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15. Juni 2005, 12:00 Uhr

Jackson lässt niemanden mehr ins Bett

Nach seinem Freispruch will Michael Jackson künftig niemanden mehr in sein Schlafzimmer lassen. "Er muss vorsichtig sein", warnte auch einer der Jury-Mitglieder, der starke Zweifel an der Unschuld Jacksons hegt.

Erholt sich derzeit von den Strapazen des Prozesses auf seiner Neverland-Ranch: Michael Jackson© DPA

Nach seinem Freispruch vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs zeigt sich Popstar Michael Jackson geläutert. Sein Mandant werde nicht mehr mit Kindern in einem Bett schlafen, sagte Verteidiger Thomas Mesereau dem Fernsehsender NBC. "Er wird sich nicht länger verwundbar machen." Jackson war am Montag in allen zehn Anklagepunkten aus Mangel an Beweisen für unschuldig befunden worden.

Der viermonatige Prozess habe Jackson sehr zugesetzt, sagte Mesereau weiter. Sein Mandant habe während des Verfahrens nicht gegessen, nicht geschlafen und sehr viel Gewicht verloren. Er werde sich jetzt langsam erholen. Als der Konvoi mit Jackson und seiner Familie am Montagnachmittag vor der Neverland Ranch vorfuhr, wurde er von wartenden Fans begeistert begrüßt. "Es ist ein Sieg", sagte die 39-jährige Tracee Raynaud. "Gott ist am Leben, und es geht ihm gut."

Auf seiner Internetseite ließ sich Jackson groß feiern. Dort wurde der Freispruch mit der Geburt von Martin Luther King, dem Fall der Berliner Mauer und der Freilassung von Nelson Mandela verglichen. Eine Hand zeigte das Siegeszeichen.

Jury-Mitglieder zweifeln an Jacksons Unschuld

Einige der Geschworenen äußerten jedoch Zweifel, ob der Sänger wirklich niemals Kinder belästigt habe. "Wir sind enttäuscht", sagte Staatsanwalt Tom Sneddon, der seit mehr als zehn Jahren gegen Jackson ermittelt hat. Er stehe weiterhin zu seiner Anklage. Die Staatsanwälte hatten versucht, Jackson als Persönlichkeit mit abwegigen Neigungen darzustellen, der auf seinem Anwesen eine Porno-Spielwiese für Kinder eingerichtet habe.

Der 46-Jährige war angeklagt, vor zwei Jahren einen 13-jährigen Jungen mit Wein gefügig gemacht und sexuell misshandelt zu haben. Nach viermonatigem Prozess und 30-stündiger Beratung befanden die Geschworenen den Sänger für nicht schuldig. Auch in den Anklagepunkten der Verschwörung zur Erpressung, zur Kindesentführung und zur Freiheitsberaubung wurde er freigesprochen. Bei einem Schuldspruch hätten ihm nahezu 20 Jahre Haft gedroht.

"Er muss vorsichtig sein"

Die Jury fasste ihre Entscheidung einvernehmlich, wie es das amerikanische Recht vorschreibt. Sie folgte letztlich den Argumenten der Verteidigung, die versucht hatte, die Glaubwürdigkeit der als Hauptzeugin aufgetretenen Mutter des inzwischen 15-jährigen Jungen in Frage zu stellen. Der Frau wurde vorgeworfen, den Prozess aus reiner Geldgier lanciert zu haben.

Einige der Geschworenen räumten offen ein, dass sie die Mutter ausgesprochen unsympathisch fänden. Ein Jury-Mitglied, Ray Hultman, erklärte später, er sei nicht davon überzeugt, dass Jackson niemals Kinder belästigt habe. Im konkreten Fall hätten jedoch Zweifel an der Schuld des Angeklagten bestanden. Die Familie des betroffenen Jungen hat jetzt noch die Möglichkeit, eine Zivilklage gegen den Sänger einzureichen. Dieser werden nach dem Freispruch allerdings keine großen Chancen eingeräumt.

Einige Juroren erklärten, sie hofften, dass Jackson aus dem Prozess gelernt habe. "Wir hoffen, dass er nicht mehr mit Kindern schläft", sagte der Vorsitzende der Geschworenen, Paul Rodriguez. "Und er muss vorsichtig sein, wie er sich im Umgang mit Kindern benimmt."

Totenstille bei Urteilsverlesung

Bei der Verlesung des Urteils herrschte im Gerichtsraum Totenstille. Der gebrechlich wirkende Jackson blieb reglos, dann führte er ein Tuch an seine Augen. Eine seiner Verteidigerinnen brach in Tränen aus. Vor dem Gerichtsgebäude begrüßten rund 1.200 Fans das Urteil mit großem Jubel. Der Sänger zeigte sich kurz der Menge und warf den Menschen Kusshände zu. "Der Gerechtigkeit ist Genüge getan", erklärte Mesereau im Internet. "Der Mann ist unschuldig. Er ist es immer gewesen."

Umstrittener Freispruch Das Urteil der Geschworenen im Prozess wegen Kindesmissbrauchs hat weltweit gespaltene Reaktionen ausgelöst. Während der Freispruch in Deutschland größtenteils begrüßt wurde, glaubt die Mehrheit der Amerikaner weiter an seine Schuld. Bei einer repräsentativen Umfrage des Fernsehsenders CNN erklärten 67 Prozent der Teilnehmer, sie seien "nicht zufrieden" mit dem Urteil.

Abstimmung

Ist Michael Jackson trotz seines Freispruchs schuldig?

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Tim Molloy, AP
 
 
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