Unverhüllt am Toten Meer

18. September 2011, 09:57 Uhr

Das letzte Hemd für eine Sache hergeben an die man glaubt. Etwa 1200 Israelis nahmen das wortwörtlich und stiegen nackt in das Tote Meer. Oder das, was davon noch übrig ist.

Spencer Tunick, nackt, Israel, Totes Meer, Ufer

Nackt am und im Toten Meer - für orthodoxe Rabbiner eine Horrorvorstellung. Für die Statisten von Spencer Tunick ist es jedoch eine große Freude©

Der für seine Projekte mit nackten Menschenmassen bekannte US-Fotograf Spencer Tunick hat für seine neueste Aktion am israelischen Ufer des Toten Meers etwa 1200 Menschen versammelt. Das Fotoprojekt, zu dem die Freiwilligen nackt auf einem privaten Strand zusammen kamen, hatte im Vorfeld in Israel für heftige Kritik gesorgt. Orthodoxe Rabbiner und Politiker warnten vor "Sodom und Gomorrha" und drohten mit juristischen Schritten, um die Aktion zu verhindern. Die Teilnehmer seien zwischen 18 und 77 Jahre alt und überwiegend männlich gewesen, berichtete die Zeitung "Jerusalem Post" am Samstag.

Ob seine Projekte akzeptiert würden, zeige den Grad der Offenheit und Toleranz eines Landes, sagte der 44-jährige jüdische Künstler diese Woche vor Journalisten. Wenn ein Land Nackt-Kunst zulasse, erweise es sich als offen, progressiv und engagiert. Der Fotograf versammelte in den vergangenen Jahren bereits tausende nackte Menschen für Projekte in Sydney, New York, London, Barcelona, Wien und Düsseldorf sowie auf einem Schweizer Gletscher.

Nackt für Umweltschutz und Demokratie

Das "Nackte-Meer-Projekt" ist Teil einer Kampagne, um die Anerkennung des Toten Meers als ein Naturwunder der Welt zu erreichen. Am 11. November kann im Internet darüber abgestimmt werden. Das Tote Meer liegt 417 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt der Welt. Angesichts der Verwendung des Wassers aus dem Jordan zur Bewässerung von Ackerflächen sinkt seit Jahren das Niveau des Toten Meers. Sollte nicht dringend etwas unternommen werden, könnte es bis 2050 vollständig verschwunden sein.

Der 25-jährige Teilnehmer Raffe Gold sah eine politische Bedeutung der Aktion. Er habe teilgenommen, um für Israel als liberale Demokratie in einer ansonsten nicht gerade freizügigen Weltgegend zu werben. "Ich tue das, weil ich überzeugt bin, dass Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, wo eine Fotoserie von nackten Menschenmassen aufgenommen werden kann", zitierte die "Jerusalem Post" den jungen Mann. Bei den meisten moslemischen Nachbarn Israels ist es verpönt, dass Frauen nackte Haut zeigen. Viele Frauen tragen sogar beim Baden lange Gewänder.

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