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Schweres Los für soziale Projekte

Wer ein Los der "Deutschen Fernsehlotterie" kauft, will in erster Linie helfen - nicht zocken. Der Glücksspielstaatsvertrag lässt die Spendeneinnahmen sinken. Leidtragende sind die sozialen Projekte.

Von Lara Wiedeking

  Die Deutsche Fernsehlotterie unterstützt viele soziale Projekte, so auch das Kinderhospiz Mitteldeutschland. Dort können Eltern mit ihren schwerkranken Kindern Urlaub machen.

Die Deutsche Fernsehlotterie unterstützt viele soziale Projekte, so auch das Kinderhospiz Mitteldeutschland. Dort können Eltern mit ihren schwerkranken Kindern Urlaub machen.

Es gab Jahre, in denen konnte die Deutsche Fernsehlotterie mehr als 73 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen ausschütten. Das war zuletzt 2008. Seitdem sinken die Losverkäufe in den Bankfilialen dramatisch. Doch andere Vertriebswege erlaubt der Glücksspielstaatsvertrag kaum. Folglich sinken auch die Spendeneinnahmen enorm, wie Zahlen belegen, die die Fernsehlotterie diese Woche veröffentlichen wird. 2013 schüttete die Lotterie nur noch 51,7 Millionen Euro aus. Auch die "Aktion Mensch" muss mit einem massiven Rückgang der Losverkäufe kämpfen und auch hier wird der Glücksspielstaatsvertrag als Auslöser beschuldigt. Darunter leiden diejenigen, die ohnehin schon genug Sorgen haben. So wie das Kinderhospiz Mitteldeutschland.

Angewiesen auf die Schecks der Lotterie

"Es gäbe unsere Einrichtung ohne Großspenden wie die der 'Deutschen Fernsehlotterie' nicht", erzählt Stephan Masch vom Kinderhospiz Mitteldeutschland. Seit 2011 gibt es das Hospiz im thüringischen Tambach-Dietharz. Für Familien mit schwerkranken Kindern ist das eine der wenigen Möglichkeiten mal rauszukommen. Spontane Kurzurlaube an der Ostsee mit der ganzen Familie sind so gut wie unmöglich. Sie brauchen spezielle medizinische Geräte und Betreuung oder eine behindertengerechte Unterkunft. Für zwei bis vier Wochen können die Familien hier bleiben und endlich mal abschalten. Ohne die Deutsche Fernsehlotterie gäbe es das Projekt nicht. "Mit öffentlichen Geldern können wir schlichtweg nicht rechnen", so Masch. Acht Prozent der Anschubfinanzierung sei von der öffentlichen Hand übernommen worden.

Christian Kipper, der Geschäftsführer der "Deutschen Fernsehlotterie", fühlt sich zu Unrecht mit anderen Glücksspielanbietern gleichgestellt: "Die Auflagen sind unverhältnismäßig – dabei ist unser Spielsystem wissenschaftlich belegt nicht suchtgefährdend." Seit fast 60 Jahren gibt es Soziallotterien – es sei bisher nicht ein Fall von Spielsucht aufgetreten. "Den Glückspielstaatsvertrag als solchen unterstützen wir voll und ganz", sagt Kipper.

Den Verkauf regelt der Glücksspielstaatsvertrag

Die Lose der Soziallotterien wurden früher hauptsächlich in den Banken verkauft – seitdem zunehmend mehr Menschen ihre Finanzen online regeln, bricht der Losverkauf ein. Neue Vertriebswege sollen erschlossen werden, doch das ist nicht einfach, da die Lotterien ausschließen müssen, dass Jugendliche unter 18 die Lose kaufen können. An Selbstbedienungsterminals in den Banken sollte es eine Altersabfrage per EC-Karte geben. Die Glücksspielkommission lehnte den Antrag ab. Wer ein Los online kaufen will, muss einwilligen, dass über die Schufa eine Altersabfrage stattfindet. Bei der Aktion Mensch muss man die Bestellung zusätzlich telefonisch bestätigen. "Es macht uns Soziallotterien die Arbeit einfach sehr schwer", sagt Kipper. Die "Aktion Mensch" wollte über deutsche Handelsketten Lose verkaufen - auch das wurde vom Glücksspielkollegium nicht genehmigt.

Höhere Hürden für den Losverkauf

Mit insgesamt 400.000 Euro hat die "Deutsche Fernsehlotterie" 2008 die Anschubfinanzierung des Kinderhospizes Mitteldeutschland mitgetragen. "Die Architektur des Gebäudes ist sehr aufwändig, und darum kostspielig. Das liegt an den speziellen Anforderungen der Familien, die hierher kommen", erklärt Masch, "und es soll hier nicht aussehen, wie im Krankenhaus. Wir haben viel Glas, damit die Räume hell und freundlich wirken." Weitere 240.000 Euro wurden im vergangenen Jahr für den Ausbau der Anlage ausgeschüttet. Gut 200 Familien konnte das Kinderhospiz Mitteldeutschland einen Entlastungsurlaub schon ermöglichen. Dabei wird auch ein Großteil der laufenden Kosten, wie die 25 festangestellten Fachkräfte, durch Spenden finanziert. Masch blickt skeptisch in die Zukunft: "Wir würden die Einrichtung gerne weiter ausbauen, und so auch Betreuungsangebote für gesunde Geschwisterkinder schaffen – eine Werkstatt zum Beispiel. Aber auch dafür sind wir wieder auf Großspenden angewiesen."

Die Hürde, um ein Los der "Aktion Mensch" oder der "Deutschen Fernsehlotterie" zu kaufen, wird weiter steigen. Bei der "Aktion Mensch" werden die Daten des Loskäufers schon jetzt mit einer Kartei von Spielsüchtigen abgeglichen. In Zukunft wird danach ein Einschreiben, das man eigenhändig annehmen muss, mit einem Pincode verschickt. Mit diesem Pin kann man sich schließlich einloggen und ein Los kaufen. "2012 gab es für die Soziallotterien bereits einige Verbesserungen im Glücksspielstaatsvertrag, aber das Kernproblem bleibt, dass wir im Tagesgeschäft nicht von den suchtgefährdenden Glücksspielen unterschieden werden", so Kipper.

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