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2. Juni 2009, 10:48 Uhr

Die miesen Geschäfte der ukrainischen Retorten-Mafia

Reproduktionsmediziner, die ihren Patientinnen Kuckuckseier unterschieben, ukrainische Killer, die Kritiker exekutieren - der österreichische "Tatort" macht aus dem brisanten Thema "künstliche Befruchtung" eine hanebüchene Räuberpistole ohne Sinn und Verstand. Von Kathrin Buchner

Ermittlungen unter Schwangeren: Der Mord einer Starreporterin führt ins Milieu von Reproduktionsmedizin und Fruchtbarkeitskliniken© Petro Domenigg/rbb/ORF/Allegro Film

Stellen Sie sich vor, Sie wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind, aber es klappt nicht. Sie kratzen all Ihre Ersparnisse zusammen, investieren viel Geld in eine künstliche Befruchtung und bekommen ein Kuckucksbaby untergeschoben. Fremdes Ei, fremdes Sperma oder beides.

Ein Horrorszenario, dass der österreichische "Tatort" aufgreift. In "Kinderwunsch" geht es um Schwangerschaftstourismus in Fruchtbarkeitskliniken, ein Geschäft mit gigantischem Wachstum in Zeiten, in denen Paare ihre Familienplanung nicht allein der göttlichen Vorhersehung überlassen wollen. Da die Gesetze in Österreich laxer sind als in Deutschland, liegt die Erfolgsquote dort bei durchschnittlich 35 Prozent, rund zehn bis 15 Prozent höher als hierzulande. Rund 25.000 bis 30.000 Euro kosten die Behandlungen, die aus eigener Tasche gezahlt werden müssen. Je besser die Trefferquote einer privaten Fortpflanzungsklinik ist, desto mehr Kunden kommen.

Kuckuckskinder in Reproduktionsklinik untergeschoben

Der Fall beginnt klassisch: Die Leiche der Starreporterin eines Linzer Boulevardblatts wird aus der Donau gefischt, die brisanten Unterlagen sind verschwunden. Kurz darauf wird ihr Informant, ein Biochemiker, der durch einen Gentest die schmutzigen Methoden der Reproduktionsklinik "Invitral" entdeckt hatte, ebenfalls von einem ukrainischen Auftragskiller ermordet.

Während das Linzer Ermittlungsteam mit dem aus Wien herbeigeeilten Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), Gruppeninspektorin Karin Brandstätter (Fanny Stavikanik) sowie Kriminalassistent Wolfgang Rohrmoser (Michael Menzel) noch bei Rückbildungskursen in Fitnesscentern rumschnüffeln und in faden Teamsitzungen Theorien entwickeln ("die werden doch nicht einen Killer engagieren"), weiß der Zuschauer schon nach spätestens 45 Minuten den Ausgang des Falles.

Statt tiefer einzusteigen in die seelische Befindlichkeit von Familien, die die Tortur einer künstlichen Befruchtung durchstehen, schwelgt der "Tatort" in PR-tauglichen Bildern von opulenten Linzer Wohnungen. Da wirft der Kommissar wütend die schöne Musikprofessorin theatralisch auf den Flügel. Wo die feine Dame vorher noch mit anmutigen Klängen sein Herz verzauberte, ertönen nun scheußliche Misstöne. Symptomatisch für diesen "Tatort", der auf der Krimi-Klaviatur voll danebenhaut. Der liebeshungrige Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) geht mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck "vakant" ins Bett und lässt sich von einer schönen Killerspionin um den Finger wickeln.

Showdown mit Schießerei

"Kinderwunsch" schafft tatsächlich das Kunststück, konsequent an der Oberfläche zu bleiben. Zu viele Handlungsstränge verhindern die Identifikation mit einzelnen Personen und Schicksalen. Die Mediziner spulen Floskeln von Männern im Zeugungsstreik und der Glücksbeförderung von kinderlosen Paaren ab. Was es bedeuten kann, wenn hunderte von Familien entdecken, dass ihre Retortenbabys nicht ihrem eigen Fleisch und Blut entstammen, wird in einer einzigen Szene lediglich angedeutet.

Gerade zu grotesk endet der sowieso schon maue Krimi auch noch in einem völlig überflüssigen Showdown auf einem ukrainischen Schiff. Da liefert sich das Ermittlungsteam im Alleingang und bester Räuber-und-Gendarm-Manier eine Schießerei, Kommissarin und Assi werden wie Schießbudenfiguren umgenietet, um in der nächsten Szene völlig unverletzt aufzustehen - dank Schusswesten. Und die Kommissarin darf Eisner dann noch erzählen, dass sie ja eigentlich auch schwanger ist - selbstverständlich auf ganz natürliche Art und Weise. Schade um das schöne Thema, man hätte einiges daraus machen können.

Von Kathrin Buchner
 
 
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