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12. März 2010, 06:15 Uhr

Zollitsch zum Rapport beim Papst

Spricht der Papst heute ein Machtwort? Der Pontifex lässt sich vom obersten deutschen Bischof, Robert Zollitsch, über den Missbrauchskandal informieren. Die Justiz kritisiert die Kirche weiter heftig.

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Papst Benedikt XVI. hat Missbrauch stets als Verbrechen gebrandmarkt. Doch auch in seiner Zeit als Erzbischof kam es in katholischen Schulen zu Übergriffen© Claudio Onorati/DPA

Der Papst wird sich heute erstmals direkt in den Missbrauchsskandal an katholischen Einrichtungen in Deutschland einschalten. Dazu empfängt Benedikt XVI. den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der ihm Bericht erstatten soll. In der Vergangenheit hat der Papst äußerst sensibel auf das Thema reagiert und Missbrauch wiederholt als unerträgliches Verbrechen bezeichnet. Gleichzeitig steht der Pontifex selbst im Fokus. In seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising geschah ebenso Missbrauch in katholischen Einrichtungen in Bayern wie bei den Regensburger Domspatzen in der Zeit, als sein Bruder, Georg Ratzinger, für den weltberühmten Knabenchor verantwortlich war.

Zollitsch hält sich allerdings nicht aufgrund der in jüngster Vergangenheit bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in Rom auf, sondern zu alljährlich anstehenden Beratungen mit dem Papst. Der Freiburger Erzbischof hat allerdings inzwischen eingeräumt, dass die deutschen Bischöfe das Problem bisher unterschätzt hätten. Dennoch brauche die Katholische Kirche bei der Aufarbeitung der Fälle nicht die Hilfe des Papstes, meint der Regensburger Bischof Gerhard Müller. Die deutsche Kirche und deren Bischöfe seien sehr wohl in der Lage, die Situation selbst zu bewältigen, sagte Müller am Donnerstag vor Journalisten im Vatikan. Hauptaufgabe sei jetzt, den Opfern aus dieser Zeit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Keine Anzeigepflicht in Missbrauchs-Richtlinien

Unterdessen forderte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) die katholische Kirche erneut auf, enger mit der Justiz zusammenzuarbeiten. In der Vergangenheit seien Staatsanwaltschaften in zu wenigen Fällen eingeschaltet worden, sagte die Ministerin am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Das muss besser werden." Die derzeit noch gültige Richtlinie der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2002 "zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche" müsse geändert werden.

In den Richtlinien gibt es keine Anzeigepflicht. Zur Zusammenarbeit mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden heißt es darin unter anderem: "In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten - falls nicht bereits eine Anzeige vorliegt oder Verjährung eingetreten ist - zur Selbstanzeige geraten und je nach Sachlage die Staatsanwaltschaft informiert."

Der erst kürzlich ernannte Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, zeigte sich verständigungsbereit. Er ließ allerdings erneut offen, ob die katholische Kirche dem Gesprächswunsch der Ministerin nachkommen werde. Sie hatte den Freiburger Erzbischof Zollitsch zu einem Treffen am 25. März eingeladen. Dabei solle der Streit um die ihrer Meinung nach mangelhafte Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beigelegt werden. Die Bischofskonferenz reagierte "überrascht", wie Sprecher Matthias Kopp sagte. Man habe über die Medien von der Einladung erfahren. Zollitsch sei an dem Tag verhindert.

Sexueller Missbrauch nicht nur ein Thema der Kirchen

Dagegen war die Teilnahme an einem "Runden Tisch" zum Thema sexueller Missbrauch, zu dem Familienministerin Kristina Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) für den 23. April eingeladen haben, zugesagt worden. Dort soll das Thema nach Schröders Worten umfassender behandelt werden.

Sexueller Missbrauch sei nicht nur ein Thema der Kirchen, sagte sie der "Financial Times Deutschland". Probleme mit Kindesmissbrauch gebe es in unterschiedlichen Bereichen, in Internaten, in Sportvereinen, aber auch in der Familie selbst. "Mein Ziel ist eine Selbstverpflichtung von Einrichtungen wie Schulen und Vereinen, wie sie sich in konkreten Missbrauchsfällen zu verhalten haben", sagte die Ministerin. Deswegen werde man mit Vertretern von Familienverbänden, Internatsträgern, beider großen Kirchen, der freien Wohlfahrtspflege und Ärzten über Konsequenzen aus den jüngsten Missbrauchsfällen reden.

DPA
 
 
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