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10. Juli 2010, 11:25 Uhr

Michalsky und das Model mit der Beinprothese

Nach den schlechten Kritiken für die erste "StyleNite" von Michael Michalsky im Januar waren die Erwartungen dieses Mal hoch. Der Berliner Designer wurde ihnen gerecht - und brach sogar mit einem Tabu der Modebranche. Von Julia Mäurer, Berlin

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Model Mario Galla lief mit Beinprothese über den Catwalk, Toni Garrn eröffnete die Show© API; Sean Gallup/Getty Images

Makellos, durchtrainiert, perfekt - so stellt sich jeder Laie ein Model vor. Ein Model, das mit einer Beinprothese über den Laufsteg schreitet, haben sicher wenige vor Augen. Umso überraschender war es, als Mario Galla am Freitagabend den Catwalk betrat. Der 24-Jährige lief bei der Show des Designers Michael Michalsky. Galla kam mit einem verkürzten rechten Bein zur Welt, seitdem trägt er die Prothese. Dennoch machte er als Model Karriere, bisher jedoch vor allem für Beauty-Kampagnen, so dass sein Gesicht, nicht jedoch sein Bein fotografiert wurde. Michalsky schickte den blonden Hamburger in Shorts über den Laufsteg. Für die schönheitsvernarrte Modebranche ein mutiger Schritt.

Auch sonst war einiges anders bei der zweiten Michalsky "StyleNite". Der Berliner Designer hatte einiges gut zu machen. Nach den schlechten Kritiken für seine erste Veranstaltung im Januar waren die Erwartungen dieses Mal hoch. Bei der Fashion Week im Winter langweilte der Designer seine Gäste mit einem mehrstündigen Modemarathon. Mehrere Zuschauer verließen vorzeitig den Saal, darunter Michalskys Freund und Förderer Wolfgang Joop.

Neue Location, weniger Gäste, strafferes Programm

Die Organisatoren haben aus ihren Fehlern gelernt. Neue Location, weniger Gäste, strafferes Programm. Statt der 1700 Zuschauer, die im Januar in den Friedrichstadtpalast strömten, waren dieses Mal nur 800 Personen geladen. Der Veranstaltungsort, das Tempodrom in Kreuzberg, mutete nicht ganz so größenwahnsinnig an. Unter den prominenten Gästen im Zelt waren Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Schauspielerin Sibel Kekilli und das New Yorker It-Girl Olivia Palermo nebst deutschem Modelfreund Johannes Hübl.

Sie alle mussten sich an einen straffen Zeitplan halten, denn die Show begann beinahe pünktlich. Das ist ungewöhnlich für Abendveranstaltungen während der Modewoche. In der Regel dauert es ewig, bis die prominenten Gäste vorgefahren, von den Fotografen abgelichtet und auf ihren Sitzen platziert werden. Die Schau von Boss Black am Donnerstagabend startete beispielsweise mit einer Verzögerung von 90 Minuten.

Überraschend minimalistische Entwürfe

Davon gingen auch einige Michalsky-Besucher aus, was dazu führte, dass die erste Modenschau des britischen Labels Maharishi durch das ständige Auf und Zu der Türen und durch die Gäste, die im Dunkeln ihre Plätze suchten, gestört wurde. Danach betrat Opernsängerin Nadja Michael den kreisrunden Laufsteg und gab eine Arie zum Besten. Nach knackigen 20 Minuten begann die Präsentation von Michael Michalsky. Die Show eröffnete Topmodel Toni Garrn in einem weiten, weißen Overall. Es folgten bodenlange Chiffonroben, ein klassischer Smoking mit Kummerbund, Lederkleider und Bikerjacken für die Damen. Die Herren hüllte Michalsky in sportliche Shorts und Blousons.

Es war eine auffallend minimalistische Kollektion. Michalsky, bekannt für schreiend bunte Muster und grelle Farben, hielt sich dezent zurück. Schwarz, Weiß und Dunkelblau gaben den Ton an, Chiffon und Seide waren die bestimmenden Materialen. Einzig zum Ende der Präsentation ging es etwas wilder zu. Michalsky zeigte Overalls und Kleider mit Animalprint. Kein Wunder, ließ er sich doch nach eigener Aussage von bedrohten Tierarten wie dem Pardelluchs inspirieren.

Zum Abschluss wurden Kreationen vorgeführt, die Michalsky für die Revue "YMA" entworfen hat, die ab September im Friedrichstadtpalast läuft. Tänzer in knappen Ledershorts und weißen Glitzerkostümen fegten über die Bühne. Das Ganze erinnerte an Musicals wie Starlight-Express oder Auftritte von Lady Gaga. Vier Shows in 45 Minuten - so ein strammes und dennoch unterhaltsames Programm hätte man sich bereits für die erste "StyleNite" gewünscht.

Von Julia Mäurer, Berlin
 
 
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