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16. Mai 2010, 15:05 Uhr

Münsteraner Mumpitz mit Mumie

Ein persischer Prinz als Mumie, archäologischer Hokuspokus, Zwerg Alberich auf Liebespfaden: Der Münsteraner "Tatort" macht einen auf "Jäger des verlorenen Schatzes", glänzt trotz irrer Story durch Beständigkeit und erreicht eine Traumquote. Von Kathrin Buchner

Schreck für Kommissar Thiels Vater: Herbert (Claus C. Clausnitzer) findet eine Mumie auf dem Dachboden© Willi Weber/WDR

Kalauergroßalarm beim Münsteraner "Tatort". Ein Gefängniswärter wurde ermordet - doch bevor die eigentliche Leiche im Keller gefunden wird, taucht eine Mumie auf dem Dachboden auf. Nicht aus Ägypten, das macht die Sensation noch gigantischer: Der vermeintliche Prinz stammt aus Persien und wird bei Gerichtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) wie ein Privatpatient behandelt. Vater Thiel (Claus D. Clausnitzer), der den heiß begehrten Jahrhundertfund beim Ausmisten der Villa der Enkelin eines berühmten Archäologen entdeckt hat, erwartet statt Finderlohn aber eher Fluch. Denn alsbald entpuppt sich die Mumie als Mumpitz, in Handarbeit präpariert von einem von Ehrgeiz und Geldgier zerfressenen Wissenschaftler.

Allzu ernst nehmen kann man einen "Tatort" mit dem Titel "Fluch der Mumie" nicht. wenn man noch drei Fragezeichen davor setzen würde, könnte die Geschichte ebenso gut als eine Episode der drei kalifornischen Hobby-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews durchgehen. Die Hörspielserie auf Kassette genießt Kultstatus bei Vertretern der Generation Golf. Kripo-Proll Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner-Snob Professor Karl Friedrich Boerne sind ein Duo wie Dick und Doof, die sich eher der Krimikomödie verpflichtet haben als dem klassischen Thriller. Damit wurden sie zum quotenstärksten "Tatort"-Ermittlerteam der ARD.

Erfolg liegt im Prinzip Serie

Die Charaktere werden immer skurriler, die Fälle immer schräger, die Sprüche flotter, damit aber auch die Witze flacher. Denn so simpel und banal wie bei den "drei ???" und allen anderen Serien dieser Welt liegt das Rezept des Erfolgs des Münsteraner "Tatort" an den Zutaten Wiederholung, Beständigkeit sowie Vorhersehbarkeit der Charaktere. Das Serienprinzip eben. Man gewöhnt sich an die Hauptdarsteller mit all ihren Mucken und Eigenarten.

Boerne trumpft auf mit Besserwisserei, Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) in ihrer Bärbeißigkeit hat diese herrlich knarzige Bassstimme, Thiel pflegt seine Mischung aus Lakonie und Aufmüpfigkeit, die Arbeit erledigt sowieso Assistentin Nadeshda (Friederike Kempter). Allein Silke Haller, genannt Alberich (ChrisTine Urspruch), die zwergenhafte Assistentin der Gerichtsmedizin, darf neue Facetten ihrer Persönlichkeit ausleben. Die Kleine entdeckt große Gefühle und probt den Aufstand gegen den Chef. Und während der sich in einem Eitelkeitswettbewerb um Ruhm und Anerkennung in der Wissenschaftswelt profiliert, schleust Alberich gar den Mann ihres Herzens, Andreas Lechner (Tobias Schenke), Hauptverdächtiger im Mordfall und frisch entlassener Knacki, in die Gerichtsmedizin ein.

Und hier bekommt der Fall durchaus einen gewissen Tiefgang. Denn der bereits als Mörder abgestempelte Ex-Knacki erweist sich als unschuldig und des Vertrauens von Alberich würdig. Sieben der insgesamt 17 Münsteraner Krimifolgen haben die Drehbuchautoren Stefan Cantz und Jan Hinter bereits verfasst. Schräg, aber durchaus rund verstricken sie den Mumienfund mit dem Mord an dem Gefängnisaufseher. Regisseur Kaspar Heidelbach, der Katastrophenfilme wie den mehrfach prämierten Zweiteiler "Das Wunder von Lengede" (Sat.1) oder den deutlich schwächeren Film "Der Untergang der Pamir" (ARD) inszeniert hat, macht daraus eine hübsche Abenteuerklamotte, längst nicht so aufregend wie Hollywood-Actionsknaller à la "Jäger des verlorenen Schatzes", aber schlicht und einfach unterhaltsam, so dass beim "Tatort" seit langem mal wieder mehr als zehn Millionen Menschen zuschauen.

Von Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
Gernspieler (18.05.2010, 16:20 Uhr)
Angenehme Abendunterhaltung!
Es gibt leider viele schlechte Tatorte, die nie gedreht worden sein sollten, aber das Liefers-Gespann sehe ich sehr gerne.
laluna3 (18.05.2010, 13:58 Uhr)
Tatort
Hilfe,
wo bleibt Bella Block???
jomimo (18.05.2010, 03:40 Uhr)
@ Mikeberlin
der Krimimist, welcher aus Berlin kommt und bei welchem sich Berlin als Pseudoweltstadt aufspielt, interessiert halt nur einen kleinen Kreis deutscher Zuschauer.

Krimis über das echte Berlin bringen Zuschauer nun mal zum verzweifeln und sie fragen sich nur, was die bescheuerten roten Teppiche wohl bedeuteten, wenn es die ÖR nicht gäbe.

Soll heißen: so viele Stars wie Bambis gibt es gar nicht.

Was ist die Gala wert ?
Zwangsläufig bekommt jeder auf dem roten Teppich irgendwas in die Hand gedrückt in Ermangelung von Stars.
schlusi09 (17.05.2010, 22:48 Uhr)
Ü80 Fraktion???
aber hallo,schon wieder jemand der komments abgibt,ohne gesehen zu haben.die meissten kommentare hier sind sehr positv,das heisst der allgemeinheit hat es sehr gefallen.nicht umsonst die hohe quote,übrigens bei jedem münster tatort.alleine von der allerersten folge an(genial und unvergessen,dies lispeln vom boerne,nach den ausgeschlagenen zähnen) haben viele dieses team geliebt,gerne gesehen und das ist so geblieben.wir in unserem bekannten/verwandtenkreis(alle ü30-40)und sogar unser kids(ü12-ü14)sind immer dabei und begeistert wenn der münsteraner tatort kommt.ZU RECHt.
SethusCalvisius (17.05.2010, 22:25 Uhr)
Also ich fand den Tatort ja auch gut,
aber warum müssen hier manche Kommentatoren gleich wieder gegen ernstere Tatort-Folgen stänkern. Das ist ja, als wenn ich im Theater eine witzige Komödie sehe und mich dann beschwere, dass ich mich bei der letzten Hamlet-Aufführung nicht so amüsiert habe.

traldors (17.05.2010, 19:28 Uhr)
Totales (...)
trash tv und inhaltlich orientiert sich der Schrott an der Ü80 Fraktion. Ich habe meinen letzten Tatort vor 25 Jahren bestaunt (...) und die waren damals schon schlecht (...)
Albertini (17.05.2010, 18:12 Uhr)
SUPER!!!
Einfach super dieser Tatort gestern, einfach zum "totlachen"!!
rynaldo (17.05.2010, 16:52 Uhr)
@Mikeberlin
Alberich mit Riesendogge - das ist doch genial und hat doch Monty Python Qualität, was soll daran so falsch sein, uns in einem Tatort auch mal zum Lachen zu bringen.
80blatt (17.05.2010, 16:14 Uhr)
Ach so..
`brauch doch `ne Brille...
eierbaer (17.05.2010, 16:00 Uhr)
@80blatt
Hab ich auch zuerst gelesen. Hat sich aber dann bei genauerem HInsehen als FTK entpuppt.
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