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21. Mai 2008, 09:35 Uhr

"Mütter müssen zur Schallplatte werden"

70 Prozent der Kinder sind gestört, sagt der Psychiater Michael Winterhoff. Der Autor des Buches "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" macht dafür Eltern verantwortlich, die von ihren Kindern geliebt werden wollen. Im stern.de-Interview erklärt er seine provokanten Thesen - und vergleicht Eltern mit Tennistrainern.

Ein seltener Moment, wenn alle Kinder still sitzen. Bei der Erziehung läuft vieles schief, sagt Michael Winterhoff

Herr Winterhoff, Ihr Buch hat großes Aufsehen erregt. Das ist nicht verwunderlich: Sie werfen Eltern, die einen partnerschaftlichen Umgang mit ihren Kindern pflegen, "emotionalen Missbrauch" vor. Das sind harte Worte. Wollen Sie zurück zur autoritären Erziehung?

Genau so möchte ich nicht verstanden werden. Es geht nicht um Vorwürfe und auch nicht um die Frage, autoritäre oder antiautoritäre Erziehung. Ich bin Psychiater und kein Pädagoge. Mir fällt auf, dass mit dieser Gesellschaft etwas nicht stimmt. 70 Prozent der Kinder sind gestört.

Wie kommen Sie auf diese Zahl?

Da gibt es einen ganz einfachen Test: Gehen Sie in eine Schulklasse und bitten Sie die Kinder, ihr Deutschbuch hervor zu holen. Sie werden Ihre Bitte mindestens drei Mal wiederholen müssen und einzelne Kinder auch dann nicht dazu bringen, wenn Sie sie mit Namen ansprechen. Ein Drittel der Kinder wirkt abwesend, ein Drittel macht andere Dinge, sie reden, hören Musik, toben durch den Raum. Das ist der blanke Horror. Schulkinder sind heute entwicklungspsychologisch gesehen auf dem Stand von unter Dreijährigen.

Dass ein Lehrer eine Aufforderung mehrmals wiederholen muss, ist doch nichts Ungewöhnliches. Wieso kommen Sie gleich mit der Entwicklungspsychologie?

Weil es nicht nur darum geht, dass Kinder hin und wieder etwas frech sind. Es geht um eine auffällige Diskrepanz, die mir in meiner psychiatrischen Praxis schon lange zu schaffen macht: Zu mir kommen engagierte Eltern, die alles für ihr Kind tun möchten, intakte und vollständige Familien - eigentlich optimale Bedingungen, um ein Kind groß zu ziehen. Trotzdem sind die Kinder verhaltensauffällig und meist respektlos. Sie wirken wie behindert, aber sind es nicht. Die Eltern sind ratlos, schließlich tun sie alles für ihr Kind. Und genau da liegt das Problem. Das ist ein Problem der modernen Erziehung.

Früher war also alles besser? Wie lange ist ihr früher her?

Nicht lange. Noch vor 20 Jahren hatten wir eine ganz andere Gesellschaft. Sie wirkte geordnet und in sich abgegrenzt. Und es gab einen eindeutigen Konsens: Kinder wurden als Kinder gesehen. Partnerschaftliche Umgangsformen gab es erst gegenüber älteren Kindern oder Jugendlichen. Die Erziehung bestand aus zwei Systemen: Dem traditionellen Hierarchiedenken und dem modernen Denken, nach dem Kinder erst begreifen sollen, wieso etwas erlaubt oder verboten ist und auf dieser Grundlage handeln. Seit 16 Jahren behandelt man Kleinkinder als wären sie Erwachsene.

Was hat das mit der geordneten Gesellschaft zu tun?

Seit Anfang der Neunziger hat sich ein enormer Wohlstand ausgebildet, dazu kommt ein großer technischer Fortschritt. Die Erwachsenen kümmern sich mehr um sich selbst, die Menschen sind egoistischer geworden. Das liegt auch daran, dass die Gesellschaft weniger Orientierung bietet und weniger Sicherheit. Wir haben uns zu einer angstschürenden Gesellschaft entwickelt, die nicht mehr positiv zukunftsweisend ist. Diese Veränderung verkraften wir nicht, die Menschen sollten sich die Sinnfrage stellen. Stattdessen wird über das Kind kompensiert.

Sie haben drei Beziehungs-Störungen zwischen Eltern und Kindern in der modernen Gesellschaft ausgemacht: Partnerschaftlichkeit, Projektion und Symbiose. Ein komplexer Ansatz. Muss man heutzutage Psychologie studieren, um ein Kind erziehen zu können?

Nein, natürlich nicht. Es war nicht einfach, die Störungen zu erkennen. Aber sie sind einfach zu verstehen, deshalb habe ich ja das Buch geschrieben. Ich habe das Thema seit ein paar Jahren in der Schublade. Jetzt ist die Gesellschaft so weit, meinen Ansatz verstehen zu können und etwas zu ändern.

Machen Sie ein einfaches Beispiel: Was ist das Problem einer partnerschaftlichen Beziehung?

Kleine Kinder sind damit überfordert. Ihre Nervenzellen müssen zuerst trainiert werden und das geht nur durch Wiederholung, nicht durch Verstehen. Eine Mutter muss ihrem Kind vier Jahre lang jeden Tag sagen, dass es nach dem Essen seinen Teller wegräumen soll. Mütter müssen zur lebenden Schallplatte werden von morgens bis abends. Sonst werden die Nervenzellen nicht trainiert.

Das klingt biologistisch und ein bisschen altmodisch. Wieso ist es ein Fehler, einem Kind zu erklären, wieso der Tisch abgeräumt werden muss?

Weil die Psyche erst gebildet werden muss. Stellen Sie sich einen Tennistrainer vor, der seinem Schützling erklärt, wie Tennis geht. Dann macht er es ihm vor. Und dann meint er, der Schüler kann Tennis spielen. Das kann er aber nicht. Er wird Jahre brauchen und immer wieder die gleichen Bewegungen trainieren müssen. Er lernt nicht durch Verstehen, sondern durch Tun. So ist das bei kleinen Kindern. Man darf sie nicht als Erwachsene behandeln und ihnen zumuten, alles selbst einzuordnen und zu entscheiden.

Aus diesem Grund verurteilen Sie Freiarbeit an Grundschulen: Kinder sollen nicht entscheiden dürfen, was sie wann lernen wollen. Andererseits sind Freie Schulen sehr erfolgreich mit genau diesem Konzept: Wie erklären Sie sich das?

Es geht um mehr als Schreiben und Rechnen lernen. Die Frage ist doch: Was soll dieser Mensch in 20 Jahren können? Ihm wird der Sinn für Pünktlichkeit, Fleiß und Autoritäten fehlen. Schon heute wird die mangelnde Ausbildungsreife der Jugend beklagt. Diese Menschen haben auch als Erwachsene keine Chance, wenn wir die moderne Erziehung nicht überdenken.

Freiarbeit führt zu mangelnder Ausbildungsreife?

Ich verurteile Freiarbeit nicht prinzipiell, aber sie muss gelenkt sein. Ein Lehrer, der die Kinder als Partner sieht, wird sie selbst entscheiden lassen. Kinder müssen aber als Kinder gesehen und gelenkt werden, sonst werden ihre Nervenzellen nicht trainiert und am Ende wird das Thema an einen Therapeuten abdelegiert. Vor allem wenn die zweite Beziehungsstörung der Projektion dazu kommt: Immer mehr Eltern wollen von ihrem Kind geliebt werden.

Ist das nicht verständlich?

Kinder lieben ihre Eltern so oder so. Selbst wenn sie sie missbrauchen oder schlagen. Es ist keine Kunst, von seinem Kind geliebt zu werden. Aber es ist eine problematische Motivation, ein Kind zu haben, um von jemandem geliebt zu werden. Auch das ist ein Problem der modernen Gesellschaft, die keine Orientierung und keine Anerkennung bietet.

Wieso entwickeln sich Kinder, deren Eltern geliebt werden wollen, zu kleinen Tyrannen?

Weil Eltern dann nicht mehr nein sagen können. Sie haben Angst, Grenzen zu setzen und dann nicht mehr geliebt zu werden. Das ist wie in einer Firma: Ein Chef, der geliebt werden will, kann kein Chef sein. Noch schwieriger ist es, die Symbiose anschaulich zu machen. In einer Gesellschaft, die nicht positiv zukunftsweisend ist, sehen immer mehr Eltern ihr eigenes Glück in dem ihres Kindes. Sie leben eine Symbiose. Diese Eltern merken überhaupt nicht, wenn ihr Kind rotzfrech ist. Sie fühlen sich angegriffen, wenn man sie darauf anspricht. Ich mache weder Eltern, Erziehern oder Lehrern Vorwürfe. Das ist ein Problem der Gesellschaft: Kinder bieten sich zur Kompensation an. Aber das ist Missbrauch des Kindes.

Sie sagen, Sie beobachten diese Störungen schon seit Jahren. Wie kann die Gesellschaft aus solchen eingefahrenen Strukturen ausbrechen? Was ist die Lösung?

Wir sind noch nicht bei der Lösung, sondern bei der Diagnose. Alle pädagogischen Konzepte versagen. Ich habe einen Erklärungsansatz dafür geliefert, der zeigt, dass sich das Dilemma nicht mit immer neuen pädagogischen Konzepten lösen lässt. Jeder Erwachsene ist gefordert zu überprüfen, ob er unbewusst über sein Kind kompensiert. Erst nach dieser Einsicht können wir über Lösungen reden.

Wie lange geben Sie der Gesellschaft für so eine Einsicht? Sind Sie optimistisch?

Mein Buch hat heftige Diskussionen ausgelöst. Das ist gut. Wenn man diese Strukturen erstmal erkennt und begreift, kann man sie relativ schnell verändern. Für viele Menschen haben die Erkenntnisse meines Buches ein Aha-Erlebnis ausgelöst. Die Menschen erkennen sich wieder, Störungen sind nachvollziehbar - und das birgt die Chance zur Veränderung.

Michael Winterhoff

Michael Winterhoff Michael Winterhoff (53) ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Bonn. Er hat Humanmedizin in Bonn studiert und befasst sich heute insbesondere mit psychischen Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter aus tiefenpsychologischer Sicht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Mehr über die Debatte zur Kindererziehung...

Mehr über die Debatte zur Kindererziehung... ...finden Sie im aktuellen stern und der Titelgeschichte "Los, erzieht mich".

Interview: Eva Wolfangel
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Gustl134 (24.05.2008, 12:26 Uhr)
Na Endlich
Hier Spricht mir aber einer aus dem Herzen. Ich habe es selber schon miterlebt wie so ein kleines Monster gezüchtet wurde. Ich bin schon länger der Meinung, das eine freundschaftliche Beziehung eher das Selbstwertgefühl der Eltern steigert, aber nicht das (vielbeschworene) Kindeswohl fördert.
testsieger2006 (23.05.2008, 14:56 Uhr)
@nostradamus
glaub mir, als Mann brauchst Du Testosteron. Das ist auch keine "Medizin", sondern ein Hormon. Wenn ich als Beispiel für die Unsinnigkeit von Geländewagen in Großstädten als Beispiel der Deutschen Schäferhund nenne, dann werde ich meine Zuhörer wohl kaum überzeugen.
.
IGEL sind Leistungen, die eben nicht(oder nicht mehr) von den Kassen übernommen werden... also individuell zu bezahlen sind. Da gibt es sinnige wie z.B. einer Frau zu starke Gesichtsbehaarung wegzulasern, unsinne wie zu Beispiel die Knochendichtemessung mittels Ultraschall und skurrile, wie z.B. türkischen Mädchen das Jungfernhäutchen wieder zuzunähen, damit der Bräutigam was zu durchstossen hat.
Nostradamus (23.05.2008, 12:08 Uhr)
@testsiger2006:
Das Beispiel Testosteron war ein Beispiel für Medizin, die die Menschheit nicht braucht und IGEL ist ein weiteres was die Menschheit nicht braucht und verdienen tun an beidem die Ärzte und die Pharmaindustrie.
Das haben die Testosteron Mittelchen und IGEL mindestens gemeinsam.
testsieger2006 (23.05.2008, 10:59 Uhr)
@Nostradamus
IGEL= individuelle Gesundheitsleistung. Dein angeführtes Testosteron-Mittelchen gehört da aber nicht dazu. Das ist ein Medizinprodukt, bzw. ein Arzneimittel und das (darf) der Arzt gar nicht verkaufen. Klassische IGEL-Leistungen sind z.B. dauerhafte Haarentfernung bei unerwünschter Behaarung auf dem Rücken oder Oberlippenbart bei Frauen. Über Sinn und Unsinn dessen lässt sich natürlich streiten.
.
Ich habe geschrieben, dass ich mein Kind EHER auf eine preußische Kadettenanstalt schicken würde, als auf eine Waldorfschule. Nix anderes.
Nostradamus (22.05.2008, 16:43 Uhr)
@DUDU: Tippfehler IGEL
IGEL das ist ein Verfahren mit dem Ärzte aller Art dazu befähigt werden sollen ihren Patienten genau die Dinge zu verkaufen von denen sie nix wussten, es bisher nicht brauchten und die ihnen garantiert nicht helfen.
Ärzte und Pharmaindustrie erfinden Krankheiten um Kasse zu machen.
Schönes Beispiel: Die Wechseljahre des Mannes und die neuerdings kaufbaren Testosteron Mittelchen. Dass die "Gegenmaßnahmen" mehr schaden als nützen, davon reden weder Arzt noch Pharmaindustrie.
Alter Verkäuferweisheit: "Es wird jeden Tag für jedes Produkt ein neuer Idiot geboren."
In dem Sinne hat die Diskussion hier auch noch einen weiteren interessanten Aspekt. Diejenigen, die hier ein "Preußisches Schulsystem" fordern, die fordern ja auch Obrigkeitshörigkeit von kindesbeinen an.
Wer so erzogen ist, der zweifelt weder an der Autorität von Politikern und Beamten noch an der eines Arztes.
Wer will das schon? Ich nicht.
Dudu (22.05.2008, 13:33 Uhr)
IDEL
sagt mir so auf anhieb nichts?
Nostradamus (22.05.2008, 13:12 Uhr)
@DuDu: Schon mal was von IDEL gehört?
Die Mediziner schaffen die kranke. Die Nachhilfelehrer die Legastheniker etc.. Die Deutschen Kinder sind ein Ansammlung von physisch und psychisch gestörten, die dringend therapiert werden müssen mit Ritalin, Förderunterricht etc.. Schön, wenn man in der Position ist Angebot und Nachfrage selbst zu regeln, indem man die Mehrheit einfach mal als krank definiert, statt zu erkennen, dass viele Kinder in der Schule unterfordert sind, daher gelangweilt aus dem Fenster schauen, schwänzen, stören oder einfach andere Dinge für wichtig nehmen.
Absolut richtig ist, dass war/ist auch meine eigene Erfahrung als Schüler und die als Vater, dass es nahezu immer an einzelnen Lehrern liegt, wenn die Klassendisziplin schlecht ist. Das liegt nicht am Fach und auch nicht an den Kindern.
Das war zu meiner Schulzeit so und beide Kinder hatten Lehrer, die keinen Unterricht machen konnten, weil die Schüler nicht zuhörten oder störten. Als Ursache sehe ich Inkompetenz. Kinder haben einen siebten Sinn dafür wer als Führungsperson vorne taugt und wer nicht. Das war schon immer so und auch Thema des berühmten Filmes "Die Feuerzangenbowle", der zeigt, dass die von dem begnadeten Psychiater gefundenen Themen alles andere als neu sind.
Als ich 14 Jahre alt war, da interessierte sich kein Mensch dafür, dass ich lieber Computer zusammen lötete und programmierte. Gute Noten brachte es mir keine ein. Im Gegenteil, da ich nicht tat was der Lehrer von mir wollte und der Lehrer, der konnte nicht mal einen Taschenrechner ordentlich bedienen.
Ich jedenfalls bin dagegen Opportunisten zu erziehen sondern eher für interessanten Unterricht und Förderung der indviduellen Interessen. Kinder auf den gerade angezeigten Stoff zu disziplinieren halte ich für Unsinn, weil dieser oft allenfalls im Studium aber meist gar nicht im Berufsleben interessant ist. Naja, abgeshen von Sprach- und Rechtsschreib- und den eigenen Präsentationstechniken.
Wer von uns braucht heute sein Wissen über Quantenphysik oder Infinetessimalrechnung oder die Photosynthese im Beruf tatsächlich?
Schule hat aus meiner Sicht auch den Sinn die Menschen dazu zu bringen konsequent an Themen zu arbeiten und diese zu verfolgen. Die Eliteschulen machen dies auch oft so, dass die Lehrer die Interessen der Kinder nutzen, um über diese ihren Lehrstoff zu transportieren und sozusagen spielerisch zu lernen. Es gibt aber auch Kinder, die interessieren sich für nix außer die Spielkonsole aber auch das könnte ein geschickt angelegter Unterricht nutzen, um Mathematik, Physik, Handwerkliches Geschick und Sprachen zu transportieren.
Was hier im Forum von einigen inkl. des Herren Psychiater gefordert wird sind im Prinzip stereotype Kinder, die brav in der Klasse sitzen, an den Lippen des Lehrers hängen, dann nach Hause gehen und alles tun, um die nächste Klausur mit einer 1 zu schaffen.
Dazu müßte man Kinder disziplinieren aber unsere Welt ist die von "Löwenzahn" und "Sesamstraße", unsere Gesetze verbieten alles was zur Disziplinierung führt und das macht Erziehung schwierig, weil Eltern Kinder zum Lernen verführen müssen und nicht mehr zwingen können.
Hausarrest dürfte manchen Kind erlauben über das Jugendamt einen Platz in einer Jugendeinrichtung zu bekommen, wenn die Jugendlichen es drauf anlegen, weil die Eltern die Kinder mishandeln. So die Gesetzeslage in Deutschland. Zwang anzuwenden ist sicher einfacher als zu motivieren.
Ich halte von derartiger Erziehung nix. Mein Berufserfolg basiert darauf, dass ich kreativ schon immer meine eigenen Wege gegangen bin, mir die Lehrmeinungen angehört aber daraus meine eigenen Schlüsse gezogen habe. Das hat mir in der Schule unendliche Diskussionen mit den Lehrern, nicht immer die besten Noten, und Ärger mit den Mitschülern gebracht, die nicht diskutieren wollten sondern einfach lernen und gute Noten schreiben wollte aber an der Wahrheit nicht interessiert waren, aber dafür hat es mir heute eingebracht, dass ich auf meinem Gebiet einer der wenigen, wenn nicht der einzige Experte in diesem Land bin, der nicht nur über sein Thema redet sondern auch praktische Erfolge vorweisen kann und damit die, die es immer ihren Eltern, Lehrern, Professoren recht machen wollten total abgehängt hat, weil man eben auch mal neue Wege begehen muß, um Lösungen zu finden und dazu gehört, dass man mal rechts und links schaut was Sache ist.
In nahezu jedem Fach (naja, abgesehen von der Anwendung mathematischer Formeln, deren Anspruch auf absolute Korrektheit man allenfalls bezweifeln kann und der Logik an sich) kann man leicht zu den meisten Lehrmeinungen Alternativen finden, die nahezu das Glatte Gegenteil von dem behaupten was der Lehrer gerade erzählt und als richtig in seiner Klausur bewerten wird.
Von daher sind kreative Geister in Schulen "preußischer Nature", wie sie hier mancher fordert, fehl am Platze. Und der wahre Preuße wird auch nur wenig kreativ bei der Problemlösung sein und immer duckmäuserisch nach oben schauen. Ich habe im Schrank ein Geschichtsbuch aus der preußischen Zeit, das beginnt im wahrsten Sinne bei Adam und Eva, geht dann über zu Abraham und Moses, beschreibt die Sintflut und auch die Lebewesen in Afrika und Amerika, die fast wie Menschen aussehen aber die Wissenschaft in Streit versetzt, ob diese nicht eher den Affen zugehörig seien. In Preußen hätte es kaum einer gewagt diesen Schwachsinn als das bloß zu stellen was er war.
Und selbst im Nationalsozialismus scheint es eine andere als die "preußische Penne" gegeben zu haben, wenn der Film "Die Feuerzangenbowle" aus dem Jahr 1944 nicht vollkommen an der Realität vorbei war.
rennfrikadelle (22.05.2008, 12:31 Uhr)
Genau das Gegenteil
Kinder wie Erwachsene zu betrachten, sie für "voll" zu nehmen, diese Paradigma begann in den neunziger Jahren. Erreicht werden sollten aufrechte, selbstständige und mündige Kinder, die für das Erwachsenenleben bestens vorbereitet sind. Erreicht wurde genau das Gegenteil.
In immer mehr Einkindfamilien wernde kleine Prinzen und Prinzessinen herangezüchtet, verwöhnt und mit allem überchüttet. Es gibt keine Verpflichtungen, das Kind kann beim Abwasch helfen - aber nur wenn es möchte.
Als ich noch ein Kind war, gab es eine gefürchtete Strafe: Hausarrest. Droht man einem Kind heute damit, sagt es "Klasse, den ganzen Tag DS spielen".
Das was in vielen Familien fehlt ist in meinen Augen das wichtigste bei der Erziehung: Gelassene Konsequenz.
Auch wir hatten solche Probleme. Auch wir meinten unser Kind damit in seine Schranken weisen zu können, indem wir drohten ihm z.B. das DS wegzunehmen. Wir mussten erkennen, das unser Kind sehr schnell lernte damit umzugehen - es war das ideale Feedback um genau die Grenzen auszuloten. Weggekommen ist das DS damals nie, es waren immer nur Drohungen. Heute ist das Teil bei einem Fehlverhalten der Kleinen OHNE Vorwarnung weg. Seitdem hat sich einiges geändert...zum Positiven hin.
Dudu (22.05.2008, 12:21 Uhr)
@hermes_1974
Lesen Sie mal die Bücher des Herrn W. Sind wirklich nicht beeindruckend, sondern lediglich vollgespickt mit Blablabla ohne konkrete Substanz.
Z.B. fodert er in den Büchern mehr außerfamiliäre Erziehung (durch die Eltern initiiert). Ist ja auch soweit o.K. Aber er erwähnt nicht, dass rd. 70 bis 80 % aller Kinder zwischen 3 und 6 Jahren eine Kita besuchen. Zählt dies nicht als außerfamiliäre Erziehung?
Und nochwas, habe ich in der Klasse meiner "Großen" erlebt. Wenn die Kinder im Unterricht rumtoben und blödsinn machen, dann ist das allein und wirklich allein Schuld der Lehrkraft. Bei anderen Lehren machen sie es nicht, was belegt dass es nicht an den Kindern liegt.
Mediziner sind ebenfalls nicht unschuldig an der heutigen Lage. Schauen Sie mal, wieviele Kinder mit "Hyperaktiv" eingestuft sind. Alle wirklich krank? Oder sind die Mediziner nur zu feige den Eltern aber auch den Erziehern in der Kita zu sagen, dass das Kind Regeln und keine Pillen benötigt. Es sind doch diese Mediz. die sowohl den Eltern aber auch den Erziehern/Lehrern die Ausreden liefern.
Nur die Eltern anzuprangern (setzt den Kindern mehr Regeln) ist mir einfach zu sehr Bildniveau und Werbung für seine Bücher
guenni22 (22.05.2008, 12:16 Uhr)
Vorbilder?
ich muss dem @ Dudu in einigen dingen zustimmen. vieles liegt bestimmt an unfähigen lehrern und auch unfähigen erziehern; aber auch an unfähigen eltern. neu ist das alles aber nicht wirklich und hat es auch schon früher gegeben. die erkenntnis dass wiederholungen beim erlernen helfen ist nicht so neu und man muss deswegen kein buch schreiben. früher nannte man es, "übung macht den meister" oder hatte sonst einen passenden spruch. ob kinder wirklich ihre eltern trotz missbrauch und misshandlung lieben, wage ich zu bezweifeln. wenn 70% der kinder allerdings "gestört" sind dann ist in der tat etwas faul. und wenn es nur die messmethode ist. asoziale eltern werden asoziale kinder haben, das war früher nicht anders als heute. vorbildliche eltern haben meist auch wohl erzogene kinder, wobei dies nicht am wohlstand/armut festzumachen ist. in zeiten in denen bildungsferne schichten (nannte man früher gesocks), staatlich subventioniert, mehr kinder haben als ordentliche bildungsbürger, ist es so wie es ist
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