Helge Schneider lebt seit 30 Jahren davon, die Menschen zum Lachen zu bringen. Für stern.de ist er ganz ernst geblieben und hat erzählt, warum es früher besser war, was Freiheit ist, und wieso er Politikern nicht glaubt. Von Sophie Albers
Ich nehme es in den Arm, nicht auf den Arm.
Es gibt so viele Facetten von Humor. Manches ist absurd und deshalb unverständlich, und man lacht, und man weiß nicht so genau, warum. Das ist schön. Dann kann ich analysieren, warum die Leute lachen.
Ja, immer. Während der Show bin ich die ganze Zeit am Nachdenken. Die lachen jetzt, weil ich so 'nen komischen Gang beim Tanzen drauf hatte. Dann arbeite ich daran, und bei jeder Show wird es besser. Manchmal wird es auch wieder abgelegt.
Das ist wie ein Pilot in einem schnellen Flugzeug. Der muss auch improvisieren, wenn er durchs Gebirge fliegt. Es geht um Reaktionsvermögen. Ohne das geht es nicht. Bei mir ist das in Fleisch und Blut übergegangen, weil ich das schon so lange mache. Ich habe angefangen vor zwei Leuten zu spielen, dann vier, dann acht, das hat sich immer multipliziert. Ich habe meinen eigenen Werdegang also mitverfolgen können. Deshalb ist meine Improvisation nicht nur aus der Luft gegriffen, sondern hat auch damit zu tun, dass ich seit Jahrzehnten immer die gleichen Handgriffe mache, die aber immer variiere und dazu lernen will.
Das ist vielleicht ein bisschen zu viel versprochen. Aber es hat natürlich etwas damit zu tun. Trost durch Realität. Ich stelle mich ja auch ein bisschen als Vorbild hin, ein Vorbild für Freiheit - im Denken und im Tun. Das kann Trost spenden, wenn Leute sich total eingeengt fühlen. Wenn sie jemanden sehen, der so berühmt ist, und der macht etwas, von dem sie sich gar nicht vorstellen können, es selbst zu tun. Dann ist das vielleicht auch ein kleiner Fortschritt.
Ich fühle mich immer dann frei, wenn ich mache, was ich will.
Ich bin mir völlig bewusst, dass ein Mensch in der normalen Arbeitswelt das eben nicht kann. Aber man sollte es versuchen. Habe ich ja auch gemacht. Ich habe verschiedene Ausbildungen angefangen. Aber wenn man sich die Freiheit nimmt, frei zu sein, kann es auch sein, dass man da nicht mehr hingeht, wenn es einem nicht gefällt.
Ich bin zwar manchmal traurig, aber ich bin kein Clown. Ich bin Musiker, Entertainer, Unterhaltungskünstler, Komiker Quatschmacher, Phantast.
Das Gegenteil ist der Fall. Ich glaube, dass ich unglaublich viel bewegen kann. Also wenn ich jetzt sage: Kernkraft weg, dann wird das auch nicht mehr gemacht. So stell ich mir das vor. Wie dann die Realität aussieht in einem drin, das ist wieder eine andere Sache. Die kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Die Welt ändern zu wollen, das ist ein stetiger Prozess. Man ist Teil davon, vielleicht auch von irgendeiner Bewegung. Vielleicht ist man aber auch als positives Teilchen im Straßencafé was wert.
Die gibt es auch. Aber die können nichts dafür. Die haben einfach schlechte Laune auf Grund der fehlenden Freiheit. Es ist doch immer dasselbe in unserer Gesellschaft - was sage ich - auf der ganzen Welt: Es gilt das Recht des Stärkeren. Das hat nie aufgehört. Das ist einfach so. Geld regiert die Welt.
Unheimlicher Glücksfall. Ich habe aber nicht so viel. Man zahlt ja auch Steuern. Ich könnte vielleicht viel mehr haben, wenn ich ein paar Konzessionen gemacht hätte an mich selbst, wenn ich in Stadien auftreten würde oder so was. Aber dann wäre ich ein toter Mann. Das wäre nicht mehr die Kunst, die es ist. Ich kann nicht so tun als ob!
Nein. Genau deshalb nicht, weil ich einer der ganz, ganz wenigen bin, die so sind. Das ist es ja. Ich wundere mich nur immer mehr, dass viele Leute, die es nicht nötig hätten, diese komischen Ängste haben.