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Borowski und die gewagte Fortsetzung

Wird der Mörder aus dem jüngsten Kieler "Tatort" noch gefasst? Nach dem ungewohnten, offenen Ende sitzt der Autor der Folge bereits an einer Fortsetzung. Der Grund: Schauspieler Lars Eidinger.

Von Niels Kruse

  Nicht wer, sondern wo ist der Mörder? Borowski (Axel Milberg, r.) muss sich vielleicht wieder auf die Suche nach Kai Korthals (Lars Eidinger, l.) machen.

Nicht wer, sondern wo ist der Mörder? Borowski (Axel Milberg, r.) muss sich vielleicht wieder auf die Suche nach Kai Korthals (Lars Eidinger, l.) machen.

Vor Kurzem war Gregor Weber noch "Tatort"-Kommissar im Saarland, bis er und sein Partner Maximilian Brückner vom Sender SR kurzerhand abserviert wurden. Entsprechend aufgewühlt schrieb der Schauspieler danach für das Magazin "Cicero" ein paar Thesen über die Krimireihe nieder. So bemängelte er etwa, dass die ARD-Macher zu wenig Mumm in den Knochen hätten. Und dass sie zu sehr auf die Quote schielten. Folge: langweilige Dutzendware zur besten Sendezeit. Nun hat der NDR bewiesen, dass es auch anders geht. Der jüngste Fall aus Kiel, "Borowski und der stille Gast" überzeugte die meisten Kritiker - nur nicht alle Zuschauer.

Gerade einmal 7,5 Millionen wollten den brillant-finsteren Psychothriller sehen. Für die Krimireihe insgesamt ist das ein unterdurchschnittlicher Wert, für den Kieler Ableger dagegen der beste seit drei Jahren. Die wohlwollende Berichterstattung im Vorfeld hat also Wirkung gezeigt - trotzdem war mehr für den beim Publikum nur mittelmäßig beliebten Kommissar nicht drin. Was allerdings die oft und nun von Gregor Weber wiederholte Behauptung stützt, dass die gefürchtete TV-Quote nur die Erwartungshaltung der Zuschauer spiegelt, statt die Qualität der eigentlichen Sendung. Was der Zuschauer nicht eh schon mag, das guckt er auch nicht. Anders gesagt: Ob sich das Kieler Wagnis überhaupt gelohnt hat, wird sich frühestens beim nächsten Fall zeigen.

Nächster Borowski-Fall im Oktober

Der verantwortliche Sender NDR ist zumindest zufrieden - sowohl mit dem filmischen Resultat als auch mit der Quote. "Es ist schön, wenn man etwas riskiert und dann dafür von den Zuschauern belohnt wird", heißt es beim Norddeutschen Rundfunk. Wie hoch die Strahlkraft von "Borowski und der stille Gast" tatsächlich ist, wird sich bereits am 14. Oktober zeigen, wenn das Duo Borowski/Brandt wieder ermittelt. Anlass ist ein realer (Polit-)Krimi, der sich dieses Jahr zum 25. Mal jährt: die Barschel-Affäre.

Laut Senderangaben wird Regisseur Christian Alvart zudem den ersten Hamburg-"Tatort" mit Til Schweiger inszenieren. Befürchtungen, der neue Kommissar würde den Sonntagabend im Sinne seiner Erfolgsfilme "Keinohrhasen" oder "Zweiohrkücken" weichspülen, scheinen sich zumindest für den ersten Fall nicht zu bestätigen.

Borowski-Autor Sascha Arrango sitze darüberhinaus am nächsten Kieler Fall, und "würde sich freuen, wenn der fantastische Schauspieler Lars Eidinger noch einmal in einem 'Tatort' zu sehen sein würde", wie eine Sendersprecherin sagt. Die Leistung Eidingers, der in der "Stille Gast" den psychopathischen Mörder gespielt hat, sei auch der Grund gewesen, warum die Figur am Ende des "Tatorts" nicht gefasst worden ist - entgegen den Gewohnheiten der Krimireihe. In einem Interview sagte der Autor, dass man sich mit der Flucht die Möglichkeit einer Fortsetzung offenhalten wollte.

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