Fast 40 Millionen verkaufte Alben, Nummer-eins-Hits in 36 Ländern und "Take On Me", der Song, der Musikclip-Geschichte schrieb - mit a-ha hat Morten Harket alles erreicht. Warum er heute trotzdem lieber Handy-Werbung als Musikvideos dreht, erklärte er stern.de. Von Verena Stöckigt

Sieht auch ohne a-ha gut aus: Morten Harket© Jo Hale/Getty Images
Während die ehemaligen Teenager-Idole New Kids On The Block gerade in biederen Zweireihern für ihr Reunion-Album werben, tritt der a-ha-Sänger die Promotionreise für sein Soloalbum "Letter From Egypt" wie ein junger Hüpfer an: Blau-weißes Ringelshirt, unter dem sich Bizeps und Waschbrettauch geschickt abzeichnen, abgewetzte Jeans und Segelschuhe (natürlich ohne Socken), um den Hals eine Kette mit Elefantenzahnanhänger, neben sich eine schwarze Akustikgitarre - so bittet der 48-jährige Womanizer zum Interview.
Auch wenn Morten Harket mit glatter Stirn und markanten Wangenknochen noch wie auf dem "Bravo"-Starschnitt von einst aussieht, die Popwelt hat sich weitergedreht. Ob mit ihm oder ohne ihn, ist schwer zu sagen. Während die Plattenfirma in einen "funky Clip" der neuen Teenie-Sensation Jonas Brothers investiert - die bringen bei ihren Gigs die Mädchenherzen übrigens mit einer Coverversion von "Take On Me" zum Schmelzen - schaut der a-ha-Sänger in die Röhre. Zur ersten Single seines Soloalbums wird es keinen Clip geben. Zu alt sei der Protagonist inzwischen. Glatte Stirn hin oder her.
Nee. Es stimmt zwar, dass "Take on Me" den Musikclip etabliert hat, aber es geschah unter widrigen Umständen. Wir wurden zur Waffe im Kampf zwischen Warner Bros und MTV. Damals stand die Frage im Raum: Sollten die Plattenfirmen MTV bezahlen, damit sie Clips ausstrahlen oder sollte MTV Warner Bros bezahlen, weil es mit Clips sein Programm bestritt? Mir bedeutete das Video zu "Take On Me" nicht viel. Als ich begann, Platten zu hören, gab es keine Videoclips. Mir waren sie fremd, und ich bedauere, dass die Clipproduktion noch heute eine essenzielle Methode ist, Musik bekannt zu machen.
Stimmt. Ich war mit dem Mädchen aus dem Clip zusammen. Ohne Zweifel gab es Musikvideos, die uns gut getan haben. Aber manchmal blieb nicht die Zeit, einen künstlerisch anspruchsvollen Clip zu drehen, und dann wurde der Dreh zu einer lästigen Qual.
Sie sind beides. Sie sind ein Fluch, weil sie den Kandidaten nur einen limitierten Spielraum lassen. In diesen Shows wird das Talent der Teilnehmer in leicht verdauliche Würfel geschnitten, die perfekt zwischen die Werbepausen passen. Die Jury und die Zuschauer bewerten nur die Fähigkeit, die Töne zu treffen. Um den vorgetragenen Songs eine tiefere Bedeutung zu geben, bleibt keine Zeit. Andererseits ist eine Castingsendung für junge Musiker natürlich eine fantastische Möglichkeit, einfach mal auszuprobieren, wie sich Ruhm anfühlt. Brutal ist dabei nur der Fokus, in dem plötzlich Leute stehen, die keinerlei Übung im Umgang mit Medien haben. In einem sehr jungen Alter ist so etwas ziemlich ungesund. Wenn der Ruhm zu früh kommt, kann Potenzial im Keim erstickt werden.
Ach, mein Charakter ist verdorben. Er war es schon immer, da kann man nichts machen (lacht). Nein - mal ehrlich: Fast alle Topstars dieser Welt würden den Test in einer Talentshow nicht bestehen. Ihr Talent hätte man nicht erkannt, sie wären durch das System gefallen.
Weil es nicht ums Geschäft geht. Man macht das nicht, um erfolgreich zu sein. Man macht es, weil einen die Musik in ihren Bann zieht. Natürlich muss jedes Projekt ein klein wenig erfolgversprechend sein, sonst kann man es nicht finanzieren, aber am Ende ist es die Hingabe, die einen dazu führt, ein Album aufzunehmen.