, wo die farbanaglyphe Technik mit den rotgrünen Brillen für Kopfschmerzen sorgte, ist die digitale 3D-Technik ein entspanntes Sehvergnügen. Ist die Geschichte packend genug, vergisst man sogar die Brille auf der Nase, die mittlerweile wie eine Sonnenbrille aussieht (RealD). Um den 3D-Effekt zu erzeugen, wird ein Bild mit zwei Kameras aus leicht versetzter Perspektive gedreht. Im Kino werden die beiden Bilder dann blitzschnell abwechselnd gezeigt, 48 anstatt 24 Bilder die Sekunde, und das bei polarisierendem Licht. Derzeit konkurrieren vier 3D-Techniken um die Marktvorherrschaft. Da die Filme digital hergestellt werden, ist die Produktion günstiger als früher. Bisher sind 3D-Filme meist auch noch in 2D zu sehen

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
traldors (03.04.2009, 10:38 Uhr)
90 % (...)
werden also mit "cam" als "screener" also im Kino abgefilmt und stellt somit 90% der Kopien dar? Wie wäre es mit Drogenkonsum reduzieren? Macht die Filme bezahlbar und die "Piraterie" stirbt von alleine. Blueray ist Dank Breitbandinternet schon jetzt tot.
Habe fertig.
gormiti (03.04.2009, 08:27 Uhr)
gäääähn
schon wieder mal 3d..dann diese ganzen BlueRay Kasper kaufen das Zeug sogar. HAHAHA manche Leute glauben sogar das wenn man auf ein Baumwollhemd ein Krokodil klebt, daß es dadurch den 4 fachen Wert bekommt. Solche Werbeopfer braucht die Industrie. Ich kann das kaum glauben, wenn ich es nicht selbst gesehen hätte.
BluRay..eigentlich jetzt schon tot.
bigb-it (03.04.2009, 06:58 Uhr)
Plastikbrille schön und gut...
...aber was machen dann eigentlich Brillenträger? Ich persönlich bezweifle, dass diese sagenumwobene Plastikbrille für Menschen mit Nasenfahrrad dann auch wieder zum Problem werden, mit dem sich aber wohl noch niemand so recht befasst hat!?
Als Brillenträger lässt man sich dann am Besten gleich einen Aufsatz auf die eigene Brille fertigen, denn um den Effekt dann zu Hause über den Grossbildfernseher oder die Leinwand von Bluray zu bekommen, wird man diese dann sicher genauso brauchen.
Und die, die Filme kopieren, wissen eigentlich gar nicht, was sie an Bild und Ton herschenken. Denn die Qualität und Features einer Bluray (oder noch DVD) hat man dann natürlich nicht.
Kalox (02.04.2009, 23:17 Uhr)
tja
aber der leicht angeschwollene geldregen wird ein jähes ende finden, wenn die zuschauer wieder mal kapiert haben, dass man ihnen die selbe alte grütze verkauft hat - nur eben in 3D. hollywood bleibt hollywood - 80 müll und vom rest ist der grosse teil nur ok... na ok, immer noch besser als hier, wo 100% müll produziert wird...
Tron3D (02.04.2009, 23:04 Uhr)
auch zuhause möglich!
Von wegen nur im Kino! Die wenigsten wissen es aber natürlich ist 3D auch zuhause möglich, den PC Spielen sei Dank. Es gibt erschwingliche 3D Monitore für unter 500€ z.B. den iz3d 3D Monitor link: www.get-into-the-game.de
Der wurde zwar für PC Spiele entwickelt, die ja sowieso schon alle in 3D vorliegen. Aber funktioniert natürlich auch mit Filmen. Also 3D zuhause ist schon Realität, wenn auch noch nicht weit verbreitet. Diesmal könnte es sich aber tatsächlich durchsetzen, ich bin gespannt :)
mamek (02.04.2009, 22:16 Uhr)
Eine vernünftige 3D-Projektion zu Hause ist nicht möglich
"Eine vernünftige 3D-Projektion zu Hause ist nicht möglich". Naja, für ca. 2000 Euro gehts auch schon zuhause: mit einem 120hz Beamer für etwas über 1000 Euro. Dann noch ein Nvidia-Brillen, ein kleiner Rechner und eine besondere Abspielsoftware - fertig ist das eigene 3D Heimkino. Leider gibts derzeit nur eine handvoll offizieller Stereo-DVDs zu kaufen, aber auch hier gibts im Internet Quellen... Hoffe trotzdem, dass es bald auch endlich hochauflösende stereoskopische DVDs legal zu kaufen gibt (nicht anaglyph!). Panasonic hat ja schon ein Stereo-BD Format vorgeschlagen.
gmathol (02.04.2009, 21:55 Uhr)
@Dr.Tonklin
Absolut richtig.
Moechte nur eines hinzufuegen, die meisten Produktionen sind Machwerke deren Unterhaltungswert fragwuerdig ist. Computer generierte Szenen und ueberlaute Dolby Sequenzen werden zu Gestaltungselementen der Langweile.
Erwirbt man eine DVD, so muss man sich manchmal durch die Vorschau quaelen, da manche "intelligente" Ab-spiel-Geraete das Ueberspringen gar nicht mehr gestatten.
Behaltet euren Scheiss.
MEHR ZUM ARTIKEL
Pixar-Studio Hier wurde Wall-E geboren

Ein Fernglas, zu viel Müll und Buster Keaton. Fünf Jahre lang hat Regisseur Andrew Stanton an seinem neuen Animationsabenteuer "Wall-E" gearbeitet. Und nun verzaubert ein kleiner Müllräumroboter die Welt. Ein Besuch in den Pixar-Studios. mehr...

"Bolt - Ein Hund für alle Fälle" Kampfhund ohne Biss

Bei "Bolt" bewies Disney keinen allzu guten Games-Riecher: So vergnüglich die Abenteuer des kleines Kläffers auch auf der Leinwand sein mögen, so öde ist sein virtueller Auftritt. mehr...

"Super Paper Mario" Alles andere als flach

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wer "Super Paper Mario" spielt, bekommt dank des ständigen Wechsels zwischen 2D und 3D eine andere Sicht der Dinge. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft