Xavier Naidoo umarmt alle Schwulen und Lesben

15. November 2012, 12:05 Uhr

Das Duo Xavas soll in einem Lied Gewalt verherrlichen und Schwulenfeindlichkeit verbreiten. Die Musiker weisen die Vorwürfe zurück - und verteidigen den Song. Ihre Ankläger sind nicht überzeugt. Von Henrietta Reese und Elias Schneider

Xavas, Xavier Naidoo, Vorwurd, Volksverhetzung, Homophobie, Die Linke

Kool Savas (l.) und Xavier Naidoo machen als Xavas gemeinsam Musik. Nun wurden sie aufgrund eines Textes angezeigt.©

Mit ihrem Lied "Wo sind" haben Schmusesänger Xavier Naidoo und Rapper Kool Savas für Empörung gesorgt. Stein des Anstoßes ist die Textzeile "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?" Kritiker sehen darin Schwulenfeindlichkeit und zeigten das Duo wegen Volksverhetzung an.

Die zwei Musiker haben sich am Donnerstag gemeinsam zu Wort gemeldet, die Vorwürfe zurückgewiesen, aber zugleich das Lied verteidigt. Beide veröffentlichten ein Statement auf ihrer Homepage, in der sie sich jeweils zu den Anschuldigungen erklären. "Ich möchte klar stellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen", schreibt Savas.

Gegen den Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit geht Naidoo mit der Aussage an: "Zuerst möchten wir all unsere Sympathie und unseren großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit bekunden." Der Sänger erklärt, ihm gehe das Thema Ritualmorde an Kindern sehr nahe. Deshalb habe er den Song geschrieben. Der Text werde von den Kritikern falsch interpretiert, die in der Anzeige vorgebrachte Darstellung sei nicht nachvollziehbar. "Ich hoffe, dass nun das nötige Licht auf diese furchtbaren Verbrechen gelenkt wird, zum Schutz der Betroffenen und der Kinder, denen dies widerfährt und widerfahren ist."

"Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab"

Die Jugendorganisation Solid und die Landesarbeitsgemeinschaft Die Linke.queer NRW, beides Verbände der Linkspartei, hatten Strafanzeige gegen die Musiker gestellt. Die Staatsanwaltschaft Mannheim prüft nach eigenen Angaben die Vorwürfe in alle Richtungen.

Am Ende des Albums "Gespaltene Persönlichkeit" versteckt sich der Hidden Track "Wo sind", in dem es um satanische Ritualmorde an Kindern gehen soll. Ein sogenannter Hidden Track (verstecktes Stück) bedeutet, dass er am Ende einer CD kommt, nachdem die offiziell auf der Platte angegebenen Titel gelaufen sind. Nach Meinung der Linksjugend wird in dem Text des Lieds zu Gewalttaten aufgerufen und "auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmissbrauch, Pädophilie und Homosexualität" gleichgesetzt.

In dem Song heißt es:

"Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?"

Die Linksjugend bleibt unzufrieden

Josi Michalke, Bundessprecherin der Linksjugend, äußerte sich positiv über das Statement der Musiker und sagte stern: "Wir freuen uns über die Stellungnahme und finden es gut, dass die beiden sich von Homophobie distanzieren und die Bedeutung des Textes näher erklären." Überzeugt von der Glaubwürdigkeit des Duos ist sie aber noch nicht. "Wenn sie wirklich nicht homophob wären, hätten sie sich von ihrem Text distanziert - sie haben ihn aber verteidigt. Wir bemängeln, dass im Besonderen überhaupt nicht auf den betreffenden Satz ("Warum liebst du keine Mösen ...", Anm. d. Red.) eingegangen wurde. Dieser hat, auch im Angesicht der anderen Erklärungen, in unseren Augen weiterhin eine homophobe Konnotation."

Die Linksjugend fordert weiterhin, dass das Lied von nachfolgenden Versionen des Albums entfernt wird und nicht mehr auf Konzerten gespielt wird. Die Anzeige gegen Xavas bleibt weiter bestehen, da sie aus rechtlichen Gründen nicht mehr zurückgezogen werden kann. Den Fall weiter forcieren will die Linksjugend, so Michalke, aber nicht.

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