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14. Januar 2011, 10:40 Uhr

Udo ist für alle da

Von Genscher bis Gysi - reichlich politische Prominenz zeigte sich auf der Premiere des Udo-Lindenberg-Musicals "Hinterm Horizont" in Berlin. Lindenberg, die Liebe und die Mauer haben eine ganz neue Vereinigungs-Qualität.

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Der echte und der Bühnen-Udo: Udo Lindenberg und Darsteller Serkan Kaya© Jens Kalaene/DPA

Der Wunsch von Gregor Gysi wurde erfüllt. Am Schluss stand Udo Lindenberg persönlich auf der Bühne und sang seinen Uralt-Hit "Candy Jane". Das Premierenpublikum genoss den Auftritt des Originals sichtlich. Minuten zuvor lagen sich der echte und der Musical-Udo in den Armen:ein älterer Panik-Rocker und ein junger Schauspieler, beide mit Hut, langen Haaren und Sonnenbrille. Und beide sehr gerührt. Es war eine erfolgreiche Premiere des Musicals "Hinterm Horizont" mit der Musik von Lindenberg.

"Gitarren statt Knarren", der alte Lindenberg-Spruch aus den 80er Jahren, leuchtete einmal groß auf der Bühne auf. Das Motto des Stücks hätte aber auch heißen können: Lindenberg, die Liebe und die Mauer. "Hinterm Horizont" erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Rocksänger Udo aus Hamburg und Jessy, einem "Mädchen aus Ostberlin", angelehnt an Lindenbergs gleichnamigen Song aus den 70er Jahren. Die Grenze zwischen Ost und West verhindert das gemeinsame Leben von Udo und Jessy. Auch Stasi-Chef Mielke und seine Leute bedrängen Jessy, ihr Vater pocht auf die sozialistische Ehre ("Wir haben unser Blauhemd noch mit Stolz getragen"), ihr Bruder flieht, und sie muss schließlich eine schwere Entscheidung treffen.

Von Gysi bis Genscher

Unter den Premierengästen waren führende Politiker der Zeit der Wiedervereinigung. Nachdem Lindenberg mit einem goldenen Trabi vorgefahren war, posierte er zusammen mit dem früheren westdeutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und dem letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière (CDU) für die Kameras.

Genscher, der für die Premiere angereist war, sagte: "Udo, das ist ein toller Kerl." Auch De Maizière war zufrieden: "Das Stück hat den Ton getroffen, es ist keine Verharmlosung, die Repression der Stasi ist realistisch dargestellt. Es fängt auch viel von der Tragik des Lebens in der DDR ein." Der Linke-Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi erinnerte sich: "'Der Sonderzug nach Pankow' war ein einzigartiger Hit in der DDR." Walter Momper (SPD), beim Mauerfall Regierender Bürgermeister von Berlin, sagte: "Das wird die Legende von der Legende werden."

"Das ist unsere Geschichte"

Unter den Gästen waren auch die Schauspieler und Filmleute Otto Sander, Wim Wenders, Joachim Król, Katja Riemann, Martina Gedeck, Ulrich Tukur und Peter Lohmeyer, der mit seiner Frau, der Köchin Sarah Wiener erschien. Der Boxer Axel Schulz sagte über das Musical und seine Ehe mit einer Frau aus Westdeutschland: "Das ist unsere Geschichte heute."

Der Mauerbau vor knapp 50 Jahren, dargestellt mit Originalfilmaufnahmen von Stacheldraht und Panzern, der Fall der Mauer vor 21 Jahren und die Gegenwart geben den zeitlichen Rahmen. Neben der politischen Geschichte des geteilten Deutschlands präsentiert das Stück auch eine musikalisch-historische Abhandlung: Lindenbergs Lieder der vergangenen mehr als drei Jahrzehnte, von den rockigen Anfängen bis zu sanften Balladen - "Boogie-Woogie-Mädchen", "Odyssee", "Verbotene Stadt", "Hinterm Horizont", "Sonderzug nach Pankow", "Was hat die Zeit mit uns gemacht" oder "Andrea Doria".

Zwischen Dauerwelle und Stasi-Horror

Die fast drei Stunden dauernde Geschichte ist natürlich - wie von Musicals nach Abba- oder Queen-Liedern bekannt - stark konstruiert. Die vielen Szenen und Tanzeinlagen boten dem Drehbuchteam um Autor Thomas Brussig ("Sonnenallee") dafür aber zahlreiche Möglichkeiten, Details der 80er Jahre und besonders des Lebens in der DDR freundlich-satirisch zu illustrieren: Dauerwellenfrisuren, Trainingsanzüge, FDJ-Tanzkurse, Ost-Jeans und ein Stasi-Casting, um dem West-Sänger Udo eine Ost-Konkurrenz entgegenzusetzen.

Nuschelnd, tanzend und singend gelingt es dem jungen Darsteller Serkan Kaya recht gut, den großen - in Wirklichkeit eher kleinen - Lindenberg auf der Bühne darzustellen. Noch überzeugender wirken Josephin Busch und Anika Mauer als die junge und die ältere Jessy, weil sie nicht ständig an einem real existierenden Vorbild gemessen werden.

Andreas Rabenstein, dpa/sal
 
 
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