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2. Juni 2008, 14:17 Uhr

"Videoclips sind eine Qual"

Was können Sie in Ihren Solosongs ausdrücken, was mit a-ha nicht geht?

Gegenfrage: Was kann man mit einem neuem Bild ausdrücken, das man nicht auf anderen Bildern konnte? Warum packt man nicht all seine Gefühle, Ansichten, Ideen in ein einziges Gemälde? Ich bin ein ganz anderes Gebilde als a-ha. Sting ist auch nicht Police. Mal so als Beispiel. Es gibt Bands, wie die Rolling Stones, die nur als Gruppe eine Einheit sind. Deshalb strebt auch niemand ernsthaft eine Solokarriere an. Sting und Police sind Gegenpole.

Sonderlich gegensätzlich ist der Sound von a-ha und der Ihres Solomaterials aber nicht.

Oh, das haben mir noch nicht Viele gesagt. Und so ist es auch nicht. Nehmen wir mal an, man würde einen Gentest bei meinen Solostücken durchführen und das Ergebnis mit dem von a-ha vergleichen, der Biologe würde "Letter Of Egypt" eine völlig andere DNA bescheinigen.

Worin liegt denn der Unterschied?

Den entdeckt man nur, wenn man sich das Album anhört. Es ist falsch, es im Vorfeld zu erklären. Jeder reagiert anders auf den Vibe einer Platte. Warum muss man seinen Geist immer formatieren?

Sie haben die Songs von "Letter From Egypt" auf verschiedenen Kontinenten geschrieben.

Richtig. Ich habe immer mein Mobiltelefon dabei. Sobald ich eine Idee habe, nehme ich sie damit auf.

Haben Sie deswegen im Werbespot eines Mobiltelefonherstellers mitgewirkt?

Ja. Die Firma wusste, dass ich ihr Produkt benutze, also haben sie bei mir angefragt.

Schadet so etwas nicht der Glaubwürdigkeit eines Musikers? Zu Beginn des Gesprächs erwähnten Sie, es gehe Ihnen beim Musikmachen nicht um das Geschäft.

Das Mobiltelefon ist ein wichtiger Bestandteil meines Songwritingsprozesses. Was in der Werbung gezeigt wird, bildet die Realität ab. Ich war tatsächlich in Marrakesch, um zu komponieren. Ich habe meine Ideen - wie in dem Spot dargestellt - via Handy direkt an meinen Kollegen Ole Sverre geschickt. Später haben wir die Aufnahmen im Studio benutzt. Heute kann man sich den Track mit seinem Handy downloaden. Das Ganze gleicht einem Kreislauf, der da endet, wo er begonnen hat. Das ist doch faszinierend.

Aber welcher Fan möchte schon den Song, bei dem er zum ersten Mal seine Freundin küsste, in einer Werbung hören? Aber die Werbung verändert den Song nicht. Das Stück bleibt stets dasselbe. Ich denke, die meisten Konsumenten sind in der Lage, zu differenzieren. Keine Frage: Es schadet der Glaubwürdigkeit, wenn man seine Musik einem Zweck zur Verfügung stellt, den man nicht vertreten kann, einer politischen Kampagne zum Beispiel. Wenn mit einem Song allerdings eine Armani Hose beworben wird, die gerade in ist, dann mögen die Leute den Spot plötzlich, die die Verquickung von Musik und Produkten immer abgelehnt haben. Welcher ist Ihr Lieblingssong auf "Letter From Egypt"? Das ist der Titeltrack "Letter From Egypt". Er hat starke Lyrics. Moment, ich spiele ihn Ihnen vor (greift zur Gitarre und singt).

Von Verena Stöckigt
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