30. Dezember 2011, 15:40 Uhr

Verdächtige streiten die Tat ab

Die Polizei ist sich sehr sicher, dass sie die Täter gefasst hat. Doch das verhaftete Bruderpaar streitet ab, vor zwei Monaten einen Augsburger Polizisten erschossen zu haben.

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Einer der beiden Verdächtigen wird am Freitag in einem Polizeibus in das Justizzentrum Augsburg gefahren©

Die Ermittler verkünden im Augsburger Polizistenmord den entscheidenden Fahndungserfolg, doch die beiden Verhafteten streiten die Tat bislang offenbar ab. Die Beamten sprachen am Freitag von zahlreichen Indizien und einer DNA-Übereinstimmung, die den dringenden Tatverdacht gegen die beiden 56 und 58 Jahre alten Brüder untermauerten. Der jüngere der beiden Verdächtigen sei zudem bereits wegen eines Polizistenmordes im Jahr 1975 zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 19 Jahren entlassen worden.

"Wir sind jetzt am Anfang", sagte Klaus Bayerl, Leiter der Sonderkommission "Spickel", mit Blick auf die Beweisführung. Bisher hätten alle Beteiligten äußerst konspirativ ermittelt. Gegen den bereits verurteilten Polizistenmörder bestand demnach von Beginn an ein Verdacht. Ausschlag gaben zuletzt Beobachtungen zweier Polizisten zu dem Auto eines Münchner Geschäftsmannes nahe dem Tatort. Dieser sei zwar selbst nicht am Tatort gewesen und unverdächtig, er habe aber seit Jahren Kontakt zu einem der Verdächtigen und habe ihm häufig sein Auto geliehen. Der Tatverdacht gegen die Brüder verdichtete sich auch durch ihr Verhalten, die Vermögensverhältnisse und schließlich durch den DNA-Treffer. Dieser beziehe sich auf den 58-Jährigen.

Tatverdächtiger womöglich nie wieder frei

Sollte sich der Tatverdacht gegen ihn erhärten, dürfe er nie wieder auf freien Fuß kommen, forderten übereinstimmend Justizministerin Beate Merk und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) in Augsburg. Herrmann bestätigte, dass am Morgen gegen beide Männer Haftbefehle ergangen seien.

Zwei Monate nach der Tat waren die Männer am Donnerstag festgenommen worden. Sie sollen am 28. Oktober nach einer Verfolgungsjagd einen 41 Jahre alten Polizisten erschossen und dessen Kollegin verletzt haben. Sie ist bis heute dienstunfähig. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Verdeckungstat aus, da die Brüder vermutlich eine andere Straftat mit den Schüssen vertuschen wollten.

Die Unschuldsvermutung gilt, aber …

Ministerin Merk sprach trotz der Indizien von der noch bestehenden Unschuldsvermutung. Sie gratulierte den Ermittlern zur "Aufklärung eines feigen und brutalen Verbrechens". Merk äußerte sich überzeugt, dass die Ermittler die Täter letztlich überführen und anklagen können. Auch Herrmann lobte die Ermittlungsarbeit. Vor neun Wochen geschah der "grausame Mord an Mathias Vieth" und die Verletzung seiner Kollegin, sagte Herrmann. Er freue sich, dass die tat vor der Aufklärung stehe und bedankte sich bei der Bevölkerung für die Hinweise, Anteilnahme und Solidarität für die Polizisten und Angehörigen.

swd/tkr/DPA
 
 
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