Ganz schön groß kariert: Christopher Bailey hat vor sieben Jahren das Traditionslabel Burberry entstaubt und zählt heute zu den wichtigsten Modemachern der Gegenwart. Ein Gespräch über britische Klischees, sein Babyface - und einen Trenchcoat für 107.730 Euro.
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In jedem Arm ein Supermodel: Christopher Bailey, 36, zeigt sich gern mit Prominenz, hier mit Kate Moss (l.) und Stella Tennant© Burberry Pressebilder
Ja.
Ich habe gerade alle Bände meiner Mom überlassen.
Das kommt hin.
Mehr. Sie werden sehen: Gleich kommt meine Assistentin mit einem Teller Kekse durch die Tür. Kekse sind eigentlich das Einzige, was ich bei der Arbeit esse.
Schön wär’s.
Darauf antworte ich jetzt lieber nicht.
Ich bin ein Klischee. Das ist ja fast ein bisschen peinlich.

Der Anpasser: Christopher Bailey legt vor einer Burberry-Show Hand an bei Agyness Deyn, dem Nachwuchsstar unter den britischen Models© Burberry Pressebilder
Es ist jedenfalls hilfreich. Für einen Ausländer gerät das, was englisch ist, leicht zum Stereotyp: der klassische Anzug, der Punk-Style. Diese britischen Stilwelten sind vielschichtiger, als sie auf den ersten Blick scheinen. Sie dürfen niemals perfekt und fertig aussehen.
Auf die eine oder andere Weise hatte fast alle Welt einmal mit England zu tun. Als Kolonialreich haben wir also eine reiche internationale Geschichte. Außerdem leben wir auf einer Insel. Da geht es zu wie in einem Kochtopf, in dem alle ständig herumgerührt werden. Wer erhört werden will, muss schon Krach schlagen. Das macht uns vermutlich exzentrisch.
Keine Angst, es ist nicht Hitler, der meiner Generation da in den Sinn kommt. Mir fallen Begriffe wie Präzision ein, Technomusik, Autoindustrie. Ich mag Deutschland. Ich habe eine Zeit lang in München gelebt, dann hatte ich auch noch eine Beziehung in Trier. Es ist sicher kein Zufall, dass die Leute aus meinem Team mich als germanisch beschreiben. Mir gefallen Deadlines und Terminkalender.
Jaaah! Da ist es, mein Lieblingswort! Wissen Sie, was meine Mutter mich am Wochenende fragte? "Christopher, wie kommt es, dass du immer noch wie ein 18-Jähriger aussiehst?" Das macht mich glücklich.
Wenn ich zu diesen Analystentreffen von Burberry gehe, dann sehe ich manchen Herrschaften an, wie sie sich fragen: Wer ist dieses Bürschchen? Hören sie mich dann reden, legt sich ihr Misstrauen.
Jung bleiben. Man ist offener für die Welt. Wer zu viel erlebt hat, wird durch zu viele Parameter gebremst.
Mit "Prorsum" definieren wir unsere modische Haltung. Sie dient unserem Image.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 48/2007