Wie gefährlich sind die Stefan Raab-Shows?

16. November 2012, 17:36 Uhr

Gebrochene Knochen, geprellte Körperteile und jetzt der Unfall von Stephen Dürr beim Turmspringen: Sind Raabs Shows zu gefährlich fürs Fernsehen? Der Moderator hält das Risiko für kalkulierbar. Von Jens Maier

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Hat keine Angst vorm Fünf-Meter-Turm: Stefan Raab©

Er liegt benommen am Boden. Beim Versuch, mit dem Mountainbike ein Hindernis zu überfahren, ist Stefan Raab unglücklich gestürzt. Mit voller Wucht schlägt sein Kopf auf dem Boden auf. Eine Schrecksekunde für die Fernsehzuschauer zuhause, die den Unfall live mitverfolgen. Raab muss von Sanitätern behandelt werden. Wie sich später herausstellen wird, hat er sich das Jochbein und die Kiefernhöhlenwand gebrochen, außerdem eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. Wochenlag werden die Blessuren zu sehen sein. Trotz der Verletzungen geht die TV-Show "Schlag den Raab" nach einer kurzen Pause auch an diesem Abend des 10. April 2010 weiter. Aufgeben gilt nicht.

Stefan Raab ist der ehrgeizigste Moderator Deutschlands. Egal ob im Boxring, im Eiskanal oder auf dem Zehn-Meter-Turm - er tritt an um zu gewinnen. Ein Sieg mag noch so aussichtslos erscheinen, der 46-Jährige legt sich ins Zeug und kämpft. Das gehört zum Spielprinzip seiner Shows dazu. Siege verschaffen ihm Lust, für Verlierer hat er nicht viel übrig. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass Niederlagen stärker prägen als Siege. Das sagen nur die, die mehr Niederlagen als Siege auf dem Konto haben", sagte er in der vergangenen Woche im Interview mit dem stern. Dieses Draufgängertum hat ihn und seine Shows erfolgreich gemacht. Genau diese Einstellung erwartet er aber auch von seinen Gästen.

Dürrs Unfall weckt Erinnerungen an Samuel Koch

Beim Training zum "TV Total Turmspringen" ist der Schauspieler Stephen Dürr am Mittwoch beim Sprung vom Drei-Meter-Brett verunglückt. Wie ein Sprecher des "Unter Uns"-Stars stern.de sagte, wurde der 38-Jährige mit schweren Verletzungen in ein Berliner Krankenhaus eingeliefert. Dürr sei so unglücklich auf der Wasseroberfläche aufgekommen, dass er wegen Lähmungserscheinungen in den Armen auf der Intensivstation behandelt werden müsse. Darüber, wie schwer die Verletzungen wirklich sind, gibt es derzeit unterschiedliche Aussagen. Nach stern.de-Informationen ist Dürr auf dem Weg der Besserung und wird vermutlich keine bleibenden Schäden davontragen.

So oder so weckt der Unfall böse Erinnerungen an Samuel Koch. Der "Wetten, dass..?"-Kandidat ist vor zwei Jahren in der ZDF-Sendung bei einem waghalsigen Sprung über fahrende Autos gestürzt und wird für immer querschnittsgelähmt sein. Das ZDF hat auf das Unglück reagiert und will keine riskanten Wetten mehr zulassen. Doch wie steht es bei den Shows von Stefan Raab? Sind sie zu gefährlich? Nimmt der Tausendsassa bewusst Gefahren für sich und seine Kandidaten in Kauf? Fakt ist, dass sich in den Raab-Shows bereits mehrere gravierende Unfälle ereignet haben. H.P. Baxxter von Scooter bricht sich bei der "Wok WM 2003" den Arm, zwei Jahre später Raab beim Turmspringen das Steißbein. Ebenfalls 2005 verletzt sich Izzy Gallegos von US5 beim Sprung ins Wasser die Netzhaut eines Auges. 2010 ereignet sich der dramatische Fahrradsturz von Raab, 2011 muss ein "Schlag den Raab"-Kandidat aufgeben, weil seine Achillessehne reißt. Und nun der Unfall von Stephen Dürr.

Sprungtrainer hält Sturz für unglücklichen Zufall

"Dürrs verunglückter Sprung ist nicht Stefan Raabs Schuld", sagt Walter Alt, Vorsitzender der Wasserspringer im Deutschen Schwimmverband. "Der Unfall ist untypisch fürs Springen vom Drei-Meter-Brett", sagt Alt, der bereits die Komiker Mundstuhl für das "TV Total Turmspringen" fit gemacht hat. Er glaubt an einen unglücklichen Zufall. "Es war ein sehr einfacher Sprung, bei dem Herr Dürr sich verletzt hat. Aber beim Sport kann natürlich immer was passieren", sagt er. Auf keinen Fall sei es so, dass die prominenten Kandidaten der Show überfordert würden. "Es gibt keinerlei Vorgaben von Seiten des Senders oder der Produktionsfirma, welche Sprünge absolviert werden müssen", sagt der Sprungtrainer. Zwar müsse den Kandidaten in relativ kurzer Zeit viel beigebracht werden, aber dies geschehe mit viel Rücksicht auf ihr Können und auf das, was sich jeder selbst zutraue.

Stefan Raab selbst hält die Risiken in seinen Shows für sich und seine Kandidaten für kalkulierbar. "Ich bin kein Hasardeur", sagte er dem stern. "Beim Stockcar-Fahren sind die Insassen gut geschützt. Bei der Wok-WM kann man zwar bei 100 Stundenkilometer im Eiskanal umkippen, rutscht dann aber halt auf dem Bauch weiter." Zum Unfall von Stephen Dürr wollte sich Raab nicht äußern.

Am Samstagabend tritt erneut ein Kandidat gegen ihn bei "Schlag den Raab" an. In den kraftbetonten Auseinandersetzungen um 3,5 Millionen Euro ist es nicht ausgeschlossen, dass es erneut zu einer Verletzung kommen kann. Eine "Kette von unglücklichen Umständen" habe zu seinem Unfall geführt, sagt Samuel Koch über seinen "Wetten, dass ..?"-Sturz. Und die kann es immer geben. Ob beim Autofahren, beim Bügeln oder beim Sprung vom Drei-Meter-Brett.

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