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24. Januar 2012, 17:47 Uhr

Ein Herz für Thommy

Die Kritik an Thomas Gottschalks erster Sendung im ARD-Vorabendprogramm war vernichtend. Ist "Gottschalk Live" wirklich so schlecht? Warum die Show eine Chance verdient hat. Ein Einspruch von Jens Maier

Thomas Gottschalk, Gottschalk live, ARD

Sollte trotz Kritik relaxt bleiben: Thomas Gottschalk

Lahme Gags", "Dauerwerbesendung ", "fehlende Dramaturgie", "Ego-Show", "keine Relevanz " und "Sprechdurchfall": Verheerender hätte das Presseecho kaum ausfallen können. Thomas Gottschalks erste Sendung von "Gottschalk Live" erzielte zwar gute Einschaltquoten, fiel aber bei den Kritikern durch. "Eine Sendung nur mit Schwächen ist halt eine schwache Sendung", resümierte der "Tagesspiegel", und die "Süddeutsche Zeitung" fragt sogar: "Kann sowas wirklich jemandem Spaß machen außer dem Moderator selbst?" Es kann. Fünf Gründe, warum Thommy eine Chance verdient hat.

1. Premierenfieber

Die erste Sendung hatte Schwächen - keine Frage. Die Einleitung war langatmig, die Übergänge zu den Werbepausen holprig und der Moderator viel zu hektisch. Doch selbst einem Dinosaurier der TV-Unterhaltung wie Thomas Gottschalk sollte zugestanden werden, bei einer Premierensendung Lampenfieber haben zu dürfen.

2. Die Konkurrenz

Was die Konkurrenz im deutschen Fernsehen zur gleichen Zeit zu bieten hat, ist unterirdisch: Ab 19.20 Uhr schläfert das ZDF die Zuschauer mit seichten Krimis ein (um den schlimmsten als Beispiel zu nennen: "Notruf Hafenkante"), RTL sendet eine Daily-Soap auf Cora-Roman-Niveau ("GZSZ"), bei Vox brennt das Essen an ("Das perfekte Dinner"), und ProSieben geht nach dem "Wer nicht fragt bleibt dumm"-Prinzip auf Entdeckungs- oder vielmehr auf Wiederholungstour ("Galileo"). Insgesamt beherrscht seit Jahren eine Melange der Tristesse und Einfallslosigkeit das Vorabend-Programm. Das ist das Niveau, an dem "Gottschalk Live" gemessen werden muss. Nicht mehr und nicht weniger.

3. Mut zu Experimenten

Das Konzept der Sendung ist neu. Eine Gottschalk-Erfindung, die inspiriert ist von amerikanischen TV-Formaten. Es sei keine Talkshow, keine Quizshow und auch keine Comedy-Sendung, sondern eine Mischung aus "spätem Frühstücksfernsehen und zu früher Late-Night-Show", erklärte Gottschalk sein Sendeformat. Ein Experiment also. Statt auf Altbewährtes zurückzugreifen und sich auf einer Talkshow auszuruhen, will es Gottschalk noch mal wissen. Dieser Mut sollte belohnt werden.

4. Seichte Unterhaltung

Keine Hochkultur, kein ausgeklügeltes Showkonzept: "Gottschalk Live" soll nichts anderes als seichte Abendunterhaltung sein, während in deutschen Wohnzimmern zu Abend gegessen wird.

5. Gottschalk

Ein Egomane sei er, die Sendung drehe sich nur um ihn. Ja um wen denn sonst? Thomas Gottschalk mag mit seinen 61-Jahren nicht mehr der frischeste Moderator des deutschen Fernsehens sein, aber wohl immer noch der Beste. Das zeigt schon die schwierige Suche nach Ersatz beim ZDF. Seine Gags sind zwar manchmal altbacken, in punkto Schlagfertigkeit können ihm aber nur wenige das Wasser reichen.

Fazit: Aller Anfang ist schwer. Es ist Thomas Gottschalk zu wünschen, dass er in die Sendung findet. Wohin das führen kann, hat er schon einmal vorgemacht: "Das war nur der Anfang, man kann sich ja steigern", hatte er 1987 nach seiner ersten "Wetten, dass ..?"-Moderation gesagt. Demnach könnten noch 24 Jahre "Gottschalk Live" vor uns liegen.

Ein Einspruch von Jens Maier
 
 
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