Problemzone Parkhaus

12. November 2012, 13:49 Uhr

Parkhäuser als Orte des Schreckens: Niedrige Einfahrten, enge Kurven und Betonstützen sorgen häufig für anstrengendes Parken. Im Parkhaus-Test verteilt der ADAC viele schlechte Noten.

Die Lackspuren an den Betonpfeilern vieler Parkhäuser sprechen Bände. Schmale Einfahrten, enge Kurven, knappe Parkplätze: Wer mit einem großen Auto kommt, hat es oft schwer, und auch Rollstuhlfahrer oder Eltern mit kleinen Kindern haben in manchen Parkhäusern schlechte Karten. Der ADAC stellte in seinem am Montag veröffentlichten Parkhaustest oft schlechte Noten aus. Das laut Test schlechteste Parkhaus steht in Mannheim, das beste in Potsdam.

Ein Viertel der 40 getesteten Parkhäuser in zehn Städten erhielt in der Gesamtwertung "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft". Ein Viertel schnitt "gut" ab - die Mehrzahl dieser Garagen war nach dem Jahr 2000 gebaut. Vor allem in Potsdam, wo drei von vier Garagen mit "gut" wegkamen, ist kein einziges der getesteten Gebäude vor 1999 gebaut worden.

Dunkel, verwinkelt und menschenleer - Tiefgaragen lösen bei vielen Menschen Beklemmung aus. Der ADAC kritisiert an manchen auch die schlechte Beleuchtung und fordert mehr Helligkeit für ein besseres subjektives Sicherheitsgefühl. In den meisten Garagen gibt es aber laut dem Kölner Bundesverband Parken heute Videokameras. Und auch früher hätten Kapitalverbrechen in Parkhäusern tatsächlich einen geringen Anteil im Promillebereich der Gesamtzahlen ausgemacht.

"K.o.-Kriterium" Einfahrtshöhe

Als häufigste Mängel sieht der ADAC fehlende Sonderstellplätze für Eltern mit Kindern, zu wenige und nicht barrierefreie Plätze für Behinderte, abgenutzte Markierungen und nicht vorhandene Fußwege. Es gebe kaum behindertenfreundliche Parkhäuser, die wirklich durchdacht seien, sagt Testleiter Andreas Pohl. Denn dazu gehörten Rampen ebenso wie Aufzüge, automatische Türen und entsprechende Kassenautomaten. Vielfach würden einfach normale Automaten niedriger gehängt - dann sei aber die Ticketausgabe zu tief für Rollstuhlfahrer.

Als "K.o.-Kriterium" wertet der ADAC, dass bei drei Parkhäusern die Einfahrtshöhe niedriger als 1,90 Meter war. "Da brauchen Sie mit einem großen Fahrzeug gar nicht erst reinfahren", sagt Pohl.

Auch bei der Breite hapert es. Gerade mit kleinen Kinder klagen Eltern über zu schmale Parklücken. Tragbare Babysitze bekomme man kaum ins Auto, weil die Tür nicht weit genug aufgehe, beschreiben Mütter. Dabei werden die Autos immer größer. Allein der VW Golf sei fast 20 Zentimeter breiter als das Modell von 1974, er misst heute fast 1,80 Meter plus Seitenspiegel. Und der schmalste Parkplatz beim Verlierer-Parkhaus in Mannheim war laut ADAC nur 2,17 Meter breit.

Forderung nach breiteren Stellplätzen

ADAC und Betreiberverband sind sich einig: In den auf Jahrzehnte alten Vorgaben beruhenden Garagenverordnungen der Länder müsse die Mindestbreite angepasst werden. "Wir fordern 2,50 Meter breite Stellplätze", sagt Testleiter Pohl, und Verbands-Geschäftsführer Gerhard Trost-Heutmekers sagt: "Das entspricht auch unserer Vorstellung." Allerdings verlangt der Verband, der mit rund 2800 Betreibern gut 75 Prozent aller Garagen vertritt, Bestandsschutz für alte Häuser. Auch bei Sanierungen sei eine Vergrößerung der Parkplätze aus statischen Gründen nicht immer möglich. "Betonstützen kann ich nicht wegmachen - dann bricht mir das Haus zusammen."

Trost-Heutmekers kritisiert auch die Testkriterien, die laut ADAC mit Experten erarbeitet wurden. "Es gibt Häuser, die den Kriterien des ADAC nicht entsprechen - aber die Kriterien sind nicht gesetzlich hinterlegt." Zudem würden alte Garagen mit Neubauten verglichen, und gerade einige ältere Bauten hätten schlecht abgeschnitten. Bei Crashtests würden auch keine Oldtimer gegen moderne Wagen ins Rennen geschickt. Und: "Ich finde es teilweise ein bisschen klein-klein. Parkhäuser sollen die Autos von der Straße bringen. Wenn da mal eine Markierung fehlt, klappt das trotzdem."

Auch wenn der ADAC nirgends ein "sehr gut" vergeben habe, existierten sehr gut ausgestattete Garagen, betont Trost-Heutmekers. "Es ist mit Sicherheit keine repräsentative Erhebung, die den Rückschluss zulässt, dass das Angebot an Tiefgaragen unterdurchschnittlich wäre."

Das Vorhandensein der seinerzeit vehement geforderten Frauenparkplätze hat der ADAC in seinem Test nicht geprüft. Wenn eine Garage hell, übersichtlich und videoüberwacht sei, brauche man keine extra ausgeschilderten Frauenparkplätze, meint Pohl. "Das ist einfach nicht mehr Thema."

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