Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Rechter Möchtegern-Jurist droht stern-Redakteur

Unter dem Titel "Wer ist der Mann, der Til Schweiger angezeigt hat?" berichtete der stern über René Schneider aus Münster. Der Möchtegern-Jurist droht nun per E-Mail: "Haben Sie eigentlich gar keine Angst?"

  Sehen Sie die Angst? Jens Maier mit der E-Mail von René Schneider.

Sehen Sie die Angst? Jens Maier mit der E-Mail von René Schneider.

Er nennt sich wahlweise "Freiberuflicher Rechtswissenschaftler", "Leitender Seminardirektor“, "Geschäftsführender Direktor" oder "Präsident der Völkerrechtlichen Vereinigung": René Schneider aus Münster. Nachdem er in der vergangenen Woche Til Schweiger wegen Volksverhetzung angezeigt hatte, droht er jetzt dem stern und dem Autor dieses Artikels.

Unter dem Titel "Wer ist der Mann, der Til Schweiger angezeigt hat?", berichtete der stern am Dienstag über Schneider. Darüber, dass er gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze wettert, gegen den Euro und gegen Flüchtlinge. Und darüber, dass er offene Briefe an Joachim Gauck schreibt, um sein Phantasie-Institut für "Völkerrecht" bedeutungsvoll aussehen zu lassen. Der Möchtegern-Jurist ist dem rechten Milieu zuzuordnen.

"Haben Sie eigentlich gar keine Angst ..?"

Nach der Berichterstattung über ihn droht er nun dem stern mit einer Klage. "Haben Sie eigentlich gar keine Angst, daß ich Sie und das Medium für welches Sie arbeiten, wegen eines geschäftsschädigenden Eingriffes in mein 'Phantasie-Institut' verklagen könnte?", schrieb er in einer E-Mail an den Autor des Artikels. "Ich denke, mein Geschäftsbetrieb ist einhundertprozentig realer als die 'Hitler-Tagebücher' des Sterns. Ende der Debatte", schrieb er weiter. 

E-Mail von René Schneider

Die Drohmail von René Schneider

Nach Recherchen des stern betreibt Schneider neben dem sogenannten "Institut für Völkerrecht" und Webseiten wie "www.justizkritik.de" in Münster eine Institution, die Fortbildungsveranstaltungen für Fachanwälte anbietet, die sogenannten "Schneider-Institute". Er selbst ist allerdings gar kein Anwalt. Nach Auskunft der Anwaltskammer Hamm besteht keine Zulassung - weder in Nordrhein-Westfalen, noch bundesweit.

Ein Anwalt, der für Schneider bereits als Dozent tätig war, zeigte sich darüber überrascht. "Jetzt bin ich baff", sagte der Fachanwalt, der nicht namentlich genannt werden will, dem stern. Schneider sei ihm gegenüber stets als Rechtsanwalt aufgetreten. Über rechtes Gedankengut sei ihm nichts bekannt, sagte der Dozent weiter, "sonst wäre ich dort auch nicht aufgetreten". Schneider sei ein Kauz, der einen langen Rauschebart habe und Lodenmode trage.

52 Semester Jura - erfolglos

Schneider ist nicht nur kein Anwalt, sondern nicht mal Jurist. In einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm von 2006 (Aktenzeichen 2 Ws 9 - 11/06) heißt es wörtlich: "Der Antragsteller könne weder eine abgeschlossene juristische noch eine steuerrechtliche Ausbildung vorweisen. Es könne dahinstehen, ob er das Rechtswissenschaftsstudium aufgenommen bzw. über 52 Semester betrieben habe. Jedenfalls habe er das erste juristische Staatsexamen nicht abgelegt."

Herr Schneider, auch nach Ihren 52 Semestern Jurastudium hat der stern keine Angst vor Ihnen. Klagen Sie ruhig, unsere Anwälte - einhundertprozentig reale - warten schon.

 

Kommentare (4)

  • stern-Moderation
    Wir verabschieden uns für heute und schließen die Kommentare unter diesem Artikel. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an sterncommunity@stern.de. /cs
  • FGAlte
    FGAlte
    Auch wenn der "Anwalt" ein Trottel sein mag, mit den Hitler-Tagebüchern trifft er doch einen wunden Punkt. Der Stern sollte sich mal fragen, warum er einen im wesentlichen pöbelnden Schauspieler unterstützt. Eine Art Kinski von heute, nur dass der damals besser schauspielen konnte.
  • Marc Detemple
    Marc Detemple
    Um an FGALTE anzufügen. Ich hab mal gelesen, ein Journalist sollte sich die Sache über die er schreibt nicht zu eigen machen.
    Die Art und Weise wie der "stern" Till Schweiger & Co sekundiert ist. . . bemerkenswert.
  • LukasFabianVogt
    LukasFabianVogt
    Ein Journalist, der - insbesondere in einer "Kommentar"-Spalte - seine Meinung sagt, sagt seine Meinung und "macht sich nicht gemein".
    Ein Journalist, der sein Wissen verbreitet (R. Schneider: über 40 Semester als Jurastudent an der Uni eingeschrieben, kein juristisches Erstes Staatsexamen - geschweige denn das Zweite -, daher auch kein Rechtsanwalt) handelt richtig. Diese Tatsachen, dieses Wissen, MUSS er verbreiten, damit kein falscher Eindruck bei den Lesern entsteht, nachdem seine Presse-Kollegen/innen vom "Juristen" Schneider gesprochen haben. Wer die Tagespresse von Münster in Sache Schweiger verfolgt hat, weiß, was richtig ist. Und da nicht jeder in Deutschland die dortige Tagespresse gelesen hat, ist es notwendig, über die mangelnde Qualifikation von R. Schneider zu berichten - quasi als Richtigstellung.
    Nun kann ja auch ein Nicht-Jurist - auch wenn er sich "Rechtswissenschaftler" nennt - durchaus richtig liegen mit seiner Anklage - durchaus!
    Aber hier: Völliger Blödsinn. "Volksverhetzung" ist etwas ganz Anderes. Mal den Wortlaut des Gesetzes nachlesen, dann wird manches deutlicher.
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools