Die mit drei Oscar-Nominierungen ausgezeichnete Schauspielerin rührte in "Ein Offizier und Gentleman" Millionen zu Tränen. Ihre große Klappe indes irritierte so manchen Studioboss und Kollegen.

Debra Winger, 53, fotografiert in einem New Yorker Hotel© Brian Berman
Warum sollte ich?
Das sind alte Kamellen. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir uns damals nicht wirklich gut verstanden haben. Ich bin noch immer stolz auf "Zeit der Zärtlichkeit", in dem wir beide eine Hauptrolle hatten und beide für den Oscar nominiert wurden. Shirley hat gewonnen, aber deshalb habe ich heute keine schlaflosen Nächte mehr.
Sicher nicht. Richard und ich hatten damals eher Meinungsverschiedenheiten. Aber er ist ein netter Kerl.

Und 1982 in "Ein Offizier und Gentleman": Arbeiterin Paula verliebt sich in den angehenden Offizier Zack Mayo, gespielt von Richard Gere© Picture-Alliance
So bin ich nun mal. Ich bin keine, die aus Angst vor einem Imageverlust bei den Regisseuren die Klappe hält und jedem nur nach dem Schnabel redet. Ich bin gerne Schauspielerin, aber ich werde mir nicht meine Persönlichkeit verbiegen lassen.
Es gab Zeiten, da bekam ich das schon zu spüren. Die Verlogenheit der Branche war einer der Gründe, warum ich mich Mitte der Neunziger aus Hollywood verabschiedet hatte. Erst als ich meinen zweiten Mann, den Filmemacher Arliss Howard, traf, bekam ich wieder Lust auf neue Projekte. Wir drehten zusammen zwei Filme: "Big Bad Love" und "Dawn Anna". Die menschliche und professionelle Chemie stimmt ganz einfach.
Ich bekam eigentlich immer Angebote, aber es war meine Entscheidung, Hausfrau und Mutter zu spielen. Unser Sohn hat mich in den vergangenen Jahren auch gut auf Trab gehalten. Aber jetzt, wo er aus dem Gröbsten raus ist, nehme ich hier und da wieder Rollen an. Ansonsten habe ich mich in den letzten Monaten viel für den Wahlkampf von Barack Obama engagiert. Amerika braucht ganz dringend den Wandel, sonst sehe ich schwarz für die Zukunft dieses Landes und den Rest der Welt. Aber ich bin sehr optimistisch und sage einen Erdrutschsieg für Obama voraus.
Ja. Neben vielen sehr persönlichen Episoden wie der Zeit in der israelischen Kinderarmee oder dem schlimmen Autounfall in den Siebzigern habe ich in "Undiscovered" auch meine Erfahrungen mit Hollywood aufgearbeitet. Während ein Harrison Ford noch mit 65 einen Actionhelden spielen kann, gelten Frauen schon mit 40 als alt.
Nein, ich werde in Würde altern. Aber wenn ich durch Los Angeles laufe und diese relativ jungen Frauen sehe, die sich offensichtlich für eine Schönheitsoperation unters Messer gelegt haben, graust es mir.
Ganz klar. Denn die meisten Frauen, die sich operieren lassen, tun das doch nicht, um auf Männer attraktiver zu wirken, sondern um andere Frauen zu beeindrucken. Ich kenne jedenfalls keinen Mann, der auf künstliche Brüste und gestraffte Gesichtszüge steht. Es scheint, wir Frauen sind in dieser Hinsicht manchmal uns selbst die größten Feinde.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 45/2008
Zur Person Debra Winger, geboren 1955 in Cleveland Heights, ist die Tochter jüdischer Arbeiter. In den frühen Siebzigern verbrachte sie einige Zeit in Israel. Zurück in den USA, wurde sie bei einem Autounfall schwer verletzt. Nach zehn Monaten in der Klinik startete sie die Schauspielkarriere und kam Mitte der Siebziger nach Hollywood. Der Durchbruch: 1982 "Ein Offizier und Gentleman", wofür sie die erste von bislang drei Oscar- Nominierungen erhielt. Weitere Highlights: "Zeit der Zärtlichkeit" (1983), "Shadowlands - ein Geschenk des Augenblicks" (1993). Winger - in erster Ehe mit Timothy Hutton verheiratet - lebt mit Ehemann Nummer zwei, Arliss Howard, und Sohn Babe, 11, auf dem Land in New Jersey. Ihr älterer Sohn Noah ist 21.