Manfred Rommel

10. Oktober 2002, 00:48 Uhr

Der CDU-Politiker und langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister genehmigte im Oktober 1977 die Beerdigung der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe in einem Gemeinschaftsgrab.

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Manfred Rommel in seiner Stuttgarter Wohnung©

Der CDU-Politiker und langjährige Stuttgarter Oberbürgermeister genehmigte im Oktober 1977 die Beerdigung der RAF-Terroristen Baader, Ensslin und Raspe in einem Gemeinschaftsgrab.

Zur Person:
Manfred Rommel, 73, lebt mit seiner Frau Liselotte in einer Stuttgarter Wohnung. Der an Parkinson leidende frühere Politiker hat eine Tochter, Catherine. Der Sohn des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel begann seine politische Karriere nach dem Jurastudium 1956 als Regierungsassessor in der baden-württembergischen Innenverwaltung. Er war unter anderem persönlicher Referent des damaligen Innenministers Filbinger und Staatssekretär im Finanzministerium. 1974 wurde Rommel Stadtoberhaupt von Stuttgart - er bekleidete dieses Amt bis 1996.

Warum haben Sie die Terroristen gemeinsam beerdigen lassen?

Pfarrer Ensslin, der Vater von Gudrun Ensslin, wollte seine Tochter zusammen mit den beiden anderen beerdigen lassen. Das war zu respektieren, und ich wollte deshalb kein bürokratisches Theater. Meine Sorge war, dass am Ende noch in den Bezirksbeiräten diskutiert wird, ob Baader und Raspe, die keine Stuttgarter waren, überhaupt ein Recht hätten, hier beerdigt zu werden. Dann hätte es womöglich ein Hin- und Hergeschiebe der Leichen gegeben, das wäre unwürdig gewesen. Nach dem Tod endet jede Feindschaft.

Manche Stuttgarter wollten die Terroristen lieber im Wald vergraben oder auf eine Müllkippe werfen.

Ich war schon platt über diese Reaktionen. Da war eine unglaubliche Aufgeregtheit, manche sind zur Witwe von Hanns Martin Schleyer gesprungen und haben gesagt: Jetzt gibt der Rommel den Terroristen noch ein Ehrengrab! Die taten so, als ob künftig jedes Jahr am Todestag eine größere Gruppe RAF-Angehöriger mit Maschinenpistolen aufkreuzen und eine Trauerveranstaltung abhalten würde.

Ein Jahr später hat sich die CDU-Fraktion im Landtag für Lothar Späth und gegen Sie als Ministerpräsidenten ausgesprochen. War das Rache?

Nein, Lothar Späth hatte eben viele Freunde in der Fraktion. Und einigen in der CDU-Fraktion war ich eben zu liberal.

Sie wurden danach noch zweimal als Oberbürgermeister wiedergewählt mit jeweils 70 Prozent. Noch heute scheint halb Stuttgart aus Rommel-Fans zu bestehen.

Der Zuspruch hat auch seine Schattenseiten. Ich bekomme jede Woche zehn bis 15 Briefe von Leuten, die mit den Behörden Schwierigkeiten haben und bitten, mich mal darum zu kümmern. Ich beantworte jeden Brief, aber das hat furchtbare Folgen, denn dadurch schreiben die Leute wieder zurück und empfehlen mich noch ihren Bekannten, so dass es am Ende immer mehr Briefe werden.

 
 
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