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27. Juli 2009, 14:54 Uhr

1,16 Euro pro Frau

Der für Flatrate-Sex bekanntgewordene Pussy-Club in Fellbach ist nach einer Razzia geschlossen worden. Offizieller Grund: hygienische Mängel. Eine Massagebank soll stark verschmutzt gewesen sein. Zwei Abende vorher hatte stern.de-Autor Philipp Mausshardt das Bordell inspiziert - auch die Massagebank. Ein Erfahrungsbericht.

Pussy-Club, Fellbach, Flatrate-Bordell, Bordell, Prostitution

"Sex so oft du willst": stern.de-Autor Philipp Mausshardt im Pussy-Club© Boris Schmalenberger

Nun ist der berühmt-berüchtigte Pussy-Club schon wieder dicht, seine Betreiberin wird dem Haftrichter vorgeführt. Erst Anfang Juni hatte das sogenannte Flatrate-Bordell vor den Toren Stuttgarts eröffnet und die Welt der Schwaben gehörig durcheinander gebracht. Für 70 Euro Eintritt erhielten die Schnäppchenjäger nicht nur Getränke, Essen, Sauna und Massagen, sondern auch "Sex so oft du willst, so lange du willst und wie du willst" (Eigenwerbung). Das unmoralische Angebot wirkte: Am Eröffnungstag kamen 1700 willige Männer, vor den Zimmern der Frauen bildeten sich lange Schlangen, und bis zur Schließung riss der Zustrom nicht mehr ab.

Was aber passierte wirklich hinter den Türen des Pussy-Clubs? stern.de-Autor Philipp Mausshardt hat das Lusthaus genau unter die Lupe genommen - zwei Abende vor der Polizei-Aktion.

Das gedämpfte Licht an der Eingangstheke zum Pussy-Club reicht gerade aus, um einen 50 Euroschein von einem 20er zu unterscheiden. "Welche Schuhgröße?", will die junge Frau von mir wissen und reicht mir ein paar blaue Plastikschlappen, ein Handtuch und einen Schlüssel mit der Nummer 224 über den Tresen. "Umziehen dort", sagt sie in gebrochenem Deutsch und weist auf einen Raum, der den Charme einer Umkleidekabine der Bundeswehr ausströmt. Männer stopfen ihre Hosen und Hemden in die Metallspinde und wickeln sich hastig das Handtuch um ihr Gemächt. Hier sehe ich zum ersten Mal an diesem Vormittag nacktes Fleisch. Männerfleisch.

Dann geht es durch einen Flur ins Gefecht.

1,16 Euro pro Frau - rein rechnerisch

Schon auf den ersten Metern zum "Kontaktraum" rutscht bei vielen das viel zu kurze Handtuch. Macht nix, schließlich haben die 60 Frauen ja auch kaum etwas an, die in den tiefen Kunstledersesseln lümmeln. Jetzt erst mal eine Cola an der Theke und ganz ruhig durchatmen. Neben mir verlangt einer schon sein erstes Bier. Er scheint zufrieden, obwohl es "Oettinger" heißt. "Prost", sage ich und "Prost" sagt Ralf, Bezirksschornsteinfeger von der Schwäbischen Alb.

Die Schwaben machen einen großen Unterschied zwischen teuer, billig und umsonst. "Was nix koscht, isch au nix", sagen sie. Ein bissle zahlen tun sie dagegen gerne. "Günschtig" findet darum Ralf die Vorstellung, mit 60 Frauen Sex zu haben. Die Illusion teilt er mit rund 250 Männern. Und so ist der Kontakthof auch bald abgeräumt wie ein Schnäppchenständer beim Hertie-Ausverkauf.

"Macht 1,16 Euro pro Frau", rechne ich auf dem Weg zu den Massageliegen. Obwohl Masseur Philipp, der wohl der einzige "staatlich anerkannte" Arbeiter in diesen Räumen ist, hat er nicht viel zu tun. Während der Rheinländer mir die Rückenmuskeln durchknetet, philosophiert er über den süddeutschen Volksstamm. "Siehst du die Trinkgeldkasse dort? Kannste schütteln, hörste nichts. Ist hier immer so."

"Ich kann nicht mehr"

Hunger. Auf dem Weg zur Puff-Kantine komme ich an vielen Zimmern vorbei. Auch an den Türen wurde offenbar gespart. Nur Streifenvorhänge verdecken unzulänglich die Sicht auf die Betten. Ein voluminöser Herr wackelt auf einer zierlichen Frau herum. Sie schaut zur Tür, ich winke freundlich, sie winkt zurück. Er bemerkt es nicht und wackelt weiter. "Gute Verrichtung", will ich noch sagen, verschlucke es aber und stehe kurz darauf vor einem Buffet. Ich lade ein paar lauwarme Pommes (lommelig), einen Hühnerschlegel (lätschig) und Salat aus Mixed Pickles (lausig) auf den Plastikteller und schaue das Gericht lange an. Außer mir isst hier niemand. Auch in der Sauna bin ich kurz darauf der einzige Gast.

Endlich, auf der Dachterrasse, treffe ich einen erschöpften Herrn. Dieter heißt er und er ist Malergeselle aus Heilbronn. Sein verrutschtes Handtuch entblößt seine Männlichkeit. "Ich kann nicht mehr", sagt Dieter ungefragt und man sieht, dass es stimmt. Schnell wechselt das Gespräch auf das Malerhandwerk und die rigide deutsche Handwerksordnung. "Die Innung wirft dir Schtoi (Steine) in den Weg, wo immer sie kann."

Im Pussy-Club beginnt der Endspurt

Immerhin, da kann noch jemand, denke ich und hole mir jetzt auch ein Oettinger. Am Tresen setzt sich ein Mädchen neben mich. Sie ist Rumänin und spricht, wie sich herausstellt, vier Wörter deutsch: "hinten, vorne, oben, unten". Das genügt zum Verstehen der Stellungsbefehle. Als sie bemerkt, dass ich italienisch spreche, bittet sie mich: "Stai qui e parli con me" (bleib hier und rede mit mir). Es sei ihre einzige Chance, für eine Weile in Ruhe gelassen zu werden. Ich tue ihr den Gefallen und weiß nach einer Stunde und drei weiteren Oettinger viel über rumänische Familienverhältnisse. Es ist jetzt 15 Uhr: Endspurt im "Pussy-Club". In einer halben Stunde ist Ladenschluss für die Frühschicht, bis es um 20 Uhr wieder heißt: alles inklusive.

Doch am Abend kostet der Eintritt 100 Euro. Zu viel für die Schwaben. Der Laden brummt deshalb nur in den Mittagsstunden, abends ist es leer.

Das Licht geht an und Sekunden später verlassen die meisten Männer wort- und grußlos den Kontaktraum in Richtung Umkleidekabine. Wie sagen sie hier: "Net geschimpft isch genug gelobt."

 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
crestflight (29.07.2009, 17:10 Uhr)
Na das ist ja sonderbar,
die Betreiber sind erst 25 Jahre alt. Wahrscheinlich hat die Dame vorher schon zweihundert Bewerbungen geschrieben, sich von 100 dämlichen Personalern in Accessment Centern verarschen lassen müssen und versucht immer die optimale Arbeitnehmerin heraushängen zu lassen. Ja und dann überlegt man wo die Kohle lauert. Sichere Deals: Bestatter und Bordelle, weil immer Konjunktur. Ist der Puff auch noch so klein - bringt er mehr als Arbeit ein! Glückwunsch!
Das was hier abläuft ist an Scheinmoral nicht mehr zu überbieten.
nebunu (29.07.2009, 00:23 Uhr)
1.16 ?? oder supermenn?
1. warum rechnet der reporter 1.16 euro pro frau? absurd, wie oft kann ein man kommen? 2 ,3 mal ok 4 mal .oder ist er supermenn und kann 60 mal kommen? 2. in LB gibs schon lange flet red ,aber die politiker machen dort nicht.
karacho (28.07.2009, 20:19 Uhr)
@Bebuquin
Haben sie außer ihrer subjektiven moralischen Empörung auch noch etwas sinnvolles beizutragen?
-> Subjektiv? Ihrem Nickname nach sind sie ein Mann. Als dieser beurteilen Sie diese Thematik und maßem sich an, objektiver zu sein als eine Frau?
...Können sie dies irgendwie statistisch belegen? Oder haben sie dafür andere Quellen?
-> Ich probiers mal mit Logik: Wenn Frauen sich gerne prostituieren würden, wäre bspw. Zwangsprostitution unnötig!
-> Wenn Frauen gerne mit fremden Männern schlafen würden, wieso bezahlen die Männer sie dann noch dafür?
-> Gegenfrage: Wenn Sie vor einer Prostituierten stehen, können sie dann mit Bestimmheit sagen, dass sie das alles freiwillig macht? Kennen Sie deren Lebensgeschichte? Womit wir wieder bei der objektivien Beurteilung der Sachlage sind...
-> Wieso prostituieren sich so wenige Männer? Wenn das alles doch ach so toll ist, dann frag ich mich, wieso es die Herren nicht mal selber damit versuchen.
...Es stünde ihnen immer noch frei, auf den entsprechenden Differenzbeitrag zu verzichten, wenn sie diesen Job wirklich hassen.
-> Dies ist i.d.R. weniger eine Sache des freien Willen, denn komplizierter, fragwürdier Lebensläufe und psychischer Verstümmelungen, wie Xennia schon ansprach.
...Ich würde mal so weit gehen und sagen, dass in dieser Welt insgesamt zu wenig gefickt wird.
-> Angesichts einer Weltbevölkerungszahl von 6,8 Mrd, würde ich nicht sagen, dass auf diesem Planeten zu wenig gepimmert wird. Vor allem, weil wir 6,8 Mrd langsam nicht mehr wissen, wie wir alle satt kriegen sollen.
...Würden die jungen Männer dort mal häufiger zum Schuß kommen, hätten sie aufgestaute Aggressionen und mit einer entsprechend angepassten Erziehung auch ein freundlicheres Verhältnis zu ihrem eigenen Körper und zu Frauen.
-> ja, ich würde sagen, dann sollen sie mal mit ihrer gesunden rechten oder linken Hand anfangen zu üben, bevor die jungen Männer sich an ne Frau wagen.
-> Habe ich richtig verstanden: Ein freundlicheres Verhältnis zu Frauen, durch Beseitigung von "angestauter Aggressivität" durch Sex mit Frauen?? Das ist eine Logik, die sich mir bei dieser Wortwahl nicht erschließen mag!
Administrator (28.07.2009, 17:11 Uhr)
@sveto
Das Abkürzen von Fäkalausdrücken macht die eigentliche Aussage nicht besser und lässt den Kommentar nicht länger stehen. Bitte halten Sie sich an die Regeln und bleiben Sie sachlich, auch wenn wir einsehen, dass das Thema zur Verwendung derber Sprache reizt, hebt dies nicht die Regeln auf.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Wertlos (28.07.2009, 10:02 Uhr)
Ganz Normale Neueröffnung
Mal davon abgesehen. Das grade bei einer Neueröffnung nur das Personall total überlastet ist.
Und mal wieder ganz klar sich dort Hauptsächlich nur Frauen aus Sozialschwachen Familien im Innland & Ausland Arbeiten.
Eine Deutsche würde nämlich mit ihrem IQ und bei gutem aussehen einfach zu einer Begleitagentur gehen.
Das die Räumlichkeiten nur abgehangen werden ist in vielen Privatclubs so.
Das man auf der Arbeit keine wirkliche Pause hatt kenne ich aus dem Einzelhandel,kaum hinten es klingelt und Pausenende. War bisher bei all diesen Firmen so REWE, Helco, Allfrisch, PLUS.
Ihr sucht Perfekte Arbeitsbedingungen in einem Dienstleistungsbetrieb das ist echt ein Witz.
Hygiene selbst im Lebensmittelhandel wird gefuscht ohne ende, Das könnt ihr mir glauben. Solche Bordelle haben auchnix mit Gefühl zu tun sonder mit Massenabfertigung Geiler Männer weil die eh jedes Gefühl verloren haben weil ihr job Sie in den Wahnsinn treibt.
hanvas (28.07.2009, 09:18 Uhr)
@Xennia
> Gemäß zahlreicher Studien kommen
> sehr viele Prostituierte aus
> prekären Familienverhältnissen
"Prekär" kann in diesem Zusammenhang bedeuten aus "unsicheren Familienverhältnissen" oder auch auch aus "Verhältnissen mit geringen Familieneinkommen", beide möglichen Deutungen treffen beispielsweise ebenso oft auch auf andere Ungelernte zu.
> viele sind als Kind sexuell
> missbraucht worden, nicht selten
> von engen Familienangehörigen.
Sexueller Mißbrauch findet in den allermeisten Fällen durch nahe Verwandte statt - dies ist keine Besonderheit der als Prostituierten tätigen.
Nebenbei bemerkt. Auch viele Priester, Seelsorger, Krankenpfleger, andere in sozialen Berufen tätigen wurden Opfer von Mißbrauch.
> Durch ihren Job wiederholen sie
> diesen Missbrauch tausendfach,
> wie in einem Zwang.
Viele psychisch/seelisch Kranke Menschen, insbesondere Mißbrauchsopfer durchleben belastetende Situationen wieder und wieder. Allerdings ist dieses immer wiederkehrtende Erleben normalerweise selbst gewählt. Die Freiheit und die Möglichkeit nach unserem eigenen Gusto zu leben, endet nicht dort wo wir selbst anfangen uns zu zerstören.
> Zahlreiche Prostituierte können
> ihren Job nur ertragen, indem sie
> Drogen konsumieren, die ihren
> Körper zerstören.
Das gleiche gilt beispielsweise auch für Ärzte oder Wirte. Deswegen schließt man auch keine Gaststätten, Diskotheken oder Krankenhäuser.
> Frauen, die aus der Prostitution
> aussteigen, werden fast immer zum > Sozialfall,
Ungelernte Arbeiskräfte die Ihren Arbeitsplatz verlieren werden auch fast immer zum Sozialfall.
> da der Staat ihre Tätigkeit zwar
> erlaubt, aber ihnen kaum Hilfen
> gibt,
Wie jedem anderen auch !
> den Weg in ein normales
> Leben zu finden.
Definiere "normal" !
> Allein diese wenigen Fakten
> zeigen, dass Prostitution kein Job
> wie jeder andere ist.
Wenn man nur von den Fakten ausgeht die Du aufgezählt hast dann eben doch !!
cosmo_kramer (28.07.2009, 04:58 Uhr)
1,16? Abend??
Rechnen ist schon schwer, eigentlich wären das ja 1,17. Was der Puffgänger zusätzlich vergessen hat ist dass man auch 5x jede Frau besuchen kann, somit stimmt diese Rechnung (von) hinten und vorne nicht!
Und oben steht "2 Abende vorher", aber unten "es ist jetzt 15 Uhr". Peinliche Fehler, aber typisch für den Stern. Da wird mehr phantasiert als recherchiert!
Xennia (28.07.2009, 04:07 Uhr)
kein normaler Job
@ karacho
Gemäß zahlreicher Studien kommen sehr
viele Prostituierte aus prekären Familienverhältnissen, viele sind als Kind sexuell missbraucht worden, nicht selten von engen Familienangehörigen. Durch ihren Job wiederholen sie diesen Missbrauch tausendfach, wie in einem Zwang. Zahlreiche Prostituierte können ihren Job nur ertragen, indem sie Drogen konsumieren, die ihren Körper zerstören. Frauen, die aus der Prostitution aussteigen, werden fast immer zum Sozialfall, da der Staat ihre Tätigkeit zwar erlaubt, aber ihnen kaum Hilfen gibt, den Weg in ein normales Leben zu finden.
Allein diese wenigen Fakten zeigen, dass Prostitution kein Job wie jeder andere ist.
karacho (27.07.2009, 23:49 Uhr)
gehts noch???
Wissen Sie was, sie haben recht, die Prostitution verbieten bringt nichts.
Allerdings wäre es sehr sinnvoll die Freier zu bestrafen, wie in Schweden.
Allen - den Kommentaren nach wohl hauptsächlich - Männern, die hier so arglos schreiben, dass Prostitution was "ganz Normales" sei, sei gesagt dass es kaum effektivere Methoden gibt, Frauen seelisch zu zerstören. Und da reden wir noch nicht mal von Zwangsprostitution. Nur, weil es das älteste Gewerbe der Welt ist und weil es täglich zigtausenfach in Deutschland passiert, ist es deswegen trotzdem jedes mal ein Verstoß gegen die Würde der Frauen. Die Wenigsten machen das, weil sie die selben z.T. perversen Fantasien haben, wie die Männer. Die meisten sind auf irgendeine Art gezwungen sich zu prostituieren. Sie hassen es.
Also ist und bleibt es Ausbeutung und wird immer schrecklicher durch die Legalisierung der rot-grünen Regierung bis hin zur Flatrate.
Im Übrigen: Vor 10 Jahren wäre es Männern noch super peinlich gewesen, zuzugeben, dass sie Freier sind. Jetzt scheint es geradezu zum guten Ton zu gehören, wenn ich diesem Forum hier glauben darf. Zumindest scheinen sich die Herren ja sehr gut in den Etablissements auszukennen. Pfui Teufel
Johann58 (27.07.2009, 22:08 Uhr)
Doppelmoral
die Politiker nehmen die Dieste von Prostituierten zu nahezu jedem Preis entgegen, Beispiele kennen wir ja zu genuege, schliesslich hat ja auch ein Herr Friedmann sicher die 'Osteuropaeerinnen' nicht zum Nulltarif bekommen. Nun macht man nach Flatratesaufen eben auch Flatratebumsen. Damit macht man dem 'kleinen Mann' mal eine Freude. Nu lasst es doch einfach geschehen. Wer nicht will geht nicht hin und der Rest naja gab schon immer Bedarf fuer gewerblichen Sex. Die Aufregung ist es jedenfalls nicht Wert. Die Verbreitung von AIDS ist denn wohl auch in erhebichem Masse bei der Drogenprostitution zu suchen. (Ich weiss nicht nur da, man muss mich also nicht besonders darauf hinweisen!)
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