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25. Mai 2008, 08:05 Uhr

... Angela Lansbury?

Als Hobby-Autorin und Privatdetektivin "Jessica Fletcher" ermittelte die Engländerin seit Mitte der 80er Jahre in der sehr erfolgreichen Fernsehserie "Mord ist ihr Hobby".

Angela Lansbury, 82, im April in New York© Mark Lennihan/AP

Hätten Sie auch privat das Zeug zur gewieften Privatdetektivin?

Nach zwölf Jahren "Jessica Fletcher" habe ich viel gelernt über Kriminalarbeit. Aber meine Sache wäre es trotzdem nicht.

Frauen gehen auf Mörderjagd - das war in den frühen Achtzigern, als die Serie startete, noch etwas Exotisches.

Ja, damals steckte die Emanzipation noch in den Kinderschuhen. Aber ich hatte Glück, dass die legendäre "Miss Marple" Vorarbeit geleistet hatte: die Zuschauer hatten gelernt, dass auch Frauen clever sein können.

Hatten Sie Einfluss darauf, wie die Rolle gestaltet wurde?

Oh ja. "Mord ist ihr Hobby" war eine Art Familienunternehmen. Mein Sohn David war einer der Produzenten, Sohn Anthony führte Regie. Mein Bruder Bruce schrieb Drehbücher. Deirdre, meine Tochter, arbeitete im Produktionsbüro, und mein Mann Peter hielt den Laden zusammen. Die Serie war das Beste, war mir passieren konnte. Ich war 59, als ich die Rolle bekam - Doris Day und Jean Stapleton hatten abgelehnt. In dem Alter eine solche Chance zu bekommen ist ein enormer Glücksfall.

Und als "Jessica Fletcher" in einer "Mord ist ihr Hobby"-Folge von 1993; mit dabei die Hollywoodstars Mickey Rooney und Tippi Hedren© Everett Collection

Ihr Start ins Hollywoodbusiness war fulminant. Gleich für Ihre erste Rolle 1944 in "Gaslight" wurden Sie für den Oscar nominiert.

So einfach waren die ersten Jahre nicht. Sicher, die Oscar-Nominierung war toll. Aber letztlich war auch ich nur eine Marionette des straffen Studiosystems. Judy Garland oder Ingrid Bergman, mit denen ich einige Filme drehte, waren glamouröse Stars - ich wurde als "Charakterdarstellerin" abgestempelt. Nur, während Katharine Hepburn, die Garland oder die Bergman mit zunehmendem Alter Probleme bekamen, attraktive Rolle zu ergattern, hatte ich es da leichter.

Warum?

Anfangs hat es mich schwer geärgert, dass ich aufgrund meiner reifen Erscheinung schon als 19-Jährige die 35-jährige Ehefrau eines 49-jährigen Mannes spielen sollte. Oder wie in "Blue Hawaii" die Mutter von Elvis, obwohl ich nur zehn Jahre älter war als Presley. Aber später war dies der Garant für meine Karriere.

Wie war das mit den Zickenkriegen damals unter den weiblichen Stars?

Wie heute war das Konkurrenzdenken sehr groß. Bis auf Katharine Hepburn und später Bob Hope hatte ich nicht viele echte Freunde in der Branche. Ich hielt mich sehr zurück. Denn am Beispiel von Judy Garland und anderen Kollegen konnte man sehen, wie zerstörerisch dies Geschäft sein kann. Hollywood hat oft keinen guten Einfluss auf junge Menschen. Leider habe ich das auch bei meinen eigenen Kindern erleben müssen, die früher mit harten Drogen experimentierten. Zum Glück haben sie rechtzeitig die Kurve bekommen.

Sie sind 82 - haben Sie sich zur Ruhe gesetzt?

Nein, ich bezeichne mich nach wie vor als arbeitswillige Schauspielerin. Voriges Jahr habe ich am Broadway gespielt, aber leider kommen kaum noch Angebote für Filmoder Fernsehrollen. Die denken wohl, ich wäre zu alt. Dabei fühle ich mich wie 42.

Ist Ihnen denn zu Hause langweilig?

Das nun auch wieder nicht. Ich kann mich sehr gut selbst beschäftigen, seit mein Mann vor fünf Jahren starb. Ich liebe Gartenarbeit, stricke gerne, gehe ins Kino oder Theater oder engagiere mich für wohltätige Organisationen, wie die ALS-Association, die auf das Lou-Gehrig-Syndrom aufmerksam macht. Meine Schwester ist 1987 an dieser Nervenkrankheit gestorben. Nein, ich bin längst noch keine tattrige Oma. Wahrscheinlich könnte ich sogar noch Kriminalfälle lösen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 21/2008

Zur Person Angela Lansbury, 1925 in London geboren, studierte schon als Teenager Gesang und darstellende Kunst. Anfang der 40er Jahre floh die Familie vor den Nazis nach Amerika. An der Seite von Ingrid Bergman feierte sie 1944 ihr Filmdebüt in "Gaslight" und ergatterte die erste von drei Oscar-Nominierungen als beste Nebendarstellerin. AL spielte annähernd 100 Rollen, weltweiten Ruhm erlangte sie als Privatdetektivin Jessica Fletcher. Lansbury war zweimal verheiratet. Seit ihr Mann Peter Shaw, mit dem sie 54 Jahre verheiratet war, vor fünf Jahren starb, lebt sie abwechselnd in L. A., New York und Irland.

Interview: Andreas Renner
 
 
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