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10. September 2011, 08:58 Uhr

Günther Jauch und die flachen Bälle

Am Sonntag startet Günther Jauchs Polittalk. Die Redaktion hüllt sich in Schweigen. Zu erwarten sind eine hohe Quote und kritische Blicke. Wohl deshalb wird seit Wochen tiefgestapelt. Von Sophie Albers und Carsten Heidböhmer

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Am Sonntag wird es ernst: Günther Jauch startet mit "Günther Jauch"© Jörg Carstensen/DPA

Wir erwarten nicht die Neuerfindung des Fernsehens", sagte NDR-Intendant Lutz Marmor am vergangenen Montag bei der Vorstellung von Günther Jauchs erster Politik-Talkshow in der ARD. Das war einer der kleinen Höhepunkte im ausufernd zelebrierten Ball-flach-Halten im Vorfeld der Sendung "Günther Jauch", die am Sonntag nach dem "Tatort" auf Sendung geht.

Alle Beteiligten scheinen sich auf die größtanzunehmende Niederlage vorzubereiten. Aber man kann es auch übertreiben. Die Quote wird sehr gut sein, schon wegen der ganzen Journalisten, die Jauch angeblich unbedingt verreißen wollen. Schließlich gab es schon bei der Präsentation viele kritische Fragen. Und den großen Rest dürfte die Neugier treiben, wie nett, bieder und fröhlich Jauch in seiner neuen Rolle wohl aufgehen wird.

Das Thema und die Gäste

Fröhlich allerdings wohl weniger angesichts des Themas, das eigentlich schon seit Bekanntgabe des Sendedatums feststeht: die Anschläge des 11. September, die sich an diesem Sonntag zum zehnten Mal jähren. Für Jauchs Debütsendung heißt das: "War es richtig, in den Krieg zu ziehen?".

Auffällig ist schon mal die bunte Mischung der Gäste, die ihm im Berliner Gasometer beistehen werden: Marcy Borders, die als "dust lady" bekannt gewordene Überlebende der Anschläge auf das World Trade Center, die Autorin Elke Heidenreich, Jürgen Klinsmann, inzwischen Trainer des US-Fußballnationalteams, Tanja Menz, die Mutter eines in Afghanistan gefallenen Bundeswehrsoldaten, Verteidigungsminister a.D. Peter Struck, Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner sowie der Afghanistan-Experte Jürgen Todenhöfer.

Die Fragestellung lautet, ob es Alternativen zur "uneingeschränkten Solidarität" der Regierung Schröder gegeben habe. Ob wir im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus überreagiert haben. Welche Erfolge der Afghanistan-Krieg bisher verzeichnet. Und wie die Deutschen eigentlich zu einem sofortigen Abzug aus Afghanistan stehen. Mehr gibt es aus der "Günther Jauch"-Redaktion von Jauchs Produktionsfirma I&U bis Sonntag erstmal nicht zu hören. Doch die Stimmung soll trotz all der Tiefstapelei sehr gut sein.

Hohe Erwartungen - keine Erwartungen

Zugegeben: Das sind alles keine Fragen, bei denen einem sofort die in Denkfalten geworfene Stirn von "Wer wird Millionär?"-Onkel Günther Jauch einfällt. Aber wie der Moderator selbst bei der Präsentation seines neuen Studios meinte: "Lassen Sie die Sendung erst einmal laufen."

Erwartungen gibt es aber natürlich schon. Auch bei der ARD: "Wir haben die klare Erwartung, dass die Sendung auf dem Sonntagsplatz auch künftig die meist gesehene Gesprächssendung im deutschen Fernsehen bleibt", sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann im Gespräch mit stern.de. Lustigerweise sagt er im gleichen Atemzug, dass es weder jetzt noch irgendwann Druck auf Günther Jauch gegeben habe. Dass die anderen Sendungen der neuen ARD-Talkshowschiene - mit Jauch sind es fünf - bisher nicht so gut angekommen sind, will Baumann auch nicht gelten lassen: "'Anne Will' hat am Mittwoch in ihrer zweiten Sendung auf dem neuen Sendeplatz einen Marktanteil von 12,3 Prozent erzielt. Das war sehr gut! Pauschale Urteile wie 'nicht besonders gut angekommen' halte ich schon aus diesem Grund für nicht gerechtfertigt. Im Übrigen gilt: Wir sind gerade dabei, ein neues Programmschema mit Änderungen an vier Wochentagen umzusetzen. Daran muss sich unser Publikum gewöhnen."

Allerdings hatte Anne Will am Mittwoch auch Glück, keine Konkurrenz im Zweiten zu haben. Normalerweise läuft im ZDF zur gleichen Zeit "Markus Lanz". In der ersten Woche hat das der ARD-Sendung Zuschauer gekostet.

Trotzdem hat Baumann in einem Punkt recht: Das Publikum muss sich gewöhnen. Als Anne Will 2007 den Sonntagabend von Sabine Christiansen übernahm, war der Sendung zunächst auch kein großer Erfolg beschieden. Doch über die Jahre konnte sie sich kontinuierlich steigern auf zuletzt durchschnittlich 4,2 Millionen Zuschauer. Das ist die Zahl, an der sich Günther Jauch messen lassen muss. Doch auch er wird Zeit zum Eingewöhnen brauchen.

Also: Abwarten und "Tatort" gucken. Jauchs Vorgruppe ist übrigens Lena Odenthal.

Von Sophie Albers und Carsten Heidböhmer
 
 
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