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5. Dezember 2007, 14:48 Uhr

"Achtmal Sex im Monat? Schön wär's!"

Ganz schön groß kariert: Christopher Bailey hat vor sieben Jahren das Traditionslabel Burberry entstaubt und zählt heute zu den wichtigsten Modemachern der Gegenwart. Ein Gespräch über britische Klischees, sein Babyface - und einen Trenchcoat für 107.730 Euro.

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In jedem Arm ein Supermodel: Christopher Bailey, 36, zeigt sich gern mit Prominenz, hier mit Kate Moss (l.) und Stella Tennant© Burberry Pressebilder

Mister Bailey, finden sich "Queen’s Greatest Hits" in Ihrer Sammlung?

Ja.

In Ihrem Bücherregal steht mindestens ein "Harry Potter"?

Ich habe gerade alle Bände meiner Mom überlassen.

In Ihrem Küchenrepertoire finden sich vier verschiedene Rezepte, darunter Spaghetti Bolognese?

Das kommt hin.

Bis an Ihr Lebensende werden Sie 35.000 Kekse essen?

Mehr. Sie werden sehen: Gleich kommt meine Assistentin mit einem Teller Kekse durch die Tür. Kekse sind eigentlich das Einzige, was ich bei der Arbeit esse.

Sie haben achtmal im Monat Sex?

Schön wär’s.

Es gab sechs Sexualpartner in Ihrem Leben?

Darauf antworte ich jetzt lieber nicht.

Macht nichts. Sie sind auch so auf einem guten Weg zu "Mr Average", zum britischen Durchschnittsmann, wie er bei einer aktuellen Umfrage des TV-Senders Channel 4 ermittelt wurde.

Ich bin ein Klischee. Das ist ja fast ein bisschen peinlich.

Der Anpasser: Christopher Bailey legt vor einer Burberry-Show Hand an bei Agyness Deyn, dem Nachwuchsstar unter den britischen Models© Burberry Pressebilder

Braucht es einen waschechten Engländer wie Sie, um Burberry zu entwerfen?

Es ist jedenfalls hilfreich. Für einen Ausländer gerät das, was englisch ist, leicht zum Stereotyp: der klassische Anzug, der Punk-Style. Diese britischen Stilwelten sind vielschichtiger, als sie auf den ersten Blick scheinen. Sie dürfen niemals perfekt und fertig aussehen.

Woher rührt die Faszination, die von der "Britishness" ausgeht - mit denen Burberry sich erfolgreich vermarktet?

Auf die eine oder andere Weise hatte fast alle Welt einmal mit England zu tun. Als Kolonialreich haben wir also eine reiche internationale Geschichte. Außerdem leben wir auf einer Insel. Da geht es zu wie in einem Kochtopf, in dem alle ständig herumgerührt werden. Wer erhört werden will, muss schon Krach schlagen. Das macht uns vermutlich exzentrisch.

Und was fällt Ihnen zur deutschen Kultur ein?

Keine Angst, es ist nicht Hitler, der meiner Generation da in den Sinn kommt. Mir fallen Begriffe wie Präzision ein, Technomusik, Autoindustrie. Ich mag Deutschland. Ich habe eine Zeit lang in München gelebt, dann hatte ich auch noch eine Beziehung in Trier. Es ist sicher kein Zufall, dass die Leute aus meinem Team mich als germanisch beschreiben. Mir gefallen Deadlines und Terminkalender.

Ist es eigentlich ein Vorteil, mit 36 Jahren noch ein freundliches Babyface zu haben?

Jaaah! Da ist es, mein Lieblingswort! Wissen Sie, was meine Mutter mich am Wochenende fragte? "Christopher, wie kommt es, dass du immer noch wie ein 18-Jähriger aussiehst?" Das macht mich glücklich.

Im Geschäftsleben verschafft jugendliche Ausstrahlung vermutlich wenig Respekt?

Wenn ich zu diesen Analystentreffen von Burberry gehe, dann sehe ich manchen Herrschaften an, wie sie sich fragen: Wer ist dieses Bürschchen? Hören sie mich dann reden, legt sich ihr Misstrauen.

Was scheint Ihnen attraktiver: jung bleiben oder weise werden?

Jung bleiben. Man ist offener für die Welt. Wer zu viel erlebt hat, wird durch zu viele Parameter gebremst.

Wozu taugt eigentlich Ihre hochmodische "Prorsum"-Kollektion? Die ist zwar wunderschön, wird stets gefeiert, ist aber nicht einmal in allen Burberry-Geschäften zu kaufen.

Mit "Prorsum" definieren wir unsere modische Haltung. Sie dient unserem Image.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 48/2007

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