Er war ein Niemand, in dessen Leben kaum etwas so klappte, wie er es sich wünschte - bis er in einer Talentshow gewann. Nun macht Paul Potts Werbung für die Deutsche Telekom und rührt die Menschen zu Tränen. Von Tobias Schmitz

Paul Potts tritt im Bloomingdales in New York auf, 2007© Rob Loud/Getty Images
Man muss nur ein kleines bisschen gelebt haben auf diesem Planeten, um den Zauber jener Geschichte des Opernsängers Paul Potts nachempfinden zu können. Muss nur selbst ein bisschen erfahren haben, wie sehr die kleinen Niederlagen des Alltags schmerzen. Und wie ungerecht es ist, dass immer nur die anderen ein strahlendes Lächeln, Selbstbewusstsein, Talent, Glück und Erfolg haben, während man selbst klein, still, schüchtern und mit mittlerem Übergewicht vor sich hin ackert, ohne je die Chance zu bekommen, entdeckt zu werden.
Paul Potts war ein dicklicher Handyverkäufer aus Bristol, ein zutiefst unsicherer Mann mit birnenförmigem Kopf, Hamsterbacken und so schiefen, gelben Zähnen, dass er sich selbst bei seiner Hochzeit nicht traute, mit offenem Mund zu lächeln. Jetzt ist Paul Potts, 37, ein Star - in Deutschland vor allem dank der Deutschen Telekom, die aus der Lebensgeschichte des Briten instinktsicher einen tief bewegenden Werbespot gemacht hat. Die Telekom hatte erkannt: Es mag bessere Sänger auf der Welt geben, aber kaum einen, dessen eigenes Schicksal so sehr wie große Oper anmutet.
Ouvertüre: Paul Potts, 1970 in Bristol als Sohn eines Busfahrers und einer Supermarkt-Kassiererin geboren, findet in der Musik Zuflucht vor allen Widrigkeiten des Lebens. In der Schule wird er wegen seines Aussehens gehänselt, in Chören aber akzeptiert. Mit 16 kauft er eine billige Aufnahme von José Carreras und entdeckt seine Liebe zur Oper. Professioneller Sänger zu werden, traut er sich nicht zu, tritt aber in Amateur-Ensembles als Solist auf.
Er jobbt in einem Supermarkt und füllt Regale auf. Später wird er Handyverkäufer - für umgerechnet acht Euro die Stunde. Im Jahr 2000 kratzt er sein Erspartes zusammen und geht nach Italien, um die Sprache der Oper zu lernen und privaten Gesangsunterricht zu nehmen. Einmal darf er als Teilnehmer eines Kurses sogar vor dem großen Pavarotti singen, doch bald geht ihm das Geld aus. Dann beginnt sein Leidensweg: Nach einem Blinddarmdurchbruch stellen die Ärzte bei ihm 2003 einen Nebennierentumor fest. Kaum genesen, bricht er sich bei einem Motorradunfall das Schlüsselbein. Er kann nicht arbeiten, lebt von seiner Kreditkarte, macht Schulden. Vier Jahre lang singt er keine Note. Dann meldet er sich bei einem Talentwettbewerb an.
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Stern
Ausgabe 31/2008