Erst die überraschende Verlobung, dann eine spektakuläre Trennung: Boris Becker war 2008 so oft auf den Titelseiten wie kein anderer deutscher Star. stern.de-Autorin Stefanie Rosenkranz erklärt das Phänomen Boris Becker und warum unser "BB" besser ist als Brigitte Bardot.

Das war die Initialzündung: Becker hechtet 1985 in Wimbledon in die Herzen der Deutschen© Rüdiger Schrader/Picture Alliance
Die Franzosen haben Brigitte Bardot, wir haben Boris Becker. Erstmals wurden wir unseres BBs im Jahre 1985 in England ansichtig; damals war er 17, hatte noch rote Haare, wirkte, als trage er nicht nur berufsbedingt kurze Hosen und gewann Wimbledon. Seither gehört Becker zu uns wie Tesa zu Film oder Dick zu Doof. Erst beschenkte er uns mit so aufregenden Siegen, dass der Brite Peter Ustinov fand, er habe uns den Patriotismus zurückgegeben. Bei insgesamt sechs Grand-Slam-Turnieren triumphierte er, gewann dazu noch kiloweise Klein-Pokale in aller Welt und war das fleischgewordene Bruttosozialprodukt Deutschlands.
Seit es vorbei ist mit dem Tennis, sorgt er dafür, dass beständig wonnige Schauer der Wollust durch die Hair-Extension-Studios unseres schönen Landes wabern: Dank seiner können wir regelmäßig so wunderbare Dinge lesen wie: "Seine maßlose Kraft wirkt verzaubernd" (Angela Ermakowa aus der Besenkammer), oder: "Liebes-Chaos im Wüstensand" ("Bunte" aus München).
Für alle, die in letzter Zeit kein Hair-Extension-Studio frequentiert haben, hier eine Zusammenfassung des Geschehens um und insbesondere auch in unserem BB: Im August verlobt sich der längst biergelbhaarige Boris, damals noch 40, mit einer gewissen Sandy Meyer-Wölden, 25, indem er sie mit einem 150000-Euro-teuren Ring beschenkt und zur Party bei "Käfer" in München bittet. Wir erfahren erstens, dass Boris die blonde Schöne schon kannte, als sie noch mit Barbies spielte - ihr verstorbener Vater war sein Manager gewesen - , und zweitens, dass sie Rühreier machen kann, und zwar in einer "Teflonpfanne", was ihn an seine Mutter Elvira erinnert haben soll. Worauf er spricht: "Vor allem ist sie die Frau, mit der ich Kinder haben möchte." Worauf sie sagt: "Mit der Liebe spielt man nicht." Showdown im Wüstensand Es folgt ein Auftritt auf dem Oktoberfest, er träg eine Hose aus Leder, sie ein Dirndl aus Stoff. Doch dann, im November, jäh: Schluss, aus, vorbei. Sie, zu "Bild am Sonntag": "Ich habe für unsere Liebe gekämpft, bis es nicht mehr ging." Er, zu "Bild": "Auf meiner Seele ist herumgetrampelt worden."
Hernach die chaotische Episode im bereits erwähnten Wüstensand. Eben dort, oder vielmehr in einem auf ihm gebauten Luxushotel in Dubai, stoßen die beiden aufeinander, ohne auch nur ein einziges Wort miteinander zu wechseln. Sie: vor Kummer verhärmt und infolgedessen "erschreckend zerbrechlich". Er: mopsfidel an der Seite seiner Ex-Freundin Lilly Kerssenberg. Worauf sie abreist. Worauf er noch ein bisschen bleibt, 41 wird, und anschließend in Zürich der "Bunten" beichtet: "Ich wäre froh, wenn mir jemand mal die Liebe erklären könnte", sowie: "Ich hoffe, bei den großen Philosophen der Liebe Trost und Ratschläge zu finden", und auch: "Yesterday is history, tomorrow is mystery, so live today."
Ein schönes, ja, ein geradezu kühnes Aperçu. Wozu braucht Boris Philosophen, wo er doch selbst einer ist? Und wie immer lässt er uns generös an seinen geistigen Zuckungen teilhaben. Freigiebig war er schon als Rothaariger, stets haben wir mehr von ihm genommen, als wir ihm je geben konnten. "Bumm-Bumm"- und "Blitzkrieg-Boris" wurde der Knabe damals kosend genannt, oder auch "Bobbele" sowie "der Leimener". Letzteres klang in unseren Ohren mit der Zeit gar nicht mehr nach Wolkenstore, sondern fast so weltläufig wie "der New Yorker".
Alles liebten wir an ihm, seine muskelbepackten Schenkel, seine knappen Shorts, das stets akkurat reingesteckte Turnhemd, seine insgesamt komplett an eine Teigware erinnernde Erscheinung. Anbetungswürdig fanden wir die "Becker-Faust" und den "Becker-Hecht", gelegentlich auch "Becker-Rolle" geheißen, berauscht lauschten wir seinen "Ähms" und "Öhs". Sein Kohl-Deutsch war Musik in unseren Ohren, und ähnlich wie der Alt-Kanzler vermochte er uns von Anfang an mit genialen Sprach-Schöpfungen zu begeistern. Sagte der eine, er wolle das Handtuch der Gemeinsamkeiten nicht zerschneiden, sprach der andere, er sei "mental grad net so gut drauf", was er Jahre später um ein Vielfaches übertreffen konnte mit der Kreation "Samenraub".
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