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7. November 2011, 07:40 Uhr

Haircut für Jauch

Es klang fast wie eine Drohung: "Ich kann nicht versprechen, dass wir in der nächsten Sendung mal ein anderes Thema haben", verabschiedete sich Günther Jauch. Schade, denn in der Stunde zuvor hatte er wieder einmal bewiesen, dass er der falsche Mann für einen Polit-Talk ist. Von Christoph Forsthoff

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© Illustration: Philipp Möller

Er packt es einfach nicht. Politische Themen sind nicht die Sache des Günther Jauch. Schon gar nicht, wenn auch noch Sachwissen und vertiefendes Nachhaken gefragt ist. Doch da auf seinem Sendeplatz am Sonntagabend nun einmal das große politische Rad gedreht werden soll, tappt der Moderator seit acht Wochen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder in die Themenfalle. So auch am gestrigen Sonntag, als sich der Mann für die leichten und menschelnden Themen mit seiner Runde den "Chaos-Tagen in Athen" widmen wollte: "Wer will die Griechen jetzt noch retten?", lautete die unheilvolle Frage – nun, diese Talkshow ganz sicher nicht.

Vielleicht hätte Jauch drei Tage zuvor einmal das ZDF einschalten sollen: Da hatte nämlich Maybrit Illner angesichts des vom griechischen Premier Giorgos Papandreou angekündigten und dann kurz darauf wieder abgeblasenen Referendums zum Rettungspaket ein ähnliches Sujet in ihrer Sendung diskutiert – "Gefährdet Demokratie unseren Wohlstand?" Und die Talk-Kollegin hatte vorgemacht, wie sich das mittlerweile die Zuschauer ermüdende Krisenthema interessant und vor allem im Disput nach vorne gerichtet aufbereiten lässt.

Küchenpsychologe mit Einspielfilmchen

Doch dafür fehlt es dem Quoten-Hoffnungsträger der ARD einfach an Hintergrundwissen, und so kam er wieder einmal nicht über die Aneinanderreihung vorgefertigter Fragen, Umfragen und Einspielfilmchen hinaus. Oder versuchte küchenpsychologisch zu ergründen, was denn Papandreou wohl zu dem Zick-Zack-Kurs getrieben habe. Entsprechend fielen denn auch die Antworten seiner Gäste aus: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen durfte zum x-ten Mal das "verrottete" Steuersystem und das marode Sozialsystem der Griechen anprangern, Linken-Fraktionschef Gregor Gysi die Schuld für die Krise all den anderen Parteien zuschieben, die erlaubt hätten, dass "die Finanzmärkte so gezockt haben" – und mit dem griechischstämmigen Journalisten Michalis Pantelouris und seinen hart getroffenen Verwandten in Athen gab's dann auch noch die gern bemühte "menschliche" Note: "Das größte Sparprogramm, das jemals einem Volk zugemutet worden ist – die Krise bezahlt das einfache Volk."

So wie die Ahnungslosigkeit des Moderators der gemeine TV-Zuschauer bezahlt. Interessant wäre es nämlich schon gewesen zu erfahren, was sich Gysi denn unter einem "Marshall-Plan für Griechenland" konkret vorstellt, warum es für die Hellenen von Vorteil ist, aus der Eurozone auszuscheiden und die Drachme wieder einzuführen, wie Wirtschaftsprofessor Max Otte vorschlug – oder auch wie der verbale Schlagabtausch zwischen der Ministerin und der "ARD-Börsenexpertin" Anja Kohl um die Auswirkungen des Schuldenerlasses auf die Banken weitergegangen wäre. Doch dafür hätte man eben tiefer im Thema sein müssen. Stattdessen gab's vermeintlichen Publikumsservice mit ein paar allgemeinen Aussagen von Otte ("Der Euro ist die nächsten Jahre noch sicher") und Kohl, die das Renditeniveau der Lebensversicherer sinken sieht. Was für Prognosen …

Der Moderator in der Fremdwortfalle

Dass Jauch am Ende der Sendung dann noch in die Fremdwortfalle tappte, passte zu seiner bescheidenen Vorstellung: "Dann machen wir jetzt hier mal einen Haircut", wollte er witzig zu den Tagesthemen überleiten. Dumm nur, dass dieser Begriff in der Finanzsprache so gar nichts mit dem von ihm offenbar vermuteten "Schnitt" zu tun hat, sondern den Bewertungs- oder Sicherheitsabschlag für befristete Transaktionen meint. Gut möglich, dass schon bald ein eben solcher für diese Talkshow notwendig wird.

Von Christoph Forsthoff
 
 
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