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3. April 2009, 09:09 Uhr
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Halbnackt im Kunstregen

Diesmal mussten Heidi Klums Jüngerinnen in Unterwäsche bibbern, während kalte Wassermassen auf sie herabfielen und der Starfotograf fluchte. Für die "Cosmopolitan" wurden passende Bikini-Pos gesucht. Und die Strebsamste von allen ließ sich zur Schokoriegel-Prinzessin küren. Von Johannes Gernert

Heidi Klum, Models, ProSieben, TV-Sendung, "Germany's next Topmodel"

Bibbern fürs Bikinibild: Beachmode-Shooting bei Eiseskälte gehört zu den größten Herausforderungen eines jeden Models© Oliver S./ProSieben

Theoretisch könnte wahrscheinlich auch Heidi Klum sich als Germany's Next Topmodel bewerben - wenn sie nicht schon in der Jury säße. Man darf als Kandidatin jedenfalls ruhig ein bisschen gemodelt haben, auch gern auf gehobenerem Niveau. Da hat ProSieben überhaupt nichts dagegen. Marie beispielsweise hat so viel "Stil und Eleganz", wie die Sprecherin eines Mobiltelefonherstellers feststellt, dass sie für eben diesen nicht ganz unbekannten Handyfabrikanten als Kampagnen-Model werben durfte. Lange bevor sie sich bei Heidi Klum bewarb.

Sie ist eben gut vorbereitet. Die Internetadresse auf den Namen Marie Nasemann ist auch längst reserviert. Das passt alles zu ihrem Profil. Sie ist so etwas wie die Oberstreberin in der Model-Villa. Die Augen stets aufmerksam offen, konzentriert bei der Sache wie eine Abiturientin vor der Prüfung. Gern beginnt sie ihre Sätze mit "Also meine Aufgaben sind jetzt ..." und wiederholt stets am korrektesten, was Heidi Klum ihr aufgetragen hat. In dieser Folge unter anderem: "Das gewisse Etwas in dir finden." Man sieht Marie die Notiz ins mentale Notizbuch eintragen: "Gewisses Etwas finden!".

Billige Bohlen-Imitate

Mit ihrem joghurtfrischen Lächeln passte sie auch gut zu dem sportlichen Schokoriegel, für den diesmal eines der potenziellen Topmodels werben durfte. Im Gegensatz zur Austria-Gewinnerin Larissa. Die trat beim Riegel-Casting aggressiv-selbstbewusst wie immer auf, sodass der entscheidende Schokoriegel-Marketing-Chef Angst bekam, sie wolle bei der Box-Übung die Jury vermöbeln. Im pinken Gymnastik-Dress hüpfte sie dann auch noch als "würde der Frosch vor der Schlange wegspringen", wie Rolf Scheider bemerkte, der mit Peyman Amin wieder einmal um die inoffizielle Auszeichnung als schlechtester Bohlen-Imitator konkurrierte. Amin warf Larissa später vor, sie laufe wie "Chuck Norris auf'm Weg zum Standesamt". In diesem Fall also ein klares Unentschieden. Kaum zu sagen, wer wen hier in puncto bemühter Krawall-Sprüche unterboten hat.

Weil Marie vor der Kamera eindeutig am Joghurt-leichtesten mit dem Schokoladenriegel operierte und ihn auch nicht sofort aufaß wie einige der anderen, die Scheiders Warnungen ignorierten ("Ein ganz kleiner Bissen ist genug!"), kriegte sie das Shooting. Sie sang dabei so überzeugend in einen der Riegel hinein, dass sie sogar die Packungspromotion übernehmen darf. Ihre Naturjoghurt-farbenen Zähne werden also bald auf den Riegelboxen eines Herstellers zu sehen sein, dessen Namen wir hier nicht auch noch erwähnen wollen, weil er von ProSieben freundlicherweise nach Maries Shooting an völlig anderer Stelle ohnehin noch einmal eingeblendet wurde. Auch Heidi Klum übrigens hätte einen der Riegel unheimlich gerne aufgegessen, wenn sie nur die Möglichkeit gehabt hätte. Das erzählte sie nicht in dem Riegel-Werbespot, der in einer Pause lief, sondern in der Sendung selbst, die so teilweise auch zum Riegel-Spot mutierte.

"Nicht jeder Hintern passt in die 'Cosmopolitan'"

Im weiteren Verlauf mussten die Topmodel-Anwärterinnen zeigen, dass sie sich trotz der vielen Schokolade in Bikini und Dessous sehen lassen können - auch außerhalb von Süßigkeiten-Verpackungen, beispielsweise im deutschsprachigen Ableger der "Cosmopolitan". Die Fotografin allerdings konnte leider nur Englisch, was für die mit Fremdsprachen-Vokabeln chronisch unterversorgte Jessica wieder einmal zum Problem wurde. Lika a real bitch, bitte! "Das Wort verstehst du?", fragte die Übersetzerin. "Bitch" verstand sie.

Sie bemühte sich wie gewohnt die Anforderungen nicht nur auf dem Foto zu erfüllen, sondern zickte auch anständig in Richtung Marie und Larissa. Letztere hatte wiederum kapiert: "Nicht jeder Hintern passt in die 'Cosmopolitan'". Der in sekundenlangen Einstellungen vom Kameramann examinierte Bikini-Po der Schokoriegel-Prinzessin Marie prinzipiell wohl schon.

Der Höhepunkt war dann allerdings zu deren Verdruss kein Riegel, sondern Rankin. Der Fotograf mit dem britischen Akzent hatte Heidi Klum öfter schon fotografiert - zuletzt nackt für den Titel eines Männermagazins. Diesmal nahm er sich mitten auf einer Straßenkreuzung in Los Angeles eine Nacht lang Zeit für die Topmodel-Kandidatinnen, die sich beim Besuch seiner Vernissage am Vorabend schon Sorgen machen durften. "Ich hoffe es wird nicht ganz so nackt wie die Frau", sagt eine beim Anblick freizügiger Aufnahmen. Dass sie sich in Unterwäsche auf den Straßen von LA präsentieren mussten, war nicht die größte Schwierigkeit. Dazu kam der Kunstregen. "Nicht beheizt", wie Heidi Klum informierte. Für manche war das etwas viel. Larissa blieb aufgrund ihrer Kino-Vorbildung cool: "Was glaubst du, wie sich die Leute auf der Titanic gefühlt haben."

"Fick dich, ich hasse dich, du Wichser"

Manche bibberten trotz derartiger Eisberg-Vergleiche so sehr, dass sie dem sehr berühmten und entsprechend exzentrischen Rankin nicht geben konnten, was der verlangte. "Fick dich, ich hasse dich, du Wichser", sie solle bitteschön irgendwas mit ihren Augen ausdrücken, und wenn es nur solche Beschimpfungen seien, forderte er von einer. Sein Urteil über die frisch ausgewählte Schokoriegel-Packungspromoterin Marie fiel erfrischend vernichtend aus: "Sie ist kein Model." Marie stöckelschwankte, als "hätte ich ein Gläschen Wein zu viel", musste sie in der schonungslosen Selbstanalyse feststellen. "Sie wird niemals zum Model werden", rotzte Rankin. Maria dagegen, die wegen ihrer "Perücke" von den Schokoriegel-Marketing-Experten noch rausgeworfen worden war, fand Rankin sehr Helmut-Newton-mäßig. "Ich würde dich buchen." Die Kunden sind eben verschieden.

Gehen mussten am Ende Tamara und Aline, die Heidi beide wunderhübsch findet, aber zusammenfassend ein wenig zu blass. Marie war da mental schon längst mit der Vorbereitung der kommenden Folge befasst: "Ich muss mich jetzt nächste Woche steigern." Riegelruhm hält auch nicht ewig. Im Übrigen fehlt ja immer noch das gewisse Etwas.

Von Johannes Gernert
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Malt (27.03.2009, 10:07 Uhr)
Dauerwerbesendung!
Ich habe mir das gestern mal angeschaut, und frage mich tatsächlich, weshalb diese Sendung nicht mit dem Prädikat "Dauerwerbesendung" ausgestattet werden muss. Überhaupt kann die Werbung, das Product-placement so ja wohl hoffentlich nicht legal sein, oder? Auf 14 Minuten Sendung (Im Schnitt) folgen 10 Minuten (!!!) Werbung (natürlich inklusive der Eigenwerbung von Pro7 - danke an dieser Stelle übrigens, dass ich jetzt vermutlich jedesmal, wenn ich "Pirates of the Caribbean" sehe einen Ausschlag und nervöses Augenzucken bekommen werde).
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