Rick Schroder

14. Dezember 2004, 12:36 Uhr

Mit seiner Rolle als Lord Fauntleroy in "Der kleine Lord" wurde der damals zehnjährige Junge weltbekannt. Kaum ein Film wurde zur Weihnachtszeit öfter im Fernsehen gesendet.

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Rick Schroder, 34©

Zur Person:

Rick Schroder am Strand von Vancouver, wo er zurzeit dreht. Der 34-Jährige wurde als Richard Schroeder auf Staten Island im Staat New York geboren. Mit neun Jahren feierte er sein Leinwanddebüt an der Seite von Jon Voight in "The Champ", für das er 1980 mit einem Golden Globe als bester männlicher Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr gelang ihm als "kleiner Lord Fauntleroy" der Durchbruch als Kinderstar. Danach spielte er hauptsächlich in TV-Produktionen, inzwischen arbeitet Schroder auch als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Schroder, seine Frau Andrea Bernard und die vier Kinder leben abwechselnd auf ihrer Ranch in Grand Junction in Colorado und in ihrem Haus nahe Scottsdale in Arizona

Das Interview mit Rick Schroder führte Andreas Renner

Hat das Leben als Kinderstar eigentlich Spaß gemacht?

Nicht immer. Ich war ständig auf Reisen, hauptsächlich mit Erwachsenen zusammen, kaum mit Gleichaltrigen. Das war manchmal ziemlich einsam. Aber es gab auch tolle Momente: So habe ich 1979 Königin Elizabeth II. getroffen, kurz darauf den Papst.

Als "kleiner Lord Fauntleroy" waren Sie ziemlich wohlerzogen. Galt das auch abseits der Kamera?

Nein, da war ich natürlich viel frecher. Für die Rolle sollte mir so ein typisch englischer, steifer Knabe königliches Benehmen einbläuen; klar, dass ich mich darüber oft lustig gemacht habe. Die Dreharbeiten waren ehrlicherweise alles andere als spaßig. Die Klamotten, die ich tragen musste, waren unbequem. Und dann diese Frisur mit den langen blonden Haaren bis zur Schulter! Abseits des Sets dachte jeder, ich sei ein Mädchen. Das hat echt genervt. Einmal kam sogar eine Stewardess im Flugzeug zu meiner Mutter und sagte: "Der Pilot hat nichts dagegen, dass Sie sich mit Ihrer Tochter mal das Cockpit ansehen." Klar, aus Protest bin ich sitzen geblieben und habe die Stewardess mit beleidigten Blicken bombardiert.

Wie war das mit Alec Guinness, der Ihren Großvater spielte?

Er war fantastisch, ein wirklich guter Typ. Alec hat mir in diesen wenigen Wochen mehr beigebracht als alle Schauspiellehrer zusammen. Einen wie ihn hätte ich mir auch als Zusatz-Opa gewünscht.

Ihre echten Großeltern haben deutsche Wurzeln?

Ja, die Eltern meines Vaters stammen aus der Nähe von Hamburg, sie sind in den 40er Jahren nach Amerika ausgewandert. Eigentlich heiße ich ja Richard Schroeder, irgendwo in Norddeutschland habe ich wohl noch Verwandtschaft. Ist das nicht auch die Heimat des deutschen Kanzlers Schröder? Wer weiß, vielleicht bin ich ja sogar mit ihm verwandt?

Vor drei Jahren haben Sie die Hauptrolle in der erfolgreichen TV-Serie "NYPD Blue" abgegeben und sind abgetaucht. Warum?

Weil ich kurz vor der Geburt meines vierten Kindes, Faith Anne, plötzlich die Einsicht hatte, dass ich zu viel arbeite und zu wenig Zeit mit meiner Familie verbringe. Ich brauchte einfach eine Auszeit, bin mit Sack und Pack nach Colorado auf meine Ranch gezogen, um mich wieder mehr auf das Leben abseits eines Filmstudios zu konzentrieren. So habe ich in den vergangenen Jahren wenigstens viel Zeit mit meinen Kindern verbringen können.

Und jetzt sind Sie nur noch Hausmann?

Nein, ich drehe ab und an noch Filme, irgendwie muss ich meine Meute ja ernähren. Aber ich arbeite jetzt viel mehr von zu Hause aus, kümmere mich um meine eigene Produktionsfirma; vor kurzem habe ich mit "Black Cloud" zum ersten Mal als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor gearbeitet. Der Film basiert auf der Geschichte eines jungen Navajo aus Arizona, der es als Boxer zu den Olympischen Spielen schaffen will. Da ich zurzeit mit der Familie nahe Scottsdale in Arizona lebe, hat mich das Leben der wenigen noch verbliebenen Indianer in dieser Region sehr inspiriert. Ich besuche sie oft, habe viel gelernt über ihre Kultur.

Wollen Sie in Zukunft also hauptsächlich hinter der Kamera arbeiten?

Ich würde gerne nur noch als Regisseur arbeiten. Aber dummerweise verdient man wesentlich mehr Geld, wenn man als Schauspieler vor der Kamera agiert. Meine vier Kinder und meine Frau Andrea sorgen mit ihren Ansprüchen schon dafür, dass ich auch weiterhin fleißig Ausschau nach lukrativen Rollen halte.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 53/2004

 
 
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