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21. April 2008, 12:16 Uhr

Die tote Frau im Müll

Die Stadt, die Spenden und der Müll: Deutliche Anleihen beim Kölner Müllskandal nahm der "Tatort" mit Schenk und Ballauf. Leider blieb das Wühlen im Dreck zu oberflächlich. Statt eines investigativen Abfallindustrie-Krimis gab es nur ein Nostalgie-Recycling. Von Kathrin Buchner

Zoom

Mit der konfiszierten Corvette erregt Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) Aufsehen auf dem Recyclinghof© Michael Böhme/WDR

Retro-Flitzer, Currywürste mit Kölsch in der Imbissbude am Rhein und die leicht genervte Assistentin Franziska, die für die Herren Kommissare gerne undankbare Aufgaben erledigen muss. Genau wie das "Tatort"-Gucken am Sonntagabend ein Ritual ist, leben vor allem die Kölner Krimifolgen von den ritualisierten Abläufen der Ermittler Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), so dass selbst mittelmäßige Krimis aus der Domstadt noch sehenswert bleiben.

Im Mittelpunkt dieses Krimis steht der Kreislauf der Wiederverwertung. Freddy Schenk, der plumpe Haudrauf, dessen wuchtige Gestalt einen reizvollen Kontrast zu seiner Vorliebe für filigrane, schnelle Autos bildet, rauscht mit einer konfiszierten Corvette auf den Recyclinghof ein. Mit dem legendären Motorrad Quickly, aus im Schrott gefundenen Teilen zusammengebaut von Müllsammler Willy, verfolgt er dessen Mörder. Und Max Ballauf muss aus dem Hotel ausziehen und schwelgt beim Packen seiner Sachen ausgiebig in nostalgischen Erinnerungen mit alten Fotos.

Was das alles mit einem Krimi zu tun hat? Wenig. Denn eigentlich hätte es ein packend-investigativer Thriller über illegale Müllverschiebung, radioaktive Abfälle und Schmiergeld-Zahlungen werden können. Reale Vorlagen gäbe es genug, denn schließlich sorgte in Köln kürzlich ein handfester Müllskandal mit Spendenzahlung an Politiker für Schlagzeilen. Zu Beginn des "Tatorts" war noch durchaus Zündstoff vorhanden: Auf dem Recyclinghof wird eine verbrannte Frauenleiche ohne Kopf und Extremitäten gefunden, die Hauptbelastungszeugin im Müllprozess ist verschwunden, der Chef des Recylingshofs lässt sich erpressen, der Staatsanwalt fürchtet "sizilianische Verhältnisse".

Eifersucht endet im Baumbeet

Statt ordentlich im Dreck des kommunalen Müllfilzes zu wühlen, buddeln Schenk und Ballauf in den Blumenbeeten einer Gärtnerei und finden den Kopf der Ermordeten unter einem frisch gepflanzten Baum. Statt uns die Machenschaften korrupter Politiker und die mafiaähnlichen Methoden geldgeiler Verwertungsbetreiber plastisch vorzuführen, wird uns eine Gärtnerin, die aus Eifersucht mordet und ein schrulliger Zausel, der zeigt, wie man aus Dreck Geld macht und welche Perlen sich im Abfall finden, präsentiert.

Er hat seine Momente, dieser "Tatort", wenn Willy, der Müllsammler und Messie, ausgerechnet eine Raumpflegerin als Verlobte auserwählt. Aber selbst die guten Schauspieler Elena Uhlig, Hans Diehl oder Wotan Wilke Möhring können die Geschichte nicht retten. Was bleibt, ist kein Korruptionskrimi, sondern allenfalls ein Lehrstück über das Wegwerfverhalten der Deutschen.

Von Kathrin Buchner
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Bratak (22.04.2008, 12:22 Uhr)
Erwartungshaltung
Wieder einmal eine Kritik aus der Abt. "... ich soll eine Kritik schreiben, also kritisiere ich ..."
Wer nun einen Mega-Plot erwartet hat, der der Realität entsprungen sein könnte, wird sicher von diesem Tatort enttäuscht gewesen sein, zugegeben …
Dir Frage ist doch: Mit welcher Erwartungshaltung setzt man sich also am Sonntagabend vors TV und schaut Ballauf und Schenk?
Genau … es wird eine Story erzählt die hauptsächlich von den Hauptakteuren getragen wird, zusammen gehalten von einer kriminalen Rahmenhandlung. Nicht mehr und nicht weniger. Das der Mörder immer der Gärtner ist, hat sich hier ja wieder einmal als korrekt herausgestellt – um der allerorten geforderten Frauenquote gerecht zu werden, war es halt die Gärtnerin. Auch gut … Um ein paar falsche Spuren legen zu können hat der Autor ein paar Aspekte des Recyclinggewerbes eingeflochten, auch prima gemacht.
Und unter diesem Aspekt war es ein sehr unterhaltsames Filmchen, dieser neue Tatort.
Und das er nur mit "Müll" (und nicht "die tote Frau im Müll“) betitelt war, sei nur noch am Rande erwähnt …
Übrigens wurde seinerzeit "Terminator" mit Arnie S. auch nach allen Regeln der Kunst von selbst ernannten „Kritikern“ zerlegt … ;-)
ritchie (21.04.2008, 16:32 Uhr)
Magenkrank & Fett
Hatte die beiden seit längerem nicht mehr angeschaut; gestern mal wieder: Ergebnise das gleiche: der eine viel zu fett und unansehnlich der andere magenkrank und zum Lachen in den Keller. Die Stern-Kritik stimmt auf den Punkt. Dann doch lieb
er Tatort aus Frankfurt gucken.
pops (21.04.2008, 15:17 Uhr)
Nicht nur das, vegefranz.
auch der Berufsstand der Gärtner und Baumschulisten wird hier diskriminiert!Und mit etwas bösem Willen findet man sicher auch noch die eine oder andere religiöse Gruppierung, die jetzt wieder aufheult, oder? ;)))
vegefranz (21.04.2008, 14:08 Uhr)
frauenfeindlich
ich protestier auf das Entschiedenste: Ein Frau war die Mörderin. damit diskriminiert der sender mit dem Tatort ein ganzes Geschlecht. Das muss Folgen haben. Auf erdogan können wir nicht zählen. Aber Claudia Roth, DU musst einschreiten. Dieser Tatort war Sexismus pur. Sozusagen ein Rückfall in die miefigen 50er Jahre.
.link (21.04.2008, 13:48 Uhr)
komisch...
... ich finde es immer rätselhafter, warum ausgerechnet bei den beiden von einem "dreamteam" und den "beliebtesten kommissaren" gesprochen wird.
ich kann die zwei schon lange nicht mehr sehen. wenn man dann noch den polizeiruf von letzter woche im kopf hat, war das mal wieder ein tatort zum abschalten.
sophisticated (21.04.2008, 13:36 Uhr)
Guter Kommentar!
Die Schauspieler waren gut, aber die Story war viel zu oberflächlich gestrickt!
blendaxx (21.04.2008, 12:07 Uhr)
schon schade
aus dem Stoff hätte man wirklich mehr machen können. Ungewöhnlich schwaches Drehbuch, eher untypisch für den WDR dem sonst doch eher die Weitwürfe bei den Story gelingen. Das ärgert umsomehr das es sich auch noch um das Dreamteam der Tatortermittler handelte, die die schwache Story auch nur wenig FGarbe beigeben konnten. Die Geschichte rund Müllmafia und so weiter wahr im Ansatz vielversprechend aber die Story die sich rund um den Baumschulmord drehte war sowas von schlecht - 70er Jahre Krimi ohne tieferen Sinn (zumal die Charaktere auch ziemlich blaß blieben).
Schade.
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