Einfach das Maul halten

21. Februar 2013, 16:05 Uhr

Er hat zu allem was zu sagen: Boris Becker twittert über Angela Merkel ebenso wie über die Beziehung der Van-der-Vaarts und aktuell Oscar Pistorius. Das Erstaunliche: Sein Gequatsche kommt an.

Boris Becker, Twitter, Oscar Pistorius

Vom Wimbledon-Sieger zum Dampfplauderer: Boris Beckers Twitter-Profil©

Was macht ein ehemaliger, inzwischen 45-jähriger Wimbledon-Sieger an einem Mittwochabend? Er sitzt zu Hause vorm Fernseher und zappt durch die TV-Programme. Die Verleihung der Brit Awards und die Champions League haben es Boris Becker angetan. Um das zu wissen, muss man nicht neben dem Ex-Tennis-Star auf der Couch gesessen haben. Ein Blick auf seinen Twitter-Account genügt. Im Minutentakt gehen die Statusmeldungen ein. "Good" scheint seine Lieblingsvokabel zu sein. Alles ist irgendwie "gut": die Show, die Sänger, die Moderatoren. Eine Sache, die nichts mit dem Fernsehprogramm zu tun hat, sorgt bei Becker allerdings für Konfusion. Der Fall Oscar Pistorius.

"Ich bin so verwirrt über das Verfahren gegen Pistorius. Jeden Tag gibt es eine neue Wendung", schreibt Boris Becker. Und weiter: "Ich hoffe, dass Oscar einen fairen Prozess bekommt." Was genau ihn zu den Tweets veranlasst hat, ist nicht klar. Er und der Olympiateilnehmer sind sich im vergangenen Jahr zwar persönlich bei einem Empfang anlässlich der Verleihung des Laureus Sports Awards in London begegnet, eine Freundschaft verbindet beide aber nicht. Trotzdem scheint Becker regen Anteil an der Anklage gegen Pistorius zu nehmen. Bereits kurz nach Bekanntwerden der tödlichen Schüsse in Südafrika hatte sich Becker zu dem Vorfall geäußert. "Meine Gebete gehen an die Familien Steenkamp und Pistorius", ließ er die Welt via Twitter wissen.

Becker schwimmt im Strom der Ahnungslosen

Becker stillt über das soziale Netzwerk sein Mitteilungsbedürfnis. Er hat sich bereits über die zerrüttete Ehe von Rafael und Sylvie van der Vaart ausgelassen und ihnen Beziehungstipps gegeben, die Schwangerschaft von Prinz Willliams Kate kommentiert oder zuletzt seiner Ex-Frau Barbara Becker den Rat gegeben, sich endlich wieder ihren Mädchennamen zuzulegen. Unbeirrt twittert sich Becker durch die Welt. Kommentiert alles und jeden, gerne auch bei kompletter Ahnungslosigkeit. So zum Beispiel, als er Angela Merkel zum Friedensnobelpreis gratuliert hat, obwohl den ja eigentlich die Europäische Union verliehen bekam.

Sein Satz "Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als sie Friedensnobelpreis gewonnen hat!" [sic], löste im Netz sogar einen Shitstorm aus. Ein User erzürnte sich: "Werter Herr @Becker_Boris Patrioten zahlen auch in Deutschland ihre Steuern. Gruß nach London!" Ein anderer schrieb: "Ich werde an dem Tag Patriot, an dem @Becker_Boris wegen schier unfassbarer Idiotie die Staatsbürgerschaft aberkannt wird." Das saß. Doch statt sich Themen zu widmen, bei denen Becker sich auskennt, Tennis zum Beispiel, kapriziert er sich auf Boulevardthemen und schwimmt im Strom der Ahnungslosen ganz vorne mit.

Becker hat mehr Follower als Steffen Seibert

Das eigentlich Erstaunliche ist, dass er damit relativen Erfolg hat. Knapp 170.000 Menschen folgen seinem Gequatsche auf Twitter. Das sind zwar weniger als Lukas Podolski (267.000), aber immerhin mehr als Regierungssprecher Steffen Seibert (90.000). Ein User ermutigt Becker sogar, genau so weiterzumachen, wie bisher. Dabei möchte man ihm einfach nur ein Zitat des ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck entgegen rufen: "Können Sie mal das Maul halten einen Moment, einfach das Maul halten ... ."

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