17. März 2008, 09:46 Uhr

Der abgestürzte Investmentbanker

Edel-Callgirls, Computer-Hacker und eine feindliche Übernahme durch "Heuschrecken" - kurz: Geld, Sex und Intrigen im großen Stil. Der Berliner "Tatort" mit Stretch-Limos und Privatjets war großstädtisch wie selten, pompös und am Puls der weltweiten Finanzmärkte. Von Kathrin Buchner

Bekannt geworden ist sie durch ihre Rolle als Uschi Obermaier, im "Tatort" darf Natalia Avelon das Edel-Callgirl mimen©

Sie ist abgestürzt, die Heuschrecke. Am Boden liegt sie, in einer Blutlache. "Er war ein Mensch und kein Insekt", sagt die Geliebte, eine Journalistin, hin- und hergerissen zwischen Zuneigung und Investigativ-Recherche. Das Mordopfer ist der amerikanische Investmentbanker Ted Wilson (die Heuschrecke), der mit viel Geld in der Tasche und ein wenig Liebe im Herzen nach Berlin kam, um dann von der Terrasse eines Nachtclubs gestoßen zu werden.

Eigentlich sollte dieser Wilson die Übernahme einer Firma für Kraftwerktechnik über die Bühne bringen. Es geht um Rendite, Arbeitsplätze und globales Kapital - Dinge, von denen der hemdsärmelige Kommissar Till Ritter (Dominik Raacke) keine und sein Kollege Felix Starke (Boris Aljinovic) wenig Ahnung haben. Bei den Ermittlungen in "Tod einer Heuschrecke" schlagen sie sich durch Berlins Nobelhotels, Business-Tower, Edelclubs und Maschinenhallen. Es begegnen ihnen ein korrupt-naiver Betriebsrat, ein Computerhacker, ein Edel-Callgirl, und sogar die chinesische Mafia und terroristische Verschwörungstheorien finden Eingang in diesen Finanz-Thriller. Börsenhaie reisen in Stretch-Limousinen und landen standesgemäß in Privatjets auf dem Tempelhofer Flughafen.

Stretch-Limos und Privatjets

Alles, was mit Macht, Geld, Sex und globaler Vernetzung zu tun hat, wurde von Drehbuchautor Hartmann Schmige in diesen Berliner Großstadt-"Tatort" gepackt. Entsprechend rasant und kurzweilig ist das Zusehen. Ritter durfte wie üblich flirten - diesmal mit einer frühen Liebe, der Nachtclubbesitzerin Simone (Katrin Sass), Starke ist in seiner Rolle als Vater eines mittlerweile aufmüpfigen Frühpubertierenden weniger fürsorglich als früher.

Ende im Schwarz-weiß-Schema

Erschlagen von weltweiten Kapitalströmen, Hedgefonds und feindlichen Übernahmen betreibt das Ermittler-Duo Küchenphilosophie mit Rotwein und Spaghetti Putanesca. Doch den von Starkes naseweisem Sohn geforderten Dreischritt von These und Antithese, die sich zur Synthese vereinen lassen, gibt es in diesem "Tatort" nicht. Entgegen den rasant steigenden oder fallenden Aktienkursen auf dem Finanzmarkt ist das Krimi-Ende recht flach im Schwarz-Weiß-Schema gehalten: Provisionsgeiler Finanzberater tötet aus reiner Geldgier. Kannibalismus unter Heuschrecken – schließlich mangelt es dem widerstandsfähigen Insekt an natürlichen Feinden. "Tod einer Heuschrecke" wirbelt so viel Staub auf wie ein Schwarm dieser Plagegeister. Wenn man diesen Achterbahnkrimi gesehen hat, fühlt man sich allerdings genauso leer wie ein von Heuschrecken abgegrastes Stück Acker.

 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
forever_techno (17.03.2008, 13:43 Uhr)
@rynaldo
>ep, absolute Zustimmung. Der Berliner Tatort ist immer wieder ein optisches Highlight, und die Story ebenso der Metropole Berlin angemessen!
rynaldo (17.03.2008, 13:33 Uhr)
Großstadt-Cowboys
Die beiden letzten Großstadt-Cowboys im Fernsehen. Ich glaube auch der einzige Tatort in dem die Landes-Frauenbeauftragten ihre Finger nicht im Drehbuch haben. Auch Berlin ist toll abgelichtet. Wenns auch nicht die spannenste Folge war - machts doch Spaß anzuschauen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Richy Müller Der Retter des Schwabenlands

Spätzle ade, der piefige Stuttgarter "Tatort" wird modern. Den Kommissar gibt Richy Müller, der als Rebell begann, dann in ein Loch fiel und erst sehr spät als Schauspieler ernst genommen wurde. Und Hochdeutsch kann er auch.

"Tatort"-Kritik Die Kinderleiche im Neckar

Der raubeinige Hamburger und der smarte Ehrgeizling, dazu noch zwei rassige Damen mit Migrationshintergrund: Um die Ära der schwäbischen Behäbigkeit von Kommissar Bienzle zu beenden, hat der SWR scharfe Typen, schnelle Autos und eine Kinderleiche aufgefahren.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (25/2013)
Lust auf Rezept