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19. Januar 2007, 02:14 Uhr

Einstürzende Neubauten

Der Berliner Hauptbahnhof ist ein nagelneues Gebäude, dennoch riss der erste schwere Sturm des Jahres einen tonnenschweren Stahlträger aus der Glasfassade. Wie durch ein Wunder gab es keine Verletzten. Am Mittag soll der Bahnhof wieder geöffnet werden.

Entsetzen ausgelöst: "Wie kann sich solch ein Bauteil aus der Fassade lösen?"© Gero Breloer/DPA

Mitten im Sturmgetöse von Orkan "Kyrill" plötzlich ein scharfer Knall: Aus 40 Metern Höhe stürzt ein zwei Tonnen schwerer Stahlträger aus der Glasfassade des neuen Hauptbahnhofs in Berlin ab und kracht auf eine Treppe im Eingangsbereich. Menschen kommen nicht zu Schaden, nur ein paar Fahrräder liegen zerschmettert unter den Trümmern.

Glasdach war Streitobjekt

Wahrscheinlich war es eine glückliche Fügung, dass durch den Sturm der Zugverkehr bereits eingestellt war. Es hielten sich weit weniger Menschen als üblich in dem Glaspalast der Bahn auf. Es grenzte schon an ein kleines Wunder, dass niemand verletzt wurde. Auf dem Washington-Platz, nur einen Steinwurf vom Bundeskanzleramt entfernt, standen etwa 200 gestrandete Bahn-Reisende und konnten es nicht fassen.

Interaktive Infografik zum Berliner Hauptbahnhof

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Die zahlreichen herbeigeeilten Feuerwehrleute konnten sich nur äußerst vorsichtig und unter Gefahr heranwagen: Ein zweiter Träger drohte ebenfalls herauszubrechen und schwebte wie ein Damoklesschwert in luftiger Höhe. Eine Seitenfassade der vielfach als "architektonische Meisterleistung" gelobten Bügelbauten drohte einzustürzen.

Ensetzen bei den Beobachtern

Der erst vor acht Monaten feierlich eingeweihte Hauptbahnhof wurde vollständig evakuiert und weiträumig abgesperrt. Durch den Sturm war auch die Feuerwehr hilflos und musste später unverrichteter Dinge wieder abziehen. Jetzt müssen die Statiker entscheiden, wie es mit dem Betrieb in dem bis zu 700 Millionen Euro teuren Prachtbau überhaupt weitergeht.

Eine 22-jährige Touristin aus den USA war den Tränen nahe. "Ich kann es nicht fassen, ich wollte gerade nach München fahren und dort um drei Uhr morgens meinen Flieger in die Staaten nehmen", berichtete sie schockiert.

Entsetzen löste bei allen Beobachtern vor allem die Tatsache aus, dass schon der erste schwere Sturm so leicht die massigen Träger aus der Fassade des Prestigeobjektes brechen konnte. Viel hat nicht gefehlt und das viel diskutierte Glasdach des Bahnhofs wäre durchschlagen worden. "Es ist mir völlig unklar, wie sich wenige Monate nach der Eröffnung des Bahnhofs bereits ein solches Bauteil aus der Fassade lösen kann", meinte Jens-Peter Wilke von der Berliner Feuerwehr kopfschüttelnd am Einsatzort.

Am Mittag kündigte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn an, dass der Hauptbahnhof wieder geöffnet werden solle. Die Schadensursache werde noch geklärt, sagte er weiter.

Aliki Nassoufis und Andreas Rabenstein/DPA
 
 
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KOMMENTARE (3 von 3)
 
drei (19.01.2007, 12:23 Uhr)
Mal an die Tatsachen halten
Bevor man wahlweise auf den Architekten oder den Stern als Berichterstatter eindrischt, sollte man sich mal an die bekannten Tatsachen halten.
1. Der Architekt dieses Bauwerks hat den Entwurf durchgeführt. Die Bauleitung hatte er nicht. Die Statik hat vermutlich auch ein anderes Büro gerechnet.
2. Heruntergefallen sind Teile der Fassade, nicht des Gebäude-Tragwerks. Das ist peinlich genug und bei einem solchen Neubau völlig unverständlich, unakzeptabel ist es sowieso. Irgendwo müssen Fehler gemacht worden sein. Das kann bei der Konstruktion der Fassadenverkleidung geschehen sein oder bei der Errichtung der Fassade. Der entwerfende Architekt hatte darauf ganz sicher keinen Einfluss.
kosmonaut (19.01.2007, 11:05 Uhr)
unsinn
was für ein unsinn. wenn ich reisserische, halbwahre berichterstattung auf BILD niveau wollte, würde ich mir das schundblatt kaufen. der stern fällt mir von der schippe.
catchme (19.01.2007, 10:12 Uhr)
Architektur & Realität ...
Der Architekt dieses kunstvollen Bauwerkes hat die Bahn verklagt, weil er glaubte, sein Werk sei durch bauliche Veränderungen " verunstaltet " worden. Die Bahn sollte überlegen, den Architekten zu verklagen, weil sein Kunstwerk nachweislich unsicher und gefährlich für Realität des deutschen ( Wetter) Alltages ist ... !