Bei den Spielen von Sydney 2000 entzündete die Leichtathletin, die zum Volk der Aborigines gehört, Australiens Ureinwohnern, das Olympische Feuer. Und holte Gold über 400 Meter.

Cathy Freeman, 35, in Sydney, wo sie um Unterstützung für ihre Stiftung warb© Lisa Maree Williams/Getty Images
Ich denke, Olympische Spiele bieten eine politische Plattform. Viele Menschen nutzen sie eben dazu, Aufmerksamkeit zu bekommen, und machen so auf Menschenrechte aufmerksam.
Es ist schwierig für mich, darüber zu urteilen, was die chinesische Regierung tun sollte oder nicht. Mit der Situation in meinem Land kann man den Konflikt zwischen China und Tibet nicht vergleichen; bei uns ging es um die Unterdrückung der Ureinwohner. Grundsätzlich gilt: Politik hat nichts auf dem Sportplatz zu suchen.
Ich war sehr stolz. Unglaublich stolz! Und ich habe mich unvorstellbar geehrt gefühlt.
Ich bin richtig glücklich. Meine größte Leidenschaft ist derzeit die Catherine Freeman Foundation. Das ist eine Stiftung für junge Aborigine-Mädchen, die sich noch in der Ausbildung befinden. Ich verbringe viel Zeit in meinem Haus in Melbourne, denn ich kann für die Stiftung von zu Hause aus arbeiten.
Es ist eine pädagogische Einrichtung, in der wir versuchen, den Mädchen Perspektiven für die Zukunft zu zeigen.
Meine Mutter hatte großen Einfluss auf mich, hat mir besondere Wertvorstellungen vermittelt und mir vor allem eins gesagt: Vergiss nie, woher du kommst. Durch die Stiftung kann ich den Aborigines etwas zurückgeben. Ich möchte diesen Kindern einfach eine bessere Zukunft schaffen.
Es gibt Pläne, aber bislang war so viel anderes zu tun. Die Zeit wird kommen.
Oh, ja. Ich laufe - zum Vergnügen, für das Glücksgefühl, für mein Wohlbefinden. Ich versuche dreimal die Woche circa sechs Kilometer zu laufen.
Als ich die Ziellinie überquerte, spürte ich es schon in der Luft und dachte: "So fühlt sich also ein Olympiasieg an." Erst im Nachhinein habe ich realisiert, dass mehr als 100.000 Menschen um mich herum schrien und kreischten. Es war unvorstellbar. Ich hätte fast geweint, aber es ist nicht meine Art, vor anderen zu weinen. Noch heute habe ich das Gefühl, als könnte ich die Energie dieses ganz besonderen Moments immer noch spüren. Und das bleibt, bis ich irgendwann mal von dieser Welt abtreten muss - mit 85, vielleicht mit 95 Jahren.
Das war ja nicht lange vorher geplant. Ich habe mich damals nur gefragt, was will ich noch in meinem Leben erreichen und wie schaffe ich das. Ich musste einfach den nächsten Schritt machen.
Ehrlich, das weiß ich noch nicht.
Auf den Athleten lastet schon so viel Druck - da will ich lieber keine Namen nennen.
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Ausgabe 18/2008
Zur Person Cathy Freeman wurde 1973 in Mackay, Queensland, geboren. Ihre Großmutter war eine der 100.000 Aborigines-Kinder, die den Eltern weggenommen und in Lager gesteckt wurden, um zu lernen, was es heißt, australisch zu sein. Mit acht gewann Cathy ihr erstes Rennen, mit 14 wurde sie auf eine "gute" Schule geschickt - und war eine von drei Nicht-Weißen unter 600 Kindern. Mit 18 ging sie nach Melbourne, kam 1992 ins australische Olympiateam. Nach dem WM-Titel über 400 Meter in Sevilla 1999 gewann sie 2000 die Goldmedaille in Sydney über dieselbe Strecke. Mit ihrem Verlobten lebt sie in Melbourne.